Patienten mit einer AML M4eo mit Inversion des Chromosoms 16 (inv16) zeigen unter Therapie gute klinische Ergebnisse. Ziel war es herauszufinden, ob dem eine besondere Immunogenität der Blasten zugrunde liegen könnte.Die AML M4eo inv(16) ist mit der Mutation des Transskriptionsfaktors Core bindig factor und dem daraus resultierenden Fusionsprodukt CBFß/MYH11 assoziiert.Durch Westernblot konnten in 4 von 4 inv(16) positiven AML Blasten das Fusionsprodukt CBFß/MYH11 nachgewiesen werden. Dieses könnte die molekulare Basis für das Präsentieren von Leukämie-spezifischen Peptiden bilden. Das Protein, das mutmaßlich für die Leukogenese verantwortlich ist, blieb in vitro während der gesamten Kultivierungsphase der AML Zellinien nachweisbar.Das Präsentieren von solchen spezifischen Peptidsequenzen alleine reicht jedoch nicht aus, um eine effizienten Lymphozyten Aktivierung zu induzieren. Es konnte gezeigt werden, dass Leukämie Blasten verschiedener Karyotypen nach vier Wochen unter Kultivierungsbedingungen das Expressionsmuster ihrer Oberflächenmarker veränderten. Vorläufermarker wie CD13, CD33 und CD34 wurden vermindert exprimiert, kostimulatorische Marker wie CD80 (B7.1), CD86 (B7.2), CD11a und CD58 vermehrt exprimiert. Typische Dendritenmarker wie CD1a and CD209 wurden nicht exprimiert, somit konnte die Ausbildung von dendritischen Zellen unter in vitro Kultivierung ausgeschlossen werden.Allogene sowie autologe T-Lymphozyten konnten durch kultivierte Blasten der AML inv(16) aktiviert werden, gefolgt von einer signifikanten Proliferation mit der Expression von typischen Aktivierungsmarkern wie CD25 und CD69. Ein hoher Anteil dieser aktivierten T-Lymphozyten erwießen sich als CD8 positiv. Durch AML Blasten anderen Karyotyps hingegen konnten autologe T-Lymphozyten nicht zu einer signifikanten Immunantwort aktiviert werden, obwohl auch sie die kostimulatorischen Moleküle CD80 und CD86 exprimierten. Das lässt den Schluss zu, dass das aus der inv(16) resultierende Fusionsprodukt CBFß/MYH11 zur Ausbildung eines tumorassoziierten Antigens führt.Die durch inv(16) positiven Blasten aktivierte T-Lymphozyten konnten oligoklonal expandiert werden und waren in der Lage inv(16) positive AML Blasten MHC-Klasse-I restringiert zu einem deutlichen Prozentsatz zu lysieren.AML Blasten mit nachgewiesener inv(16) sind also in der Lage, sich in immunogene Zellen mit signifikanter Stimulationskapazität zu differenzieren. Aus den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit kann der Schluss gezogen werden, dass die AML inv(16) eine besondere Stellung in der Bewertung ihrer Immunogenität einnimmt.
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