Soziale Interaktion, Lebensqualität und Krankheitsverarbeitung bei Akne-Patienten : Fall-Kontroll-Studie mit 32 Akne-Patienten und einer parallelisierten Gruppe Gesunder

Lade...
Vorschaubild

Datum

Betreuer/Gutachter

Weitere Beteiligte

Beteiligte Institutionen

Herausgeber

Zeitschriftentitel

ISSN der Zeitschrift

Bandtitel

Verlag

Zusammenfassung

HintergrundAcne vulgaris ist mehr als ein vorübergehendes Pubertätsproblem: Sie kann schwere psychische Folgeerscheinungen verursachen.FragestellungIn der vorliegenden zweiarmigen Studie sollten Erkenntnisse zu sozialer Interaktion, Lebensqualität und Krankheitsverarbeitung von Akne-Patienten im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe gewonnen werden. Besonderes Interesse galt dabei der sozialen Interaktionsangst und dem Affekt Ekel. Ferner wurde die Entwicklung der genannten Parameter im Verlauf einer lokalen medikamentösen Therapie untersucht. MethodenMittels Zeitungsannoncen und öffentlicher Aushänge im Stadtgebiet Gießen wurde eine Gruppe von 32 Teilnehmern mit leichter bis mittelschwerer Acne vulgaris im Gesicht im Alter von 15 bis 45 Jahren aus der Bevölkerung rekrutiert. Parallelisiert in Bezug auf Geschlecht, Alter und Schulbildung wurde zusätzlich eine Kontrollgruppe von 32 Gesunden erhoben.Den ersten Studienarm bildete eine Fall-Kontroll-Studie. Zur Evaluation der gruppenspezifischen Unterschiede in Bezug auf die oben genannten psychischen Parameter wurde in beiden Gruppen ein Studienfragebogen erhoben, der sich aus mehreren renommierten Einzelfragebögen zusammensetzte: dem Hautzufriedenheitsfragebogen (HautZuf), der Social Interaction Anxiety Scale (SIAS), dem Fragebogen zur Beurteilung des eigenen Körpers (FBeK) und dem Fragebogen zum Gesundheitszustand (SF-36). Zudem wurden einige Sozialdaten erfasst.Der zweite Studienarm war als Verlaufstudie konstruiert. Die Stichprobe mit Akne erhielt eine 12-wöchige lokale medikamentöse Behandlung. Vor Beginn und nach Abschluss der Therapie wurde der Schweregrad der Akne mittels ISGA-Skala und Auszählung der Effloreszenzen bestimmt und der Studienfragebogen ausgefüllt. Zusätzlich wurde zu beiden Messzeitpunkten der Cardiff Acne Disability Index (CADI) erhoben. Somit sollte in diesem Teil die Entwicklung der Prüfparameter unter dem Einfluss des Therapie-Effektes ermittelt werden.ErgebnisseBezüglich der Sozialdaten fanden sich aufgrund der Parallelisierung zwischen beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede.Fall-Kontroll-Studie. Die beiden Hauptzielkriterien präsentierten sich folgendermaßen: Die soziale Interaktionsangst (SIAS) erbrachte überraschend in beiden Gruppen gleich niedrige, unbedenkliche Punktwerte. Dagegen zeigte die Akne-Gruppe ein hoch signifikant erhöhtes Ekelgefühl (HautZuf). In der weiteren Auswertung beurteilten die Akne-Patienten ihre Attraktivität und ihr Selbstvertrauen im FBeK deutlich schlechter als die Kontrolle (hoch sign.). Im SF-36 wurde bei den Betroffenen nun doch eine signifikante Einschränkung der sozialen Funktionsfähigkeit nachgewiesen. Verlaufstudie. Im Therapieverlauf kam es bei der Akne-Gruppe zu einer hoch signifikanten Abnahme des ISGA-Wertes und der Gesamtzahl der Läsionen im Gesicht. Parallel sank die Lebensbeeinträchtigung gemessen im CADI ebenfalls hoch signifikant. Währenddessen nahm die herabgesetzte Selbstberührung im HautZuf signifikant zu. In der Skala Unsicherheit/Besorgnis des FBeK kam es unerwartet im Laufe der Behandlung ebenfalls zu einer signifikanten Zunahme. Im Geschlechtervergleich zeigten sich die Frauen deutlich stärker durch die Erkrankung in der Lebensqualität beeinflusst als die Männer (CADI). Dafür erlangten sie einen größeren prozentualen Rückgang der Akne-Läsionen.SchlussfolgerungInsgesamt kam es durch die lokale, medikamentöse Therapie zu einer hoch signifikanten Herabsetzung des Akne-Schweregrads.Bezüglich der sozialen Interaktion und Funktionsfähigkeit ergaben sich bei den Akne- Patienten widersprüchliche Ergebnisse. Die Lebensqualität zeigte sich zunächst im Vergleich mit der Kontrollgruppe kaum beeinträchtigt, bei Auswertung des Akne- spezifischen CADI konnte jedoch eine deutliche Minderung der Lebensqualität, verstärkt bei den weiblichen Patienten, nachgewiesen werden, die sich im Therapieverlauf besserte. Die Krankheitsverarbeitung wird bei Menschen mit Akne durch mehrere Faktoren beeinflusst und erschwert: Die Patienten erleben ein signifikant erhöhtes Maß an Ekel, auch gegenüber sich selbst, was eine Distanzierung vom eigenen Körper begünstigt. Dadurch können sie Berührung und Pflege des eigenen Körpers nicht als wohltuend empfinden. Das Gefühl, für andere Menschen unattraktiv und abstoßend zu sein, wirkt sich negativ auf das Selbstvertrauen aus und kann zu Complianceproblemen führen.Auch wenn nicht bei jedem Menschen mit Akne zwingend eine psychische Beeinträchtigung zu erwarten ist, verdeutlicht diese Untersuchung doch, dass die Akne ernstzunehmende Folgeerscheinungen provozieren kann, die im Ursprung erkannt und einer adäquaten Therapie zugeführt werden sollten.

Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen

Beschreibung

Anmerkungen

Erstpublikation in

Erstpublikation in

Sammelband

URI der Erstpublikation

Forschungsdaten

Schriftenreihe

Zitierform