Mit der vorliegenden vergleichenden klinischen Untersuchung sollte abgeklärt werden, ob und inwieweit sich Pilze bereits in derZahnplaque von Kindern mit noch naturgesunden und schon kariös vorgeschädigten Milch- und Wechselgebissen nachweisen lassen undsich somit bereits aktiv am Kariesinitial beteiligen können.
An insgesamt 200 Kindern im Alter zwischen 3 und 11 Jahren wurden orientierende mikrobiologische Untersuchungen zurKeimbesiedelung der Mundhöhle unter besonderer Berücksichtigung von Candida-Hefen durchgeführt. Es handelte sich um je 50 Patientenmit kariösen und 50 Probanden mit noch naturgesunden Milchgebissen, sowie um je 50 Patienten mit kariösen und 50 Probanden mit nochnaturgesunden Wechselgebissen. Bei den Probanden wurden mikrobiologische Untersuchungen von Speichel- und Plaqueproben, bei denPatienten zusätzlich auch Proben kariös erweichter Zahnsubstanz auf Bakterien- und Candidabesiedelung durchgeführt und zusätzlich dieSpeichelpufferkapazität bestimmt.
Für die Keimbestimmung wurden Speichel, Plaque und kariöse Substanz auf Blut- und Sabouraud Agar ausplattiert, die Platten bei 37°Cinkubiert und nach 24 und 48 Stunden beurteilt. Zusätzlich wurden die Testsets der Firma Orion Diagnostica (Espoo, Finnland) zurQuantifizierung von Streptococcus mutans (Dentocult SM), von Laktobazillen (Dentocult LB) und zur Messung der Pufferkapazität desSpeichels (Dentobuff) verwendet.
Die Auswertungen ergaben ein vermehrtes Auftreten der kariesspezifischen Keime Streptococcus mutans und Laktobazillen im Speichelder Kinder mit kariösen Milch- und Wechselgebissen gegenüber den Jungen und Mädchen mit naturgesunden Milch- undWechselgebissen. Die pH-Werte des Speichels ließen für Kinder mit kariesfreien Milch- und Wechselgebissen signifikant höherepH-Werte und somit eine bessere Pufferkapazität im Vergleich zu den Kindern mit kariösen Milch- und Wechselgebissen erkennen.
Sowohl für Milch- als auch für Wechselgebisse konnten Candida-Hefen bei den Patienten mit kariösen Gebißverhältnissen signifikanthäufiger diagnostiziert werden als bei den Probanden mit naturgesunden Gebissen. So befanden sich bei den Kindern mit naturgesundenMilchgebissen neben den üblichen Keimen der physiologischen Mundflora nur in 6% der Fälle Hefen in Speichel- und Plaqueproben. Beiden Jungen und Mädchen mit naturgesunden Wechselgebissen war der Anteil mit 18% im Speichel und 14% in der Plaque schon höher.Für die Patienten mit Karies ergaben sich für Milch- und Wechselgebisse allerdings bei 60% und 58% der Fälle in Speichelproben sowiebei 60% und 62% in Plaqueproben Candidabesiedelungen und sogar bei 80% und 82% in der kariösen Substanz.
Die Mengenbewertung massenhaft Candida (>103 koloniebildende Einheiten) mußte in keinem Fall für Speichel und Plaque derProbanden mit naturgesunden Gebissen zugeordnet werden. Bei den Patienten mit kariösen Gebissen war dieser Keim jedoch schon in2% und 4% der Fälle für Speichel, in 6% und 14% für Plaque sowie in 40% und 46% für kariöse Substanz massenhaft vorhanden.
Die Ergebnisse lassen folgende Schlußfolgerungen zu:
Es besteht eine positive Korrelation zwischen dem Auftreten der kariesspezifischen Keime Streptococcus mutans, Laktobazillen sowie Candida in der Mundhöhle und Kariesbefall.
In der Zahnplaque von Kindern mit naturgesunden Milch- und Wechselgebissen befinden sich nur selten schon Hefen. Handelt es sich um kariöse Gebisse, so ist dieser Keim dort bereits häufig und in größerer Menge enthalten.
Die Häufigkeit und Mengenbewertung von Candida albicans belegt, daß die kariöse Läsion das am meisten bevorzugte Biotop für diesen Keim in der Mundhöhle darstellt. Danach folgt für höhere Keimzahlklassen aber bereits die Zahnplaque, während Candida-Hefen in Speichelabstrichen nur seltener zu finden sind.
Es darf somit vermutet werden, daß sich Hefen der Gattung Candida, die sich bereits in der Zahnplaque von Kindern mit nochnaturgesunden Milchgebissen befinden, dort später auch am Kariesinitial beteiligen. Für schon kariös vorgeschädigte Milch- undWechselgebisse belegen die Ergebnisse jedoch zweifelsfrei, daß sich die dort häufig vorhandenen Candida-Keime innerhalb derZahnplaque auf noch intakten Zahnoberflächen an der Kariesinitiierung zusätzlich beteiligen.
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