Ziel der vorliegenden Untersuchung war die Darstellung der prothetischen Versorgung und der subjektiven Wahrnehmung und Zufriedenheit im Bereich der zahnärztlichen Prothetik von älteren, multimorbiden und teilweise pflegebedürftigen Patienten im Alter von 50 96 Jahren (n=418, Durchschnittsalter 74,2 Jahre), im Gegensatz zum objektiven Behandlungsbedarf nach klinischen, befundbezogenen Parametern. Das untersuchte Patientengut wies eine Geschlechtsverteilung von 178 Männern und 240 Frauen. Die Mehrheit der Patienten wies drei und mehr Erkrankungen auf, mit einen geringfügig höheren Anteil der weiblichen Patienten. Es war eine quantitativ hohe prothetische Versorgung beim untersuchten Patientengut zu verzeichnen, die aber qualitative Defizite bezüglich des Kauvermögens der Patienten aufwies. Dies dokumentierte sich in einem schlechten Sitz der Prothese und dem Vorhandensein von Druckstellen und Materialabnutzung der Kunststoffbasis und Kunststoffzähne. Der Behandlungsbedarf war bei den Prothesen im Unterkiefer größer als im Oberkiefer. Am meisten waren die Totalprothesen im Oberkiefer und Unterkiefer betroffen, die zum größten Teil erneuert werden mussten. Trotz hohem Behandlungsbedarfs und objektiver Mängel war bei den Prothesenträgern eine hohe subjektive Zufriedenheit zu vermerken. Signifikanten Einfluss auf die Zufriedenheit hatten der Sitz der Prothese und die Traggewohnheiten.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass viele der älteren Patienten eine insuffiziente prothetische Versorgung im Zusammenhang mit einer Verminderung der Kaufähigkeit aufwiesen. Zusätzlich zeigte sich bei den untersuchten Patienten eine Diskrepanz zwischen objektiven Behandlungsbedarf und dessen subjektiver Einschätzung. Deswegen sollte bei älteren Patienten der präventive Hintergrund des Zahnarztbesuches durch den Zahnarzt vermittelt werden. Patienten sollten in ein halbjährliches Recall- und Prophylaxeprogramm geführt werden, um eventuelle Mängel des Zahnersatzes frühzeitig zu erkennen und mit einem geringen Aufwand zu beheben. In der Therapieplanung von Zahnersatz ist es besonders wichtig zu bedenken, dass sowohl der ältere Patient mit seiner eingeschränkten Feinmotorik, als auch die ihn Pflegenden in der Lage sein müssen, mit dem Zahnersatz zurecht zu kommen und der Zahnersatz so ausgerichtet ist, dass Nachbehandlungen, im Sinne einer Erweiterung oder Reparatur, möglichst einfach sind.
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