Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen der Resistenz gegenüber enterotoxämischen Escherichia coli (F18) und der Mastleistung sowie der Schlachtkörperqualität beim Schwein
Die vorliegende Arbeit soll das Vorhandensein des Rezeptors für die Varianten ab und ac des F18-Antigens von Escherichia coli in verschiedenen inDeutschland vorkommenden Schweinerassen und beim Wildschwein erfassen und rassespezifische Unterschiede aufdecken. Die Verteilung der bisherbeschriebenen Adhäsionsphänotypen resistent und empfänglich in den einzelnen Rassen soll verglichen werden. Eine Untersuchung des Einflusses derverschiedenen Adhäsionsphänotypen auf bestimmte Parameter der Mastleistung und Schlachtkörperqualität soll Hinweise auf den Sinn und wirtschaftlichenNutzen von Zuchtstrategien auf Resistenz gegenüber F18-positiven Escherichia coli geben. Die Ergebnisse der Arbeit werden wie folgt zusammengefaßt: Die Resistenzrate gegenüber das F18-Antigen tragenden Escherichia coli wurde im Durch-schnitt mit 8,4 % gegenüber F18ab und 8,3 % gegenüber F18acermittelt. Bei den hier untersuchten Tieren konnten die neuen Adhäsionsphänotypen 'schwach adhäsiv' und 'mittelgradig adhäsiv' zusätzlich zu den bereitsbekannten Phänotypen beschreiben werden, die in der Gesamtpopulation mit einem Anteil von 1,5 % (schwach adhäsiv) und 3,7 % (mittelgradig adhäsiv)auftraten.
In der Rasse Hampshire und beim Wildschwein konnten keine Tiere als resistent typisiert werden. Dagegen zeigten die Rassen Schwäbisch Hällisches Schweinund Belgische Landrasse einen hohen Anteil resistenter Tiere. Für das Vorhandensein bzw. Fehlen des spezifischen Rezeptors für F18-positive Escherichia coli wurden die Allelfrequenzen geschätzt und getrennt nachHausschwein und Wildschwein sowie aufgegliedert nach den einzelnen Rassen beurteilt.
Bei den Untersuchungen der verschiedenen Parameter von Mastleistung konnte bei der Rasse Deutsche Landrasse ein signifikanter Einfluß derAdhäsionsphänotypen auf das Merkmal 'tägliche Zunahme' beobachtet werden, der für resistente Tiere eine niedrigere tägliche Zunahme in der Mastperiodebewirkte. Außerdem wurden bei den Rassen Deutsche Landrasse und Deutsches Edelschwein gegensätzliche tendenzielle Effekte auf den Parameter'Magerfleischanteil' gefunden.
Auf die Parameter der Schlachtkörperqualität 'pH-Wert im Schinken' und 'pH-Wert im Musculus longissimus dorsi' wurde ein tendenzieller Einfluß in derGesamtpopulation beobachtet, der für die Rasse Deutsche Landrasse statistisch abgesichert werden konnte. Danach haben Tiere mit empfänglichemAdhäsionsphänotyp eine geringfügig schlechtere Fleischreifung als resistente Tiere. Die signifikanten bzw. tendenziellen Effekte auf den Parameter 'Fleischbeschaffenheitszahl' bei den Rassen Deutsche Landrasse und Piétrain wirkten sichgegensätzlich aus und müssen somit auch im Bezug auf die für streßempfindliche Rassen beschriebene Kopplung von Streßresistenz mit Empfindlichkeitgegenüber Escherichia coli F18 weiter untersucht werden.
Als Empfehlung für die Zukunft wird die Lokalisation des Genortes für Resistenz gegenüber dem F18ac-Antigen von Escherichia coli angeregt. Das Auftretender neuen Adhäsionsphänotypen 'schwach adhäsiv' und 'mittelgradig adhäsiv' muß über eine Untersuchung etwaiger epistatischer Einflüsse oder bisher nichteinbezogener Genorte erklärt werden. Eine Einbeziehung der in der vorliegenden Untersuchung durch einen hohen Anteil resistenter Tiere aufgefallenen Rassenkann neue Aufschlüsse über die Kopplung des Merkmals 'Resistenz gegenüber F18-positiven Escherichia coli' an in der Schweineproduktion bedeutendeParameter geben. Vor allem die Kopplung von Streßempfindlichkeit und F18-Resistenz muß vor dem Einsatz eines Zuchtprogramms mit dem Ziel derEliminierung F18-empfindlicher Tiere aus Problembeständen durch weitere Untersuchung von bisher nicht berücksichtigten Schweinerassen bestätigt oderausgeschlossen werden. Die hier vorgestellte Untersuchung läßt den vorläufigen Schluß zu, daß sich das Gen, das die Empfänglichkeit gegenüber dasF18-Antigen tragenden Escherichia coli-Bakterien kontrolliert, im Bezug auf die untersuchten Parameter der Mastleistung und Schlachtkörperqualität neutralverhält. Eine Beeinträchtigung dieser ökonomisch wichtigen Merkmale durch eine Resistenzzucht ist somit nicht zu erwarten, sollte aber erst nach demAusschluß von haltungsbedingten negativen Einflüssen auf die Tiergesundheit angestrebt werden.
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