Morphologische und morphometrische Untersuchung des Dickdarmes der Koalas, einschließlich einer vergleichenden Gegenüberstellung der Darmtrakte von Koala, Schwein und Pferd

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Der Koala, Phascolarctos cinereus (Goldfuß 1817), zählt zu den auf Bäumen lebenden,ausschließlich Ekalyptusblätter verzehrenden Beuteltieren, die in den riesigenEukalyptuswäldern Ostaustraliens beheimatet sind. Zur Nahrungsgrundlage der Koalaszählen lediglich etwa 20 der ca. 600 Eukalyptusarten. Dies macht ihn zu einemextremen Nahrungsselektierer. Nur mit Hilfe von symbiotischen Darmbakterien gelanges dem Koala diese ansonsten fast gänzlich ungenutzte ökologische Nische zu erobern. Als Resultat dieser Ernährungsgrundlage hat der Koala im Laufe der Evolution seinenVerdauungstrakt in einer einzigartigen Art und Weise den ökologischen Bedürfnissenseines Lebensraumes angepaßt. Hauptort der mikrobiellen Fermentation ist derprominent entwickelte Blinddarm, der gleichfalls das herausragenste Merkmal desVerdauungsapparates der Koalas darstellt. Dieser enorme Blinddarm ist der mit Abstandhöchst spezialisierteste, komplexeste und größte (bezogen auf die Körpergröße bzw. dasKörpergewicht) innerhalb der Gruppe der Säugetiere. Zusammen mit dem ebenfallsstark entwickelten proximalen Colon bildet das Caecum der Koalas eine funktionelleEinheit, die dem Mittelpunkt der Verdauung entspricht. Die Vermessung der gesamten zur Resorption zur Verfügung stehenden Grundoberflächedes Koaladarmes ergibt Werte von ca. 44 m². Diese Größe entspricht immerhin inetwa der eines Squash-Courts. Neben der enormen Größe vor allem von Caecum undColon ist noch eine weitere Struktur an der Bildung dieser weit überdurchschnittlichgroßen Grundoberfläche beteiligt. Es handelt sich dabei um 8-14 Längsfalten, dieparallel verlaufend, die Dickdarmoberfläche vom Beginn des Caecums bis zum Anfangdes distalen Colon vergrößern. Diese Art der Oberflächenvergrößerung ist in dieserForm und Ausprägung bisher nur beim Koala bekannt und stellt somit eine weitereBesonderheit des Gastro-Intestinal-Traktes des Koalas dar. Ein erstaunlich geringer Grundumsatz sowie die Fähigkeit Wasserverluste über dieFaeces derartig zu minimieren, wie es bei dem Koala der Fall ist, bilden in Zusammen-97hang mit den physiologischen Prozessen des Darmes (Entgiftung der Eukalyptusblätterdurch die Mikroorganismen des Dickdarmes, selektive Ausscheidung grobstrukturierterNahrungsbestandteile) die Existenzgrundlage dieses Charaktertieres Australiens. Wird die Untersuchung auch auf andere Tierarten zwecks eines interspezifischenVergleiches ausgedehnt, so zeigt sich einmal mehr die einzigartige Stellung der Koalas.Die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Vergleiche zwischen dem Koala auf dereinen sowie Schwein und Pferd auf der anderen Seite grenzt den Koala als einenextremen Vertreter der Herbivoren deutlich von den beiden anderen Tierarten ab. Daalle drei Spezies entweder gänzlich (Koala, Pferd) oder doch zumindest zu einemGroßteil (Schwein) auf pflanzliche Nahrung zurückgreifen, haben alle im Laufe derEvolution Fermentationskammern zum mikrobiellen Aufschluß der Pflanzenkostausgebildet. Die fermentative Aufgabe übernimmt im Falle des Koalas das Caecum,wohingegen bei Pferd und Schwein diese Funktion dem proximale Colon zufällt. Allendrei Dickdarm-Fermentern ist wiederum gemein, dass der Bereich Caecum-proximalesColon eine funktionelle Einheit bildet. Tiefgreifendere Einblicke in die verschiedenen Verdauungstrakte können mit Hilfe dergebildeten Koeffizienten gewonnen werden. Insbesondere die extrem günstigenResorptionsverhältnisse des Koalas grenzen diesen von Schwein und Pferd ab. Da derStoffwechsel von kleineren Lebewesen generell höhere metabolische Ansprüche stellt,verwundert einzig die Deutlichkeit mit der sich der Beutelbär von den uns hier bestensbekannten Haussäugetieren absetzt. Alles in allem erscheinen die Differenzen zwischen Koala und Schwein geringer alserwartet, obwohl es sich beim Schwein immerhin um einen Vertreter der Gruppe derOmnivoren und nicht, wie beim Koala, um einen Herbivoren handelt. Aber auch dasPferd scheint, trotz Zugehörigkeit zu den Herbivoren, nicht im geringsten mit derEntwicklung des Gastro-Intestinal-Traktes der Koalas mithalten zu können.

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Erstpublikation in

Wettenberg : VVB Laufersweiler 2003

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