Bei der PH handelt es sich um eine schwerwiegende Erkrankung, die sich oftmals mit unspezifischen Symptomen präsentiert. Die Erkennung der PH, die Einordnung in eine PH-Ätiologie und die Einschätzung der Prognose setzen einen umfangreichen diagnostischen Vorgang voraus. Goldstandard innerhalb des Prozesses ist eine invasive Rechtsherzkatheteruntersuchung. Ziel der vorliegenden Studie war es, die potentiellen Biomarker Gas6 und sAxl im Hinblick auf ihre diagnostische und prognostische Aussagekraft zu untersuchen sowie mögliche Zusammenhänge mit der Krankheitsschwere und Parametern aus Rechtsherzkatheteruntersuchungen aufzudecken. Zu diesem Zweck wurden 167 (sAxl), bzw. 179 (Gas6) therapienaive Patienten des UKGM retrospektiv ab der ersten Rechtsherzkatheteruntersuchung bis April 2015 beobachtet. Darüber hinaus erfolgte eine Blutentnahme über die Pulmonalarterie im Rahmen der ersten Rechtsherzkatheteruntersuchung. Daraufhin wurden die aufeinanderfolgenden Patienten leitliniengerecht den ätiologischen Gruppen (PVH, IPAH, CTD, CTEPH) zugeordnet. Im Anschluss erfolgte die Quantifizierung der Proteine Gas6 und sAxl aus EDTA-Plasma mithilfe eines Sandwich-ELISA und die statistische Auswertung mit der Software SPSS. Dabei zeigte sich weder ein Unterschied zwischen PH-Patienten und der Ausschlussgruppe, noch gelang die Differenzierung zwischen PH-Ätiologien anhand der Gas6 bzw. sAxl Plasmakonzentration (ln(Gas6) ANOVA p = 0,222, sAxl ANOVA p = 0,345). Folglich eignen sich beide Proteine nicht als diagnostische Biomarker. Im Hinblick auf die Krankheitsschwere war die Verteilung der Gas6 Plasmakonzentration über die WHO FC signifikant unterschiedlich (Kruskal-Wallis-Test p = 0,015). Andererseits musste aufgrund des nicht stetigen Anstiegs der WHO FC mit der ansteigenden Gas6 Plasmakonzentration eine eingeschränkte klinische Bedeutung angenommen werden. Bei sAxl zeigte sich bezüglich der Krankheitsschwere kein signifikanter Zusammenhang. Gas6 korrelierte bei Patienten mit PH zudem positiv mit dem PAWP (r = 0,23; p = 0,006) und negativ mit dem CI (r = -0,166; p = 0,049). Der CI besitzt neben der WHO FC ebenfalls prognostische Relevanz, jedoch waren beide Korrelationen nur von geringer Ausprägung. Im sAxl-PH-Kollektiv zeigte sich ebenfalls eine gering ausgeprägte, signifikante Korrelation mit dem PAWP (r = 0,202; p = 0,021). Somit wurden Zusammenhänge zwischen den untersuchten Proteinen und Parametern aus der Rechtsherzkatheteruntersuchung als gering und klinisch wenig relevant eingestuft. Im Hinblick auf das Überleben und die TTCW waren signifikante Unterschiede über die Gas6 Quartile innerhalb des PH-Kollektivs feststellbar (Überleben p = 0,037; Ein-, Drei-, Fünf-Jahres Überleben Quartil 4 mit 83%, 54%, 51% vs. Quartil 1 mit 91%, 91%, 86%; TTCW p = 0,017; Ein-, Drei-, Fünf-Jahre ohne klinische Verschlechterung Quartil 4 mit 45%, 21%, 21% vs. Quartil 1 mit 61%, 55%, 45%). Als letztes wurde die prognostische Relevanz der Proteine untersucht. Bei sAxl war nicht von einer prognostischen Relevanz auszugehen. Vielversprechend fielen dahingegen die Ergebnisse im Gas6-Kollektiv aus. In einem multivariaten Ansatz zeigte sich bei Patienten mit Gas6 Plasmakonzentrationen oberhalb des Medians eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit an einer PH zu versterben (Cox-Regression p = 0,116; HR = 1,7). Auch unter Betrachtung von Gas6 und der TTCW wurde ein signifikantes Ergebnis erzielt (Cox-Regression univariat, kontinuierlich p = 0,005; HR = 2,8). Abschließend konnte gezeigt werden, dass es sich bei Gas6 um einen multivariat stabilen Prädiktor im Hinblick auf das Überleben bei Patienten mit PH handelt. Weitere Untersuchungen zur Gas6 Plasmakonzentration aus peripheren Venen sollten perspektivisch folgen.
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