Untersuchungen zur Endoskopie juveniler Psittaziden unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechtsorgane und ausgewählter biometrischer Befunde

Lade...
Vorschaubild

Datum

Betreuer/Gutachter

Weitere Beteiligte

Beteiligte Institutionen

Herausgeber

Zeitschriftentitel

ISSN der Zeitschrift

Bandtitel

Verlag

Zusammenfassung

Die einschlägige Fachliteratur zur Taxonomie und Systematik der Vögel der Ordnung Psittaciformes, zur Inhalationsnarkose und zur Methodik der Geschlechtsbestimmung wurde referiert. Im Zeitraum von September 2004 bis Januar 2005 wurden insgesamt 340 Vögel aus der Ordnung Psittaciformes untersucht. Diese Vögel gehören insgesamt 37 Genera und 4 Tribi an. Bei allen Vögeln handelt es sich um Nachzuchten aus dem Loro Parque, Teneriffa, Spanien. Im genannten Zeitraum waren die Vögel zwischen sieben Wochen und neun Monaten alt. Alle Jungvögel wurden vor der Endoskopie klinisch untersucht. Äußerlich gesund erscheinenden Vögeln wurde je nach Körpergröße und -gewicht eine Fastenperiode von ein bis sechs Stunden auferlegt. Erstes Ziel dieser Studie war es, die Unschädlichkeit und Wirksamkeit der Narkose bei Verwendung von Isofluran bei juvenilen Psittaziden verschiedener Spezies zu dokumentieren. Zweites Ziel war die Darstellung der Gonaden und umliegenden Organe zum Zweck der Geschlechtsbestimmung und Erkennung jeglicher anatomischen Abweichungen. Drittens die Erhebung morphometrischer Daten und die Durchführung mikrobiologischer Untersuchungen, um einen Eindruck über die körperliche Entwicklung und Besiedlung des Darmes mit Bakterien und Pilzen zu erhalten. Die Einleitung der Narkose erfolgte über die Maske mit 4 Vol. % Isofluran (Fa. Abbott GmbH Co KG, Wiesbaden) in 2 Liter Sauerstoff je Minute. Nach etwa 60 90 Sekunden war eine ausreichende Narkosetiefe erreicht, die über den Nacken- und Beinmuskeltonus sowie den Zustand der Lidspalte, die bei ausreichender Narkosetiefe geschlossen ist, überprüft wurde. Zur Erhaltung wurde die Narkose auf 1,8 2,5 Vol. % Isofluran in 1 Liter Sauerstoff je Minute herabgesetzt. Es wurde ein starres, elf cm langes Endoskop mit einem Durchmesser von 2,7 Millimetern und einem Blickwinkel von 30 Grad (Fa. Karl Storz GmbH, Tuttlingen, Deutschland) eingesetzt. Zur Beleuchtung diente eine 250-Watt-Kaltlichtquelle und ein Glasfaserkabel (Fa. Optitron srl, Milano, Italien). Zur Dokumentation aller wesentlichen Befunde und zu deren jederzeitiger retrospektiven Auswertung wurden die Untersuchungen über eine Video-Kamera (Fa. Karl Storz GmbH, Tuttlingen, Germany) und einen Video-Rekorder aufgenommen. Die endoskopischen Untersuchungen wurden alle nach der von TAYLOR (1994) beschriebenen Methode durchgeführt. Die Vögel wurden in rechte Seitenlage verbracht und die Flügel weit nach dorsal gestreckt. Das linke Bein wurde nach kranial gezogen während das rechte Bein in seiner physiologischen Lage verblieb. Die Haut wurde im Zugangsbereich etwas nach kranial verschoben und es wurde ein kleiner Hautschnitt am Kreuzungsbereich der Sehne des Musculus semimembranosus (syn. Musculus cruris medialis) und der letzten Rippe gesetzt. Die Muskulatur der Bauchwand wurde stumpf mit einer anatomischen Pinzette oder einer Mosquito-Klemme (Fa. Eickemeier, Tuttlingen, Deutschland) perforiert. Das Endoskop wurde über den linken kaudalen thorakalen Luftsack eingeführt und anschließend in den linken abdominalen Luftsack vorgeschoben, um zunächst die Gonaden darzustellen. Zur Geschlechtsbestimmung wurden bei weiblichen Vögeln das linke Ovar, das Ligamentum oviductus und der kraniale Abschnitt des Ovidukts dargestellt. Bei männlichen Vögeln wurde der linke Hoden (ggf. auch der rechte Hoden) sowie der Ductus