Retrospektive Untersuchung zum Implantaterfolg bei Risikopatienten unter Berücksichtigung von patienten-, implantat- und restaurationsabhängigen Einflussfaktoren

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Im Rahmen der vorliegenden Studie kamen die Daten zum Erfolg der implantatprothetischen Versorgung von 82 Risikopatienten zur Auswertung, wobei (a) Besonderheiten in der allgemeinmedizinischen Anamnese (n = 60), (b) Besonderheiten im Mundbefund (n = 16) und (c) die Durchführung einer Augmentation (n = 39) als Risikofaktoren definiert waren. Insgesamt wurden innerhalb des Beobachtungszeitraums von durchschnittlich 34,7 plusminus 18,6 Monaten bei 82 Patienten mit 353 Implantaten 7 Implantatmisserfolge registriert. In der patientenbezogenen Auswertung von 82 zufällig ausgewählten Implantaten betrug die kumulierte Erfolgsrate 100% nach 1 Jahr und 98,5% nach 5 Jahren. Bei der implantatbezogenen Auswertung unter Berücksichtigung aller 353 Implantate lag die kumulierte 1-Jahres-Erfolgsrate bei 100% und die 5-Jahres-Erfolgsrate bei 99,7%. Nach diesem 5-Jahres-Zeitraum war allerdings ein deutlicher Rückgang der kumulierten Implantaterfolgsrate auf etwa 84% nach ca. 6 Jahren zu verzeichnen. Die kumulierte 1-Jahres-Erfolgsrate belief sich bezogen auf die prothetischen Restaurationen auf 100%, nach 5 Jahren lag die Rate bei ca. 98%. Nach 6 Jahren fiel die kumulierte Erfolgswahrscheinlichkeit der Restaurationen auf ca. 64% ab. Die Ergebnisse belegen, dass in dem untersuchten Kollektiv von Risikopatienten in den ersten fünf Jahren gute bis sehr gute Implantaterfolgsraten erzielt werden konnten. Im Rahmen der Analyse des Einflusses der definierten Risikofaktoren (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Rheuma/Arthritis, Diabetes, Asthma, Z.n. Radiatio, Zigarettenrauchen, Xerostomie und Bruxismus, Augmentation) auf die Implantaterfolgsrate bestätigte sich der sich in der unifaktoriellen Analyse abzeichnende signifikante Einfluss der Faktoren Allergie und Bruxismus in der multifaktoriellen Analyse nicht. Wenngleich nach Auffassung der Literatur verschiedene Faktoren (Diabetes, Radiatio, Zigarettenrauchen, Bruxismus) zu einer Verschlechterung der Implantaterfolgsrate führen können, bedeutet dies nicht, dass eine implantatprothetische Versorgung dieser Patienten generell kontraindiziert ist. Vielmehr ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich. Ein Einfluss der patientenabhängigen Faktoren Alter und Geschlecht konnte nicht nachgewiesen werden. Das vorliegende Risikokollektiv wurde auch in Hinblick auf einen Einfluss verschiedener implantatabhängiger Faktoren (Implantatlokalisation OK/UK, Anzahl der Implantate, Implantatdurchmesser, Implantatlänge, Art der Einheilung, Einheilungszeit) sowie restaurationsabhängiger Faktoren (Art der provisorischen und der prothetischen Versorgung) auf den Implantaterfolg analysiert. Hierbei erwies sich in der unifaktoriellen Analyse lediglich der Einfluss des Implantatdurchmessers als signifikant, wobei die kumulierte Erfolgswahrscheinlichkeit nach 6 Jahren 94% für einen Durchmesser von 3,5 mm und 70% für einen Durchmesser von 5,0 mm betrug (p = 0,037). In der multifaktoriellen Analyse bestätigte sich dieser Einfluss als knapp signifikant (p = 0,055). Die Analyse des internationalen Schrifttums erbrachte uneinheitliche Ergebnisse hinsichtlich des Einflusses der untersuchten implantat- und restaurationsabhängigen Faktoren auf den Implantaterfolg; für jeden einzelnen Parameter sind etwa vergleichbar viele Studien zu finden, die sich für oder gegen einen signifikanten Einfluss aussprechen. Demnach ist eine Verbesserung der Implantaterfolgsrate durch die Modifikation bestimmter implantat- und restaurationsabhängiger Faktoren nicht möglich. Zur Erzielung des bestmöglichen Behandlungserfolges ist bei jedem Patienten eine individuelle Planung und Durchführung der implantatprothetischen Versorgung erforderlich. Aufgrund der nachweislich guten Implantaterfolgsrate in einem reinen Risikokollektiv sollte zukünftig nur noch von Indikationseinschränkungen gesprochen und auf den bisher in der Literatur häufig verwendeten Begriff der absoluten und relativen Kontraindikation verzichtet werden. Das individuelle Risiko muss von Fall zu Fall in einer Risiko-Nutzen-Abwägung bestimmt werden, wobei der interdisziplinären Kooperation nicht nur innerhalb der Zahnmedizin (Zahnärzte, Oralchirurgen, Kieferchirurgen), sondern auch in der Zusammenarbeit mit den behandelnden ärztlichen Kollegen anderer Fachdisziplinen eine besondere Bedeutung zukommt.

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