Als Folge des Gefrier- und Auftauprozesses bei der Kryokonservierung resultiert eine Schädigung menschlicher Spermatozoen. Es können morphologische, funktionelle und biochemische Veränderungen beobachtet werden. Der schädigende Effekt ist bei Proben mit reduzierter Spermaqualität stärker ausgeprägt. Zur Verbesserung der Qualität kann Pentoxifyllin (Ptx), ein Methylxanthinderivat, mit Einfluss auf verschiedene Motilitätsparameter eingesetzt werden. Durch Hemmung der intrazellulären Phosphodiesterase wird der Abbau des zyklischen Adenosin 3,5-monophosphats (cAMP) vermindert. cAMP wirkt als second-messenger und führt zu einer Steigerung der Motilität, einem erhöhten Energieumsatz sowie einer Induktion der akrosomalen Reaktion.
In dieser Arbeit wurde bei 62 Patienten mit Normo- und 21 Patienten mit Oligozoospermie der Effekt von 3,6 mmol/ml Pentoxifyllin auf die Motilitätsparameter kryokonservierter Spermatozoen untersucht. Ptx wurde entweder vor dem Einfrieren oder nach dem Auftauen zugegeben. Die Auswertung erfolgte durch computer-assistierte Samenanalyse (CASA) direkt, 30 und 60 Minuten nach dem Auftauvorgang.
Bei Patienten mit Normo- und Oligozoospermie führte die Stimulation mit Ptx zu einer Steigerung der Globalmotilität, des Anteils der linear motilen Spermatozoen, der Geschwindigkeiten 'straight line velocity' (VSL), 'curvilinear velocity' (VCL) und 'average path velocity' (VAP) sowie des lateral head displacements (LHD). Für die Linearität war ein steigernder Effekt nur bei Oligozoospermie nachzuweisen. Die Stimulation mit Ptx schien insgesamt bei Zugabe nach dem Auftauen und bei den Ejakulaten mit Oligozoospermie ausgeprägter.
Durch die Stimulation mit Ptx konnte nach Kryokonservierung eine Optimierung der meisten Motilitätsparameter erreicht werden. Dabei wurden die für eine erfolgreiche Fertilisierung oder Schwangerschaft in der Literatur beschriebenen Grenzwerte im Vergleich zu den nicht stimulierten Proben durch Stimulation eher erreicht oder überschritten. Dieses konnte bei Normozoospermie für die Globalmotilität, die VSL und VCL und bei Oligozoospermie für die VSL und das LHD gezeigt werden. Anhand der nach Stimulation mit Ptx gesteigerten Motilitätsparameter scheinen höhere Fertilisierungs- und Schwangerschaftsraten nach IUI und IVF durch Ptx wahrscheinlich. Die schnell einsetzende Wirkung von Ptx könnte weiterhin zur Identifikation vitaler Spermatozoen nach Kryokonservierung für ICSI genutzt werden.
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