Schlafstörungen gehören zu den häufigsten klinischen Merkmalen von depressiven Erkrankungen. Im Rahmen chronobiologischer Modelle werden Depressionen als circadi-ane Rhythmusstörungen gesehen, die neben Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus u.a. auch mit einer Dysfunktion der Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-(HPA-)Achse einhergehen. Ziel dieser Studie war es, auf inter- wie auf intra-individueller Ebene den potentiell prädiktiven Zusammenhang der objektiven Schlafparameter Schlafdauer (TST) und Aufwachzeit (TOA) mit der Cortisol Awakening Response (CAR) als Index für die Aktivität der HPA-Achse zu untersuchen. Über 10 Tage wurden bei 23 stationär-depressiven Patienten und 23 gesunden Kontrollen subjektive und objektive Schlafparameter (mittels Schlaftagebuch/Pittsburgh Schlafqualitätsindex (PSQI) bzw. Aktigraphie) erhoben und an drei Messzeitpunkten (Tag 2/Werktag I, Tag 6/Wochenende und Tag 10/Werktag II) die CAR (über Speichelproben 0, 30, 45 und 60 Minuten nach dem Aufwachen) bestimmt (Area under the curve für Gesamtfläche (AUCG) und Anstieg (AUCI)). Depressive Patienten zeigten eine schlechtere subjektive Schlafqualität (PSQI, p < .001) und eine niedrigere Schlafeffizienz (p = .017) als gesunde Probanden. Im Vergleich zu den Werktagen fanden sich am Wochenende bei beiden Gruppen spätere Zubettgeh- und Aufwachzeiten (p = .006; p < .001). Die AUCG war bei depressiven Patienten an beiden Werktagen tendenziell geringer als bei Gesunden (p = .058; p = .053). Bei gesunden Probanden sank die AUCG von Werktag I zum Wochenende stark ab und stieg zum Werktag II wieder substanziell an (p = .003; p = .007). Zur Vorhersage von inter-individuellen Differenzen der CAR zeigte sich, dass bei Gesunden eine längere TST und eine spätere TOA mit einer geringeren CAR assoziiert waren, wenngleich dies mit mittlerer Effektstärke nur am Wochenende hervorging. Intra-individuell zeigte sich bei Gesunden, dass eine spätere TOA am Wochenende (im Vergleich zu beiden Werktagen) prädiktiv für eine geringere AUCG war (p < .05; p < .01). Bei depressiven Patienten waren TST und TOA weder prädiktiv für inter-individuelle Differenzen noch für intra-individuelle Veränderungen der CAR. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass sich insbesondere bei intra-individuellen Analysen ein prädiktiver Wert des der CAR unmittelbar vorausgehenden Nachtschlafs (v.a. der TOA) herausbildet. Dieser war spezifisch für gesunde Probanden, nicht aber für depressive Patienten. Die diesem Befund zugrundeliegenden Mechanismen bedürfen weiterer Forschung.
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