Fentanyl oder S-Ketamin als Analgetikum bei intubierten und beatmeten Patienten auf der Intensivstation : Einfluss auf die Magen-Darm-Motilität, Sedierungsqualität und Kosten ; eine prospektive, kontrollierte, randomisierte Studie
Bei schwerkranken Intensivpatienten treten durch die notwendige Analgosedierung häufig Nebenwirkungen auf. Zur Toleranz der Beatmung und Analgesie bei pflegerischen und therapeutischen Interventionen stehen verschiedene Analgetika zur Verfügung. Das klassische Analgetikum Fentanyl hat als Opioid die Nebenwirkung der negativen Beeinflussung des Magen-Darm-Traktes mit Obstipationen bis hin zur schweren Ausprägung eines Ileus. Dies wiederum beeinflusst über verschiedene pathophysiologische Prozesse das Outcome der Intensivpatienten negativ. Über die Parese des gastrointestinalen Organs kann es unter anderem zur Erhöhung des intraabdominellen Druckes kommen. Ketanest-S® beeinflusst nicht die Magen-Darm-Motilität, aber es stehen kaum vergleichende Untersuchungen unter Langzeitsedierung bei dem gemischten Kollektiv einer operativen Intensivstation zur Verfügung.In dieser Studie sollte der Vergleich dieser beiden Analgetika insbesondere hinsichtlich der Beeinflussung der Magen-Darm-Motilität untersucht werden. Dazu wurden der intraabdominelle Druck (IAP), die abgeführte Stuhlmenge, die Menge an Reflux und der Bedarf an Prokinetika erfasst. Daneben wurden die Qualität der Sedierung über den Anteil an Durchgangssyndromen und der Verlauf der Sedierungstiefe mittels der Ramsay-Sedation-Skala bestimmt. Den Einfluss auf den Faktor Kosten sollten die Aufenthaltsdauer, die Beatmungsdauer und die infundierte Medikamentenmenge, gemittelt über die Untersuchungsdauer, darstellen. Die Studie wurde an 104 Patienten durchgeführt, die aufgrund eines Traumas oder einer Sepsis sediert wurden. Jeweils die Hälfte erhielt Fentanyl bzw. Ketanest-S® zur Sedierung. Der Beobachtungszeitraum variierte zwischen 1 und 28 Tagen. Die Messungen wurden bis zwei Tage nach Extubation oder Verlegung bzw. Versterben durchgeführt.Die Sterblichkeit war mit 40,8 % (Fentanyl) und 44,9 % (Ketanest-S®) ähnlich hoch. Für den Hauptfaktor Magen-Darm-Motilität gab es in allen untersuchten Parametern keine signifikanten Unterschiede. Auch nach Darstellung nur der laparotomierten Patienten zeigte sich zwischen den beiden Analgetika keine Signifikanz. Die Inzidenz an medikamentenpflichtigen Durchgangssyndromen zeigte ebenfalls keine Unterschiede. Die Beatmungs- und Weaning-Dauer stellte sich annähernd gleich lang dar. Eine Tendenz zu kürzeren Intensivaufenthalten unter Ketanest-S®-Sedierung war zu erkennen. Die einzige Signifikanz ist eine deutlich niedrigere Menge an verbrauchtem Fentanyl, das im Vergleich preiswerter ist, aber auch in kleineren Einheiten dosiert wird. Die Menge der verbrauchten Sedierung Disoprivan® ist unter beiden Sedierungsregimen ähnlich hoch.
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