Hohe Zufriedenheit chronisch Schizophrener unter Deprivationsbedingungen : die Rolle von relativer Deprivation, Referenzkognitionen und sozialen Vergleichen

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Lebensqualität (LQ) hat als als Bewertungskriterium psychiatrischer Therapie in den letzten Jahren breite Verwendung erfahren, ihre Validität als Indikator wird jedoch durch Verlaufsstudien in Frage gestellt. Diese finden bei chronisch schizophrenen Patienten eine zunehmende subjektive LQ und Zufriedenheit, je länger sie hospitalisiert sind. Die objektiven Lebensumstände dieser Patienten sind dagegen keinesfalls zufriedenstellend. Die vorliegende Arbeit soll zur Aufklärung dieses kontraintuitiven Verhaltens des Indikators LQ beitragen. Zu diesem Zweck wurden die sozialpsychologischen Theorien zu "Relativer Deprivation", "Referenzkognitionen" und "sozialen Vergleichen" auf psychiatrische Patienten übertragen. Diese Theorien erklären bei Normalprobanden das Phänomen, daß Menschen unter objektiv schlechten Bedingungen zufriedener sein können als Menschen unter objektiv besseren Bedingungen. Die in den Theorien genannten Voraussetzungen für Unzufriedenheit wurden in Anlehnung an die amerikanischen Originalarbeiten operationalisiert, quantifizierbar gemacht und an repräsentativen Stichproben aus der Normalbevölkerung sowie bei schizophrenen Langzeit- und Akutpatienten gleichzeitig mit subjektiver LQ gemessen. Es konnte gezeigt werden, daß die Zusammenhänge zwischen Zufriedenheit und deren Voraussetzungen gemäß den Theorien der relativen Deprivation und der sozialen Vergleiche bei schizophrenen Patienten ebenso wie bei der Normalbevölkerung replizierbar sind. Die Theorie der Referenzkognitionen konnte in der Operationalisierung der vorliegenden Arbeit weder auf die Normalbevölkerung noch auf die psychiatrischen Patienten angewendet werden. Die Ergebnisse stützen die Annahme, daß die hohe Zufriedenheit chronisch schizophrener Patienten eher über Adaptationsprozesse reguliert wird als daß sie eine Folge äußerer Umstände darstellt. Insbesondere scheinen Veränderungen im Aspirationsniveau, der Wahrnehmung von Ungerechtigkeit sowie bei der Durchführung sozialer Vergleiche eine Rolle zu spielen. Zukünftige Untersuchungen zur Zufriedenheit chronisch schizophrener Patienten sowie auf LQ basierte Therapieentscheidungen, wie z.B. Entscheidungen über die Unterbringung solcher Patienten sollten diese Befunde berücksichtigen.

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