Vergleich von 6 Risikoklassifikationen für aortokoronare Bypassoperationen : Analyse der zu Grunde liegenden Risikofaktoren

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Ziel: Risikoklassifikationen in der Herz- und Gefäßchirurgie sind bei der Qualitätskontrolle, bei der Begleitung von klinischen Studien, bei Kosten-Nutzen-Analysen, aber auch als orientierende Hilfe bei der Indikationsstellung für den einzelnen Patienten von unbestreitbarem Nutzen. In unserer Studie wurden sechs gängige Risikoklassifikationen auf ihre Validität und Anwendbarkeit in unserer Patientenpopulation hin getestet. Die in denRisikoklassifikationen verwendeten Risikofaktoren wurden auf ihren erklärenden Beitrag zu der postoperativen 30-Tages-Mortalität und Morbidität in unserer Patientenpopulation hin überprüft, mit dem Ziel, die aussagekräftigsten "Kern-Risikofaktoren" herauszufiltern. Material und Methodik: Im Rahmen dieser retrospektiven Studie wurden 956 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung, die sich im Zeitraum von Januar 1999 bis Mai 2000 einer aortokoronaren Bypassoperation (ACB-OP) unterzogen hatten, hinsichtlich ihres Operationsrisikos durch den Parsonnet Score, den EURO Score, den Ontario Province Risk (OPR) Score, den French Score, den Pons Score und den Cleveland Clinic Score klassifiziert. Als postoperatives "outcome" betrachteten wir die Mortalität und Morbidität innerhalb der ersten 30 Tage. Receiver Operating Characteristics (ROC) Kurven wurden bestimmt, um die Risikoklassifikationen auf ihre Validität zu untersuchen und miteinander zu vergleichen. Um die aussagekräftigsten "Kern-Risikofaktoren" zu bestimmen, wurden in einer univariaten Analyse die relativen Risiken der einzelnen Risikofaktoren ermittelt und in einer multivariaten Analyse die in Frage kommenden Faktoren mittels logistischer Regression in einem Step-Down-Verfahren getestet. Ergebnisse: Bei der ROC-Kurven Analyse zeigten sich für alle Risikoklassifikationen vergleichbare Werte ohne signifikante Unterschiede (Mortalität: Parsonnet 0,802; EURO 0,815; OPR Score 0,796; French Score 0,770; Pons Score 0,847; Cleveland Clinic Score 0,805) (Morbidität: Parsonnet 0,696; EURO 0,706; OPR Score 0,693; French Score 0,682; Pons Score 0,692; Cleveland Clinic Score 0,693). In der klinischen Praxis erscheint der OPRScore mit nur sechs Risikofaktoren am einfachsten zu erheben zu sein.Die in der multivariaten Analyse aussagekräftigsten Kern-Risikofaktoren für diepostoperative Mortalität waren ein Kreatinin-Wert im Serum ab 1,5 mg/dl, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz NYHA Grad 3 oder 4, Re-Operation, schlechter präoperativer Status des Patienten und eine ACB-OP kombiniert mit einer Herzklappen-OP. Ein höheres Patientenalter zeigte zwar in der univariaten Risikofaktoranalyse auch höhere relative Risiken, bei dermultivariaten Analyse war das Alter als Risikofaktor jedoch nicht relevant. Eine symptomatische Herzinsuffizienz war multivariat betrachtet aussagekräftig. Wurdestattdessen jedoch nur eine eingeschränkte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) betrachtet, ergaben sich keine Relevanzen. Als Kern-Risikofaktoren für die postoperative Morbidität ergaben sich ein Kreatinin-Wert im Serum ab 1,5 mg/dl, eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), eine Herzinsuffizienz NYHA Grad 3 oder 4, eine Re-Operation, ein schlechter präoperativer Statusdes Patienten und eine ACB-OP kombiniert mit einer Herzklappen-OP. Ein höheresPatientenalter zeigte in der multivariaten Betrachtung ebenfalls Relevanz als Risikofaktor, nicht jedoch eine eingeschränkte LVEF an Stelle der symptomatischen Herzinsuffizienz. Schlussfolgerungen: Alle untersuchten Risikoklassifikationen zeigen eine ausreichend hohe Validität hinsichtlich der postoperativen Mortalität, nicht jedoch bezüglich der postoperativen Morbidität. Bei statistisch nicht signifikanten Unterschieden in der Diskriminanz der einzelnen Risikoklassifikationen scheint der OPR Score vom klinischen Standpunkt hergesehen mit nur sechs zu erhebenden Risikofaktoren am praktikabelsten zu sein.Bezüglich der Analyse von einzelnen Risikofaktoren lässt sich feststellen, dass eine Herzinsuffizienz als Risikofaktor erst bei einer symptomatischen Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Patienten an Bedeutung gewinnt. Das "biologische Alter" eines Patienten wird durch die Kombination mehrerer Risikofaktoren hinreichend gut abgebildet, so dass das chronologische Alter des Patienten in einer multivariaten Analyse an Bedeutungverliert.

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Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler 2007

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