Vergleichende Untersuchung verschiedener medizinischer Ordnungssysteme bezüglich ihrer Eignung für einen Einsatz zur Diagnoseverschlüsselung an der Orthopädischen Klinik der Justus-Liebig-Universität Gießen

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Die hier vorgestellte Untersuchung erfolgte mit der Zielsetzung, die zum Zeitpunkt der Durchführung international als Standard geschätzte ICD-9 mit einigen ihrer Erweiterungen und mit der SNOMED im Hinblick auf ihre Einsatzmöglichkeiten im Fachgebiet Orthopädie zu vergleichen. In Verbindung hiermit sollten auch die Praktikabilität einer adaptiven Dokumentation (Freitextkopplung) und die Möglichkeiten einer Verbesserung der ICD-Anwendungen durch den Einsatz von Erläuterungscodes für Komplikationsdiagnosen beurteilt werden.Material: Der Einsatz der Schlüssel wurde hierzu an einer größeren Zahl orthopädischer Diagnosen überprüft. Die Arbeitsgrundlage bildeten 2676 reale Diagnosen aus 1130 Entlassungsarztbriefen von 1002 Patienten der Orthopädischen Klinik Gießen aus den Jahren 1988 und 1989, die mit allen untersuchten medizinischen Begriffssystemen manuell codiert wurden. Angewandt wurden die folgenden 5 Schlüsselwerke: Die ICD-9, ICD-9-CM, ICD-9-Erweiterung aus Dresden, ICD-9-Erweiterung von Schepp, und SNOMED (Wingerts erweiterte deutsche Fassung).Methodik: Zur Beurteilung der Fragestellung wurden die Codierungsergebnisse jedes Begriffssystems bewertet. Hierzu wurden 50 repräsentative orthopädisch-traumatologische Diagnosen ausgewählt, 5 davon waren Komplikationsdiagnosen. Mit jedem Schlüssel wurde nach diesen 50 Diagnosen gesucht. Die Suchergebnisse wurden bezüglich der 4 zuvor definierten Parameter Retrievalergebnisse, Genauigkeit der textlichen Abbildung, Arbeitsaufwand und Vergleichbarkeit/Standardisierung beurteilt. In der Gesamtwertung wurde für jedes untersuchte Ordnungssystem die Punktsumme aus jeder der 4 Kategorien zu einer Gesamtsumme addiert, wobei eine Summe mit und eine ohne Berücksichtigung der Erläuterungscodes für Komplikationsdiagnosen gebildet wurde. Je niedriger der Gesamtpunktwert für den geprüften Schlüssel ist, desto günstiger ist seine Bewertung.Ergebnisse: Die Gesamtpunktzahlen der ICD-9 und ihrer Erweiterungen sind - ohne Berücksichtigung der Erläuterungscodes - nahezu identisch (zwischen 426 und 428,75 Punkten). Die SNOMED erhielt aufgrund ihres beträchtlichen Arbeitsaufwandes und der geringen Standardisierung mit einer Punktsumme von 555 die mit Abstand ungünstigste Gesamtwertung der untersuchten Diagnoseschlüssel, obwohl sie die weitaus beste Precision und gleich gute Recall Ergebnisse (99,58%) zeigte.Entsprechend den Zielvorgaben wurde geprüft, in welcher Form der geeigneteste Schlüssel möglichst effektiv eingesetzt werden kann. Eine zusätzliche Verschlüsselung von Komplikationsdiagnosen mit Erläuterungscodes erfolgte, wenn dies zur Beschreibung der Diagnose sinnvoll erschien und mit den Voraussetzungen des Schlüssels möglich war. Ihr Einsatz bedingte bei allen ICD-9-Klassifikationen eine Verbesserung der Ergebnisse ihrer Gesamtwertung, deren Ausmaß von einem Punkt (0,2%, Schepp-Schlüssel) bis zu 15,5 Punkten (3,6%, ICD-9) reichte. Die Gesamtwertungsergebnisse veränderten sich zugunsten der ICD-9, die bei Einsatz der Erläuterungscodes den Bestwert von 411,5 Punkten erzielte. Die Schepp-Erweiterung, zuvor auf dem besten