Mit der Arbeit sollte zum einen untersucht werden, ob durch prothetische Reparaturmaßnahmen (z. B. Unterfütterungen von partiellen und totalen Prothesen) und Neuanfertigungen von Zahnersatz, die Kaueffizienz geriatrischer Patienten optimiert werden kann. Zum anderen stand im Mittelpunkt, ob durch solche Maßnahmen Verbesserungen beim Ernährungszustand und der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität (MLQ) erzielt werden können. Das Untersuchungsvorhaben wurde in Form einer explorativen Interventionsstudie durchgeführt. Insgesamt wurden nach Randomisierung 100 Patienten in die Studie einbezogen. Sie stammten zum Teil aus dem Patientengut einer Zahnarztpraxis Olfen, zum anderen Teil waren es Bewohner von Altenpflegeheimen der Orte Seppenrade und Ascheberg. Alle Teilnehmer an der Studie waren mindestens 60 Jahre alt. Bei der zahnärztlichen Untersuchung wurde bei 47 Probanden festgestellt, dass eine Reparatur bzw. Erneuerung des Zahnersatzes dringend erforderlich war. Der Ernährungszustand der Probanden wurde mittels Mini Nutritional Assessment (MNA) und Analyse der Ernährungsmarker Serumalbumin, Serumzink und Präalbumin im Serum bestimmt. Die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität wurde anhand der Fragebögen OHIP-G und OHIP-G14 bewertet. Anhand eines einfachen Kaufunktionstestes, bei dem die Probanden Karottenwürfel definierter Größe möglichst fein zerkauen sollten, wurde die Kaueffizienz überprüft. Es erklärten sich 34 Patienten bereit, Reparaturmaßnahmen oder eine Neuanfertigung des Zahnersatzes vornehmen zu lassen. Unter diesen Probanden befanden sich 21 Frauen und 13 Männer, darunter waren 16 pflegebedürftige Senioren. Insgesamt wurden 14 Reparaturen und 20 Neuanfertigungen durchgeführt. Sechs Monate nach Eingliederung der Reparaturmaßnahme bzw. der neuen Prothesen wurde bei allen 34 Probanden eine Recalluntersuchung vorgenommen, bei der erneut der Ernährungszustand und die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität anhand der o. g. Parameter bewertet worden sind. Anhand des Kaufunktionstestes wurde überprüft, ob die prothetischen Maßnahmen zu einer Optimierung der Kaueffizienz führen konnten. Hier wurde zwar eine signifikante Verbesserung festgestellt, eine nennenswerte Optimierung des Ernährungszustandes und eine Aufwertung der MLQ wurde jedoch nicht beobachtet. Die Ernährung ist ein komplexes Gebiet und wird nicht allein durch die Kaufunktion sondern u.a. auch durch Gewohnheiten, Geschmack, kulturelle Gebräuche sowie finanzielle und organisatorische Aspekte beeinflusst. Aufgrund der Multimorbidität bei geriatrischen Patienten treten andere Gebrechen in den Vordergrund und schränken die Lebensqualität betagter Menschen weit mehr ein, als beispielsweise eine schlecht sitzende Zahnprothese. Des Weiteren ist bei geriatrischen Patienten mit einem langwierigen Adaptationsprozess zu rechnen, wenn ein neuer Zahnersatz eingegliedert wird. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit einen positiven Einfluss prothetischer Maßnahmen auf Ernährungszustand und mundgesundheitsbezogene Lebensqualität nicht erkennen lassen.
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