In der vorliegenden Studie wurde die metrische Genauigkeit verschiedener röntgenologischer Verfahren zur präimplantologischen Diagnostik untersucht. Das Standardverfahren der Orthopantomographie und das noch im experimentellen Stadium befindliche Verfahren der Flächendetektor-Volumencomputertomographie (engl. flat panel volumetric computed tomography, VCT) wurden zu diesem Zweck mit realen Schnittpräparaten humaner Unterkiefer verglichen. Im Bereich der Orthopantomographie kamen fünf Geräte sowohl konventioneller als auch digitaler Technik zum Einsatz. Das Hauptaugenmerk lag auf der Darstellung des im Unterkiefer verlaufenden Canalis mandibulae und des crestal befindlichen Knochenangebotes. Insbesondere ist dabei die Distanz von dem Oberrand des Canalis mandibulae zum crestalen Alveolarkammrand von Bedeutung.Die Untersuchung wurde an 18 Kopfpräparatehälften durchgeführt. An ihnen wurden röntgenopake Marker fixiert, die an definierten Stellen den Vergleich der röntgenologischen Verfahren mit den realen Schnittpräparaten erlaubten. Die röntgenopaken Marker wurden sowohl in horizontaler als auch vertikaler Dimension vermessen. Zusätzlich wurde der Abstand vom crestalen Alveolarkammrand zum Oberrand des Canalis mandibulae bestimmt.In der vertikalen Dimension variierten bei den fünf Orthopantomographieverfahren die maximalen Vergrößerungsfaktoren von 1,15 bis 1,23.
Für jedes der fünf Orthopantomographieverfahren wurde der durchschnittliche vertikale Vergrößerungsfaktor ermittelt. Die Werte lagen zwischen 1,05 und 1,13.In der Horizontalen variierten die maximalen Vergrößerungsfaktoren der fünf Orthopantomographieverfahren von 1,16 bis 1,37. Ebenso wurde der durchschnittliche horizontale Vergrößerungsfaktor für jedes der fünf Orthopantomographieverfahren bestimmt. Die Werte lagen zwischen 1,05 und 1,15.Bei dem Verfahren der VCT unterschieden sich die Werte in der Vertikalen und Horizontalen nur geringfügig von den realen Schnittpräparaten. Der durchschnittliche Vergrößerungsfaktor lag in der Vertikalen bei 1,01, in der Horizontalen bei 1,00.
Aufgrund der Abweichung des maximalen Vergrößerungsfaktors zum durchschnittlichen Vergrößerungsfaktor ist zu empfehlen, dass für die präimplantologische Diagnostik und Planung eine metrische Auswertung von Orthopantomogrammen nicht auf der Annahme konstanter Vergrößerungsfaktoren, sondern auf einem Vergleich mit in situ befindlichen Referenzobjekten basieren sollte.
Innerhalb der präimplantologischen Diagnostik ist besonders die Abstandsmessung vom crestalen Alveolarkammrand zum Oberrand des Canalis mandibulae zu beachten. Hierbei variierte bei den fünf verschiedenen Orthopantomographieverfahren die Nichtbeurteilbarkeit des Oberrandes von 15,3 bis 25,0 %, bei der VCT hingegen lag sie bei 2,8 %.
Bei der Abstandsmessung vom crestalen Alveolarkammrand zum Oberrand des Canalis mandibulae betrug der maximale Vergrößerungsfaktor bei der VCT 1,05. Innerhalb der fünf Orthopantomographieverfahren variierten die maximalen Vergrößerungsfaktoren von 1,34 bis 1,49.Der maximale Vergrößerungsfaktor der Orthopantomographie bei der Abstandsmessung vom crestalen Alveolarkammrand zum Oberrand des Canalis mandibulae ist damit höher als bei den Vermessungen der eindeutig sichtbaren röntgenopaken Marker.
Bei dem Umgang mit der bildbearbeitenden Software für die Datensätze der VCT-Aufnahmen war subjektiv eine im Vergleich zu anderen dreidimensionalen Röntgentechniken beeindruckende Detailerkennbarkeit festzustellen, insbesondere bei knöchernen Strukturen.
Derzeit ist die VCT im experimentellen Stadium und noch nicht für Untersuchungen am lebenden Menschen zugelassen. Die Größe der zu untersuchenden Objekte ist im Dual-Panel-Mode auf 13,6 cm in der xy-Ebene und 21cm in der z-Richtung beschränkt.
Weitere Untersuchungen hinsichtlich der Strahlenbelastung und der Beurteilbarkeit der Knochendichte stehen noch aus, bevor die VCT eventuell zu einer ergänzenden präimplantologischen Röntgendiagnostik herangezogen werden kann.
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