Einflussfaktoren auf die Dichte intrakranieller Blutleiter in der nativen Computertomographie und daraus resultierende Konsequenzen in der Bildinterpretation
Die Variabilität der Dichte intrakranieller Blutleiter in der nativen Computertomographie ist ein häufig beobachtetes Phänomen der diagnostischen Neuroradiologie. Bei hyperdens erscheinenden Gefäßen kann eine Unterscheidung zwischen einer akuten Gefäßthrombosierung und harmlosen Ursachen schwierig sein.Das Ziel dieser Studie bestand daher in der Identifizierung möglicher Einfluss-faktoren auf die Dichte intrakranieller Blutleiter und der Erarbeitung von Richtwerten für die klinische Praxis anhand der Haupteinflussfaktoren.An 202 Patienten, die eine native CT-Untersuchung an einem von zwei verschiedenen Computertomographen erhalten hatten, wurden retrospektiv die mitt-leren Dichten verschiedener zerebraler Arterien und Sinus mittels region of interest (ROI) -Messungen erhoben und ein Zusammenhang mit potentiellen Einflussfaktoren getestet. Für die statistische Beurteilung wurden einfaktorielle ANOVAs und lineare Regressionen durchgeführt.Es zeigten sich signifikante Dichteunterschiede zwischen den Arterien und den venösen Sinus, wobei die Sinus signifikant höhere Dichten aufwiesen (p max=0,03 für 13 von 15 p-Werten). Weiterhin konnten signifikante Dichteunterschiede bei den unterschiedlichen CT-Geräten gefunden werden (p max=0,0009 für 6 von 8 p-Werten). Es fanden sich signifikante Korrelationen zwischen den Gefäßdichten und dem Hämoglobingehalt (p<0,0001 für 6 von 8 p-Werten), dem Hämatokrit (p max=0,05), der Erythrozytenzahl (p max=0,005 für 7 von 8 p-Werten) sowie der MCHC (p max=0,04 für 5 von 8 p-Werten). Zusätzlich konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Dichte in den Sinus und dem C-reaktiven Protein (CRP) gefunden werden (p max=0,05). Schließlich wurden anhand der Normwerte des Hämatokrits Richtwerte für die Dichten der intrakraniellen Blutleiter in Hounsfileld Einheiten (HE) erarbeitet. Diese be-tragen 40,91 HE, bzw. 46,48 HE (Frauen / Männer) für die Arterien und 52,76 HE, bzw. 58,33 HE (Frauen / Männer) für Venen. Als Haupteinflussfaktoren konnten das CT-Gerät sowie der Hämoglobingehalt, der Hämatokrit, die Erythrozytenzahl sowie die MCHC identifiziert werden. Die Kenntnis der oben genannten Richtwerte bzw. der Einflussfaktoren kann hilfreich in der klinischen Routine sein, um schnellere therapeutische Entscheidungen zu treffen oder unnötige Folgeuntersuchungen zu vermeiden.
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