Migranten sind eine zahlenmäßig relevante und vulnerable Bevölkerungsgruppe zugleich. Ein Zusammenhang zwischen Migrationslagerung, d.h. der spezifischen Lebenssituation mit Migrationshintergrund und Gesundheit wird häufig postuliert und recht kontrovers diskutiert. Die Analyse des Zusammenhangs wird durch die unzureichende epidemiologische Datenlage erschwert, insbesondere durch die mangelhafte Erfassung des Migrantenstatus in den zur Verfügung stehenden Datenquellen. So wird in amtlichen Statistiken meist nur zwischen deutscher und nicht-deutscher Staatsangehörigkeit unterschieden (Schenk und Neuhauser 2005).An der Studie haben türkisch-sprachige Migranten in Deutschland teilgenommen. 28,79 % dieser Stichprobe stammte aus der ersten; 52,37% aus der zweiten Generation und 18,53 % aus der dritten Generation. Mittels einer Fragebogenstudie (n=994) wurden türkische Stichproben in Deutschland und in der Türkei hinsichtlich des Zusammenhangs psychosomatischer Beschwerden (SCL 90) und Depressivität (BDI) verglichen.Ergebnisse:Psychosomatische Symptome und Depressivität sind bei den Immigranten (insbesondere bei weiblichen) stärker ausgeprägt als bei Türken im Heimatland. Häufig werden die Symptome direkt auf die Migration attribuiert. Die Beschwerden nehmen mit der Verweildauer im Immigrationsland zu. Für die Behandlung haben paramedizinische Heilmethoden einen hohen Stellenwert. 60% der Befragten wünschen sich muttersprachlich türkische Behandler.Diskussion:Die auffällig hohe Belastung von türkischen Immigranten in Deutschland kann oft als Konsequenz unzureichender Bewältigungsstrategien verstanden werden. Dass die weiblichen Migranten besonders belastet sind, könnte mit der Diskrepanz zwischen westlichem Rollenverständnis und der tradierten Sichtweise zusammenhängen. Das Angebot von landsmännischer Versorgung ist kaum gegeben. Die Hinwendung zu alternativen Behandlungsmethoden kann Ausdruck dieser Problematik sein.Schlussfolgerung:Die Daten bestätigen die gesundheitliche Belastung von türkischen Migranten in Deutschland. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer steigt das Ausmaß an psychischer Beeinträchtigung. Als Konsequenz sollten die ambulanten und stationären Behandlungsmöglichkeiten für diese vulnerable Bevölkerungsgruppe weiter angepasst und ausgebaut werden.
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