Die Multiple Sklerose (MS) zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter. Sie ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), deren Ursache noch nicht vollständig geklärt ist. Die MS kann sowohl schubförmig (relapsing-remitting multiple sclerosis, RRMS) als auch chronisch-progredient (secondary/primary progressive multiple sclerosis, SPMS/PPMS) verlaufen. Kennzeichnend sind multiple entzündliche Entmarkungsherde in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark, die nach heutigem Wissensstand durch den Angriff körpereigener Immunzellen verursacht werden und Ursache der auftretenden Myelin- und Axondegeneration sind. Stickstoffmonoxid (NO) spielt bei neurologischen und degenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder Epilepsie eine wichtige Rolle. Die Beteiligung von NO bei MS wird hingegen kontrovers diskutiert. So kann es auf der einen Seite zum Zelltod führen und auf der anderen Seite immunmodulierend wirken, was insbesondere im frühen Krankheitsverlauf der MS schützend sein kann. Primäres Ziel dieser Arbeit war es, an Oligodendrozyten- und neuronalen Zellkulturen das apoptotische Potential von NO zu vergleichen. Außerdem sollte der Einfluss von Basistherapeutika sowie von Patientenseren auf die beiden Zellarten untersucht werden. Es zeigte sich, dass NO sowohl in neuronalen Zellen als auch in Oligodendrozyten einen Zelltod induzieren kann, wobei die neuronalen Zellen sensitiver als die Oligodenrozyten reagierten. Interessanterweise war die Induktion der p38 MAP-Kinase durch NO in den neuronalen Zellen, nicht aber in den Oligodendrozyten, nachweisbar. Ein weiteres Ziel der Arbeit war die Behandlung der Zellen mit den Basistherapeutika Glatirameracetat und Interferon-beta 1b, die bei der MS den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können. Auf den NO-induzierten Zelltod zeigten die Basistherapeutika jedoch keinen Einfluss. Eine Inkubation der beiden Zelltypen mit Patientenseren konnte ebenfalls keinen Zelluntergang auslösen. Mittels FACS-Analyse und Immunzytochemie konnte allerdings gezeigt werden, dass Seren von SPMS-Patienten Antikörper besitzen, die eine signifikant