deferens aufgesucht. Die Gonaden wurden hinsichtlich ihrer Größe, Form, Oberflächenstruktur, Farbe bzw. Oberflächenpigmentierung, Lage im Vergleich zu anderen Organen und Darstellbarkeit der rechten Gonade beurteilt. Der Samenleiter bzw. Eileiter wurde auf Verlauf und Durchmesser im Vergleich zum Harnleiter untersucht. Anschließend wurden stets auch die übrigen, über den kaudalen thorakalen Luftsack zugänglichen Organe der Leibeshöhle untersucht. Die Organe, die bei Verwendung des kaudalen thorakalen Luftsacks als Zugangspunkt dargestellt werden können, wurden hinsichtlich Morphologie und Topographie beschrieben mit dem Ziel, Hinweise auf den physiologischen Entwicklungszustand und auf eine spätere Zuchttauglichkeit zu erhalten. Zur Beurteilung einer späteren Zuchttauglichkeit sollen ebenfalls die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung und die morphometrischen Daten dienen.Die folgenden Messungen und mikrobiologischen Tupferproben wurden am narkotisierten Tier entnommen: (i) Die Länge des Vogels vom leicht gestreckten Kopf bis zur Spitze der längsten Schwanzfeder, (ii) die Flügelspannweite jeweils von der Spitze der rechten bis zur linken 3. Handschwinge, (iii) die Länge des Tibiotarsus und der Ulna, (iv) der Durch- messer des Tarsometatarsus. Noch während der Narkose wurden Tupferproben aus der Kloake zur mikrobiologischen und mykologischen Untersuchung entnommen. Nach Abschluß der Untersuchungen wurden die Vögel in ihre Käfige zurückgesetzt und zur weiteren Beobachtung 24 Stunden in der Klinik behalten. Sobald sich die Tiere von der Narkose erholt hatten, wurde ihnen wieder Futter und Trinkwasser zur Verfügung gestellt. Da keine Komplikationen auftraten, waren weitere postoperative Maßnahmen nicht notwendig. Allein aufgrund der endoskopisch darstellbaren Gonadenmorphologie konnten 173 Vögel als Hähne und 164 als Hennen identifiziert werden. So konnte das Geschlecht bei 337 (99,1%) der 340 untersuchten Vögel zweifelsfrei bestimmt werden. Bei den drei weiteren Vögeln war eine Geschlechtsbestimmung auf der Basis der makroskopischen Gonadenmorphologie nicht möglich. Bei diesen drei Vögeln waren Biopsien des fraglichen Gewebes mit anschließender histologischen Untersuchung notwendig. Bei einem der drei Vögel ist von einem Zwitter auszugehen, da bei der histologischen Untersuchung der biopsierten Gewebe Strukturen beider Geschlechter gefunden wurden. In der histologischen Untersuchung wurde bei den zwei weiteren Vögeln Ovargewebe vorgefunden, weswegen sie dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind. Die Morphologie und Topographie juveniler Geschlechtsorgane ist Genus-, zum Teil auch Spezies-spezifisch hinsichtlich Größe, Form und Lagerung in Bezug zur Nebenniere und hinsichtlich Grad der Pigmentierung der Oberflächen unterschiedlich. Die bakteriologischen Untersuchungen der Kloakentupferproben erbrachten bei 58 Vögeln kein Wachstum aerober Bakterien, während bei 282 Vögeln Bakterienwachstum vorzufinden war und in 91 Fällen gelang der Nachweis von Escherichia coli. Lediglich in zwei Tupferproben wurden Hefen vorgefunden sowie in nur einer Probe Kolonien von Aspergillus spp..Sofern die Untersuchungen von einem erfahrenen Tierarzt durchgeführt werden, ist die beschriebene Methode der Anästhesie und Endoskopie eine sichere und schnelle Methode, um das Geschlecht bei juvenilen Psittaciden zu bestimmen sowie um pathologische Veränderungen an den zugänglichen Organen zu erkennen.

Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen

Beschreibung

Anmerkungen

Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler 2006

Sammelband

URI der Erstpublikation

Forschungsdaten

Schriftenreihe

Zitierform