Retrospektive Betrachtung des Fugenschlusses der Synchondrosen der Schädelbasis bei Hunden verschiedener Rassen unter besonderer Berücksichtigung des Cavalier King Charles Spaniels

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Die Schädelbasis ist als Fundament des gesamten Schädels von großer Bedeutung, sowohl für die gesamte kraniofaziale Entwicklung als auch für die Entwicklung des zentralen Nervensystems. Das Wachstum der Basis cranii findet in den Wachstumsfugen, den sogenannten Synchondrosen, statt und endet mit der Ossifikation der Synchondrosen, welche fortan als Synostosen erhalten bleiben. Beim Menschen ist der Zeitpunkt des Fugenschlusses bekannt und in zahlreichen Studien untersucht worden. Die Regulation des Wachstums der Synchondrosen und deren Verknöcherung werden durch zahlreiche Wachstums- und Transkriptionsfaktoren kontrolliert. Abweichungen in diesem komplexen Regulationssystem, beispielsweise durch Mutationen, führen zu pathologischen Erscheinungsbildern, wie sie bei kraniofazialen Malformationen beobachtet werden. Der Fugenschluss beim Haushund ist in der veterinärmedizinischen Literatur bis dato kaum untersucht worden. Es existieren nur wenige Angaben, die keine Differenzierung zwischen den verschiedenen Hunderassen vornehmen. Im Hinblick auf die mannigfaltigen Schädelformen, die der Hund im Laufe der Domestikation durch den Menschen entwickelt hat, ist dies verwunderlich. Einen extremen Schädeltypus zeigen brachyzephale Hunde, bei denen eine Verkürzung der Schädellängsachse mit kompensatorischer Verbreiterung auftritt. Beim Cavalier King Charles Spaniel (CKCS) ist diese verminderte, longitudinale Ausdehnung besonders stark ausgeprägt. Der CKCS weist außerdem eine Rasseprädispostion für den Erkrankungskomplex der Chiari-ähnlichen Malformation (CM) auf. Angesichts der geschilderten Sachlage erschien die Untersuchung des Ossifikationszeitpunktes der Synchondrosis sphenooccipitalis, welche maßgeblich am Längenwachstum des Schädels beteiligt ist, beim Hund unerlässlich. Das Ziel der vorliegenden Studie bestand darin, den Ossifikationszeitpunkt der Synchondrosis sphenooccipitalis beim Hund zu bestimmen. Aufgrund der verschiedenen Schädeltypen wurde eine Einteilung der Studienteilnehmer in drei Gruppen vorgenommen. Gruppe 1 bestand aus Hunden mesozephaler Rassen, deren Schädeltypus der Urfom Wolf am nächsten kommt. Die zweite Gruppe bildeten Hunde brachyzephaler Rassen. In Anbetracht der extremen Brachyzephalie des CKCS und der Häufung der CM bei dieser Rasse, war eine gesonderte Gruppierung dieser Hunde indiziert. In die Studie gingen insgesamt 67 mesozephale und 24 brachyzephale Hunde, sowie 58 Tiere der Rasse CKCS ein. Die Tiere durften nicht älter als 18 Monate sein. Von allen Studienteilnehmern existierte ein midsagittales T2-gewichtetes, magnetresonanztomographisches Schnittbild. Bei jedem Studienteilnehmer wurde die Synchondrosis sphenooccipitalis auf dem midsagittalen Schnittbild identifiziert und der Zustand der Fuge als offen oder geschlossen beurteilt. Offene Fugen stellten sich als hypointense, unregelmäßig begrenzte Linie dar, welche die Kontinuität der Schädelbasis mittig bis ventral der Pons durchbrach. Geschlossene Fugen zeigten einen Verlust des hypointensen Signals bei gleichzeitiger Annäherung des fleckig-hyperintensen Signals der angrenzenden Markhöhlen. Der Vergleich zwischen dem magnetresonanztomographischen Erscheinungsbild der Synchondrosis sphenooccipitalis und des realen Zustandes der Fuge mithilfe der Histologie erfolgte lediglich bei einem Studienteilnehmer und fiel positiv aus. Dieses Ergebnis bedarf jedoch der weiteren Verifizierung durch eine größere Zahl an Untersuchungen. Die Ergebnisse der statistischen Auswertung zeigten deutliche Unterschiede im Ossifikationszeitpunkt der Synchondrosis sphenooccipitalis zwischen den drei Studiengruppen. Beim CKCS trat der Fugenschluss im Mittel mit dem fünften Lebensmonat, und somit am frühesten, ein. Es folgte Gruppe 2, die von den brachyzephalen Studienteilnehmern gebildet wurde. Hier fand der Fugenschluss durchschnittlich mit 9,5 Monaten statt. Zuletzt ossifizierte die Synchondrosis sphenooccipitalis bei Vertretern mesozephaler Rassen, etwa mit 13,5 Monaten. Die zeitlichen Abstände zwischen den drei Gruppen zeigen sich im paarweisen Gruppenvergleich signifikant bis hochsignifikant (pCKCS/BC = 0,014; pBC/MC = 0,016; pCKCS/MC < 0,0001). Allerdings erschien der Beobachtungszeitraum bis zum 18. Lebensmonat als nicht ausreichend, da bei einigen Studienteilnehmern die Synchondrosis sphenooccipitalis noch nicht geschlossen war. Somit konnte keine abschließende Aussage über den Ossifikationszeitpunkt getroffen werden. Jedoch bestätigten die Ergebnisse die Vermutung, dass die verfrühte Ossifikation der Synchondrosis sphenooccipitalis die Ursache der reduzierten Schädellänge bei brachyzephalen Rassen ist. Dennoch ist eine weitere Erforschung der Mechanismen, die der Brachyzephalie des Haushundes zugrunde liegen, zwingend erforderlich. Der brachyzephale Schädeltypus repräsentiert lediglich den Phänotyp einer Reihe von verschiedenen, multifaktoriellen Grundursachen. Angesichts der Leiden und Schäden, die bei brachyzephalen Rassen auftreten, ist dies von besonderer Bedeutung. Im Hinblick auf die Pathogenese der CM stützen die vorliegenden Ergebnisse die Sonderstellung, die der CKCS unter den brachyzephalen Rassen einnimmt. Auch werden Ergebnisse anderer Studien, die Veränderungen des Os basioccipitale bei CKCS mit CM postulieren, erklärt. Ferner werden aktuellere Thesen zur Entstehung der Syringomyelie durch Störungen des venösen Abflusses im Bereich der Foramina jugularia untermauert. Weitere Studien, auch im Bereich der Suturen der Calvaria sind nötig, um zur Klärung des multifaktoriellen Geschehens beizutragen, das für die Entstehung der CM beim CKCS verantwortlich ist.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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