Epidemiologische Studie zur Verbreitung porciner respiratorischer Krankheitserreger beim Wildschwein in Deutschland

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In Hinblick auf Infektionskrankheiten des Respirationstraktes bei Schweinen fand in den letzten Jahren, v.a. durch die Zunahme des Tierhandels und die regional zum Teil erheblich gestiegene Schweinedichte, eine weite Erregerverbreitung statt. Häufig handelt es sich um Mischinfektionen mit verschiedenen viralen und/oder bakteriellen pneumopathogenen Erregern, deren Interaktionen eine erhebliche Bedeutung bei der Entstehung respiratorischer Erkrankungen zugemessen wird. Serologische Untersuchungen bei Wildschweinen konnten zwar Antikörper gegen einige respiratorischen Krankheitserreger nachweisen, Berichte über direkte Erregerisolierungen oder gar klinische Erkrankungen sind hingegen auf Einzelfälle und einzelne Erreger beschränkt. Die Rolle des Wildschweins als Erregerreservoir für Erkrankungen wie z.B. die Aujeszkysche Krankheit oder Klassische Schweinepest ist sehr gut belegt. Ziel der vorliegenden Arbeit war, das Vorkommen verschiedener respiratorischer Krankheitserreger bei Wildschweinen bundesweit in einzelnen Revieren zu untersuchen und darüber hinaus Erkenntnisse über mögliche Erregerinteraktionen, die Rolle des Wildschweins als Erregerreservoir sowie über die Ausbreitungsrichtung und Übertragungswegen respiratorischer Krankheitserreger zwischen Haus- und Wildschweinen zu erlangen. Insgesamt 361 Wildschweine aus 33 Revieren wurden deutschlandweit auf das Vorkommen respiratorischer Krankheitserreger untersucht. Der Nachweis spezifischer Nukleinsäuren von PRRSV, Influenzavirus A, M. hyopneumoniae, A. pleuropneumoniae und H. parasuis erfolgte an 361 Lungen- und Tonsillenproben mittels PCR, während für α-hämolysierende Streptokokken, P. multocida und B. bronchiseptica an 302 Tonsillenproben ein kultureller Erregernachweis durchgeführt wurde. Eine Überprüfung der angezüchteten P. multocida-Stämme auf die Fähigkeit der Toxinbildung wurde ebenfalls mittels PCR durchgeführt. Ein europäisches und ein amerikanisches PRRSV-Amplifikat wurden sequenziert und auf der Basis der ORF 1 -Sequenz des Lelystadvirus und des MLV Impfvirus ´Ingelvac PRRS´ verglichen. Zusammenfassend wurden für die Jagdsaison 2004/2005 und 2005/2006 folgende Nachweishäufigkeiten in Deutschland ermittelt: europäisches PRRSV 5,5 %, amerikanisches PRRSV 3,6 %, Influenzavirus A 6,4 %, M. hyopneumoniae 44,0 %, A. pleuropneumoniae 42,7 %, H. parasuis 73,7 %, α-hämolysierende Streptokokken 57,9 %, P. multocida 32,2 % und B. bronchiseptica 0,3 %. Dabei zeigte sich eine ausgeprägte räumliche und zeitliche (d.h. saisonale) Inhomogenität der Ergebnisse. Prävalenzen für das europäische und das amerikanische PRRSV ergaben sich lediglich in der Jagdsaison 2004/2005, mit höheren Werten für die nördlichen Bundesländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Brandenburg und niedrigeren Werten für die südlichen Bundesländer Baden-Württemberg und das Saarland. Interessanterweise zeigte sich bezüglich der Influenzavirus A-positiven Reviere ein ähnliches Verbreitungsmuster wie für das PRRSV. Die viralen Krankheitserreger ausgeschlossen, zeichneten sich die Bundesländer Thüringen, Bayern, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Nordrhein-Westfalen durch insgesamt hohe Erregerprävalenzen aus, während die Prävalenzen im Saarland, in Hessen und Brandenburg für die Mehrzahl der untersuchten Bakterien auffällig niedrig ausfielen. RNA des europäischen PRRSV wurde in 95,2 %, die des amerikanischen PRRSV in 100% der positiven Fälle aus Lungenproben nachgewiesen. Auch bezüglich des Schweineinfluenzavirus erfolgte die Isolierung der Erreger-RNA mit 81,8 % hauptsächlich aus Lungenproben. Dabei konnte bei keinem der PRRSV bzw. Influenzavirus A positiven Wildschweine in Lungen- und Tonsillengewebe gleichzeitig Nukleinsäure nachgewiesen werden. M. hyopneumoniae-DNA fand sich in ausgeglichenen Anteilen in Tonsillen- und Lungengewebe. In 53,5 % wurde MHP-DNA aus beiden Geweben gleichzeitig isoliert. Der Nachweis von A. pleuropneumoniae-DNA erfolgt mit 81,2 % fast ausschließlich aus den Tonsillen und unterstreicht die Bedeutung des Wildschweins als APP-Reservoir. Auch für H. parasuis konnte mit 41,6 % HPS-DNA positiven Tonsillenproben und 6,3 % HPS-DNA positiven Lungenproben eine stärkere Erreger-Präsenz in den Tonsillen festgestellt werden. Anders als bei APP wies jedoch über die Hälfte der positiven Wildschweine (52,2 %) HPS-DNA sowohl in Tonsillen als auch in der Lunge auf. Der direkte Homologie-Vergleich von 193 Basen des europäischen Wildschweinisolates mit der Sequenz des Lelystadvirus zeigte im Bereich von zwei Basen des ORF 1 eine Sequenzabweichung im Sinne einer Punktmutation auf, was einer genetischen Übereinstimmung von 98,96 % entspricht. Eine ähnlich hohe Übereinstimmung von 96 % ergab sich aus dem Vergleich des MLV Impfvirus ´Ingelvac PRRS´ mit dem beim Wildschwein nachgewiesenen amerikanischen PRRSV auf der Grundlage von 50 Basen des ORF 1. Die Abweichung beruhte auf zwei Punktmutationen. Beide Vergleiche dienten dazu, die Amplifikate als PRRSV-Sequenzen zu bestätigen und vergleichend einzuordnen. Der Nachweis des amerikanischen PRRSV bei Wildschweinen in Europa ist bislang einzigartig und wirft die Frage nach der Herkunft des Virus auf. Als mögliche Erklärung kommt neben der Übertragung von Lebendimpfvirus von Haus- auf Wildschweine auch die Existenz eines dem amerikanischen Genotyp ähnlichen PRRSV-Wildtypstammes innerhalb der Wildschweinpopulation in Frage.

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Giessen : VVB Laufersweiler 2009

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