Einsatzmöglichkeiten eines Verriegelungsnagelsystems für die Katze inklusive der Bestimmung der Durchleuchtungszeiten bei der Implantation
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Zusammenfassung
Im prospektiven Studienteil wurden Anwendbarkeit, Operationszeiten, Durchleuchtungseinsatz, Heilungsverlauf und Komplikationen bei der Versorgung von 25 Humerus-, Femur- und Tibiafrakturen der Katze mit dem MarMed Verriegelungsnagel(VN)-System untersucht. Die Röntgenbeurteilung fand durch 2 Beurteiler unabhängig voneinander statt. Zwischen den Beurteilern und den Wiederholungen der Knochenmessungen bestand eine sehr gute Übereinstimmung. Für Achsenabweichungen, Implantatsitz und Heilungsphase zu allen Zeitpunkten sowie für die Rotation und die Heilung 4 Wochen post operationem (p. op.) konnte eine mittlere bis sehr gute Korrelation zwischen den Beurteilern festgestellt werden. Der Einfluss verschiedener Parameter auf Lahmheit, Durchleuchtung, Röntgenscores und/oder klinische Gesamtergebnisse wurde statistisch ausgewertet. Multitraumapatienten zeigten ein signifikant schlechteres klinisches Gesamtergebnis 8 Wochen p. op. Bei versetzten Schrauben wurden ein schlechterer Röntgenscore 8 Wochen p. op. bei Beurteiler 2, signifikant längere Nagelimplantationszeiten und häufigere Durchleuchtungskontrollen festgestellt. Dies erhöhte die Strahlenbelastung und das Risiko von Infektionen. Der Grad einer offenen Fraktur wirkte sich langfristig nicht negativ aus, so dass der VN für die Versorgung offener Frakturen geeignet ist. Die Anzahl der Schrauben beeinflusste die Röntgenscores signifikant. Bei nur 1 Schraube pro Fragment erhöht sich die Gefahr von Mal-Union, Implantatverbiegung und fehlerhaftem Implantatsitz. Daher sollten, wann immer möglich, 2 Schrauben gesetzt werden. Bei geringerer Markhöhlenfüllung zeigten sich signifikant höhere Röntgenscores 8 Wochen p. op. Der zunehmende Einsatz der mit hoher Strahlenbelastung einhergehenden Durchleuchtung in der Veterinärmedizin macht Untersuchungen dazu und Maßnahmen zu ihrer Reduzierung unabdingbar. Zu diesem Zweck wurde in dieser Studie erfolgreich die Durchleuchtung nur zur Kontrolle des Schraubensitzes nach der Implantation eingesetzt. Alle Personen bis auf den Bediener des C-Bogens verließen den Raum vor der Durchleuchtung. Durchschnittlich wurde 2,5 mal mit einer Gesamtzeit von lediglich 20,7 sek, mit 53,44 kV und 0,722 mA durchleuchtet. Dieses Vorgehen und die geringe Körpergröße des Patienten reduzierten die Streustrahlung, die Anzahl der exponierten Personen sowie die Durchleuchtungszeit und maximierten den Abstand zwischen Röntgenröhre und Personal.Die Heilungseinschätzung von Beurteiler 1 wurde signifikant durch die Winquist-Hansen-Einstufung beeinflusst. Ein höherer Zersplitterungsgrad mit größerer Weichteilschädigung kann Heilungsverzögerungen bedingen. Andere Faktoren zeigten keine signifikante Auswirkung. Mögliche Ursachen sind Schonung der umgebenden Weichteile bei der Verriegelungsnagelung, kurze OP-Zeit (durchschnittlich 60,7 min), Knochengeometrie und geringe Körpermasse der Katze sowie der Einsatz von Titanimplantaten. Die häufigste intraoperative Komplikation war das Versetzen von Schrauben bei 52 % der Patienten. Es fanden sich in dieser Studie keine major complications und kein Implantat musste entfernt werden. Besitzertelefonbefragungen für ein Langzeitergebnis ergaben bei 86,7 % der Patienten eine Lahmheitsfreiheit und bei 100 % der Besitzer eine gute Zufriedenheit mit dem Ergebnis.Im retrospektiven Teil wurden Röntgenbilder von 107 Humerus-, Femur- und Tibiafrakturen bei Katzen ausgemessen. Untersucht werden sollte, wie viele Frakturen mit einem VN unter Berücksichtigung der Schraubenanzahl (1 oder 2 je Fragment) und zwei unterschiedlicher Schrauben-Fraktur-Abstände (10 mm und 5 mm) versorgt werden können und welche Nagellängen benötigt werden. Dazu wurden die Markhöhlennutzlänge, die -weite und die Länge des distalen und proximalen Fragments gemessen. Die Tibia war mit 112,79 mm der längste Knochen mit der engsten Markhöhle. Humerus und Tibia frakturierten meist im distalen, das Femur im mittleren Drittel. Die meisten Frakturen konnten mit einem VN zwischen 80 und 120 mm Nutzlänge versorgt werden. Je geringer die Anzahl der Schrauben und der Schrauben-Fraktur-Abstand, umso mehr Osteosynthesen sind mit VN möglich. Eine Reduktion des Schrauben-Fraktur-Abstands von 10 auf 5 mm ermöglicht eine Versorgung von 17,8 % mehr Frakturen. Im prospektiven Teil zeigte sich kein negativer Effekt auf die Heilung oder die Gesamtergebnisse durch einen Schrauben-Fraktur-Abstand von unter 10 mm.Der VN ist mit niedriger Komplikationsrate, hoher Erfolgsrate, früher Mobilität des Patienten und hoher Besitzerzufriedenheit gut geeignet für die Humerus-, Femur-, und Tibiafrakturversorgung bei Katzen. Die Methode ist kostengünstiger als Platten und weniger pflegeintensiv als der Fix ex. Das korrekte Setzen der Schrauben stellt den anspruchsvollsten OP-Schritt dar. Mit einem entsprechenden Vorgehen besteht eine sehr geringe Strahlenbelastung für das OP-Personal. Bei einem minimalen Schrauben-Fraktur-Abstand von 5 mm können maximal 67,3% der Frakturen versorgt werden.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Gießen : DVG