Platz, fiel mit 425 Punkten auf die letzte Position innerhalb der ICD-Klassifikationen. Das zweitbeste Ergebnis innerhalb dieser Wertung (418,25) erzielte der Dresdener Schlüssel, gefolgt von der ICD-9-CM (420 Punkte).Die bei adaptiver Dokumentation entstehende Verbindung von Diagnosecode und Diagnosefreitext gestattet den vollständigen Erhalt aller wichtigen diagnostischen Informationen und ermöglicht eine eindeutige Identifizierung gesuchter Diagnosen aus aufgefundenen Diagnosetexten. Sie hilft, potentielle Fehlidentifikationen oder Fehlvergleiche zu vermeiden bzw. diese aufzudecken. Besonders nützlich erweist sich die ausführliche textliche Beschreibung bei Diagnosetexten, die Sammelcodes (XXX.8) zugeordnet werden müssen.Schlußfolgerungen: Kein Schlüssel erfüllte immer alle untersuchten Anforderung optimal und erwies sich als eindeutig am besten geeignet. Alle geprüften ICD 9 Schlüssel erbrachten nahezu gleich gute Gesamtwerte, wobei Unterschiede im Bereich der Precision und Abbildungsgenauigkeit in Abhängigkeit von der Spezifität des Schlüssels zu beobachten waren. Mit der (bis zum Jahr 2000) die gesetzlichen Anforderungen erfüllenden Klassifikation ICD 9, deren Verwendung ohnehin Pflicht war, und ihren Erweiterungen konnten klinische Fragestellungen annähernd genausogut beantwortet werden, wie mit der erheblich aufwendigeren SNOMED. Unter den Schlüsseln war mit steigender Genauigkeit der Abbildung und besseren Retrieval-Werten auch eine Zunahme des Arbeitsaufwandes - und damit Verschlechterung der Bewertung desselben - und eine Verschlechterung der Standardisierung zu beobachten. Dies war auch innerhalb der ICD-9 Schlüssel zu sehen, wobei eine stärkere orthopädisch-traumatologische Ausrichtung mit größerer Genauigkeit und besseren Retrievalwerten einherging. In der Gesamtwertung hoben sich diese gegenläufigen Tendenzen innerhalb der ICD-9-Schlüssel wieder auf, was zu annähernd gleichen Gesamtwerten für die ICD-9 und ihre Erweiterungen führte. Da sich kein wesentlicher Vorteil für die ICD-9-Erweiterungen ergab, kann dem allgemeinen Standard ICD-9 der Vorzug gegeben werden.Der in Gießen entwickelte Schepp-Schlüssel war in den Kategorien Retrieval-Wertung und Genauigkeit der Abbildung der Dresdener Erweiterung unterlegen.Für entscheidungsunterstützende Verfahren ist aufgrund der erheblich besseren Precision ein Vorteil für SNOMED RT zu erwarten - eine zusätzliche Anwendung ist aber nur für eine automatisierte Zusatzcodierung zu empfehlen.Der Einsatz von Erläuterungscodes für Komplikationsdiagnosen ist zu empfehlen. Der hiermit verbundene Mehraufwand bedingt eine Verbesserung von Precision und Genauigkeit der Abbildung.Auch die adaptive Dokumentation ist als besonders geeignete und effektive Anwendungsform unbedingt für alle untersuchten Schlüssel zu empfehlen. Mit ihrer Anwendung stehen durch Codierung geordnete Daten für Auswertungen zur Verfügung und die im Text enthaltenen Informationen bleiben für spätere neue Codierungen oder direkte Bearbeitung und/oder Nutzung erhalten. Mit diesem Vorgehen können bei gewissenhafter Codierung und Abfrageformulierung mit allen geprüften Schlüsseln sehr gute Resultate erwartet werden. Auch für zukünftige Entwicklungen von Schlüsselwerken ist dieses geschilderte Vorgehen einer Freitextkopplung unbedingt zu befürworten.

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