Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Effizienz der dezentralen Tumornachsorge bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen zu analysieren und aus den Ergebnissen sowohl die bisherigen therapeutischen Konsequenzen als auch das Regime der Nachsorgeuntersuchungen zu bestätigen bzw. zu optimieren. Insbesondere sollte geklärt werden, ob durch unterschiedlich intensive Nachsorgeprogramme (strukturierte, diffuse, keine Nachsorgeuntersuchung) eine Verbesserung der 5-Jahres-Überlebensrate erzielt werden konnte.Von 1991 bis 1995 wurden am damaligen Kreiskrankenhaus in Lich (heute Asklepios-Klinik Lich GmbH, Akademisches Lehrkrankenhaus der Justus-Liebig-Universität Gießen) 246 Patienten wegen eines kolorektalen Karzinoms operiert. Es wurden die Daten von 161 R0-resezierten Nachsorgepatienten ausgewertet und mit den Ergebnissen der Nachsorgequalität verglichen.Vorliegende Untersuchung führte zu folgenden Ergebnissen:Im Nachsorgeverhalten zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen Kolon- und Rektumkarzinompatienten. Insbesondere wurde in beiden Tumorlokalisationsgruppen diffus nachgesorgt.Je besser der Allgemeinzustand des Patienten war, desto häufiger wurden Nachsorgeuntersuchungen in Anspruch genommen. Hierbei zeigte sich kein Unterschied im Nachsorgeverhalten diffus / strukturiert. Mit zunehmendem Lebensalter wurden die Nachsorgen unregelmäßiger.Hinsichtlich der Stadienzugehörigkeit wurde insbesondere im UICC-Stadium I-II diffus nachgesorgt, wobei ein großer Anteil der nicht nachgesorgten Patienten auch dem UICC-Stadium II angehörten.Hinsichtlich der frühzeitigen Erkennung von lokoregionären Tumorrezidiven zeigte die strukturierte Nachsorge einen Vorteil gegenüber der diffusen Nachsorge. Bei den Patienten mit Rektumkarzinomrezidiven konnte eine höhere Mortalitätsrate gegenüber den Patienten mit Kolonkarzinomrezidiven festgestellt werden. Bei den Patienten mit metachronen kolorektalen Karzinomen und Zweitkarzinomen war wegen der niedrigen Fallzahl eine verlässliche Aussage hinsichtlich der Nachsorgequalitäten nicht möglich.Bei den kolorektalen Adenomen zeigte die strukturierte einen deutlichen Vorteil gegenüber der diffusen Nachsorge.Bei den metachronen Fernmetastasierungen zeigte sich für die strukturierte gegenüber der diffusen Nachsorge kein Vorteil. In aller Regel konnte bei Erkennen von Fernmetastasen lediglich eine symptomatische Therapie durchgeführt werden.Ein hochsignifikanter Unterschied (p<0,0005) ergab sich bei der 5-Jahres-Überlebensrate im Vergleich zwischen nachuntersuchten und nicht nachuntersuchten Patienten. Ebenso zeigte sich im Vergleich dieser Patientengruppen ein signifikanter Unterschied (p=0,0365) bei der tumorspezifischen Sterberate.Keinen signifikanten Unterschied (p=0,9559) zeigte der Vergleich zwischen strukturierter und diffuser Nachsorge bei der 5-Jahres-Überlebensrate und der tumorspezifischen Sterberate (p=0,379).
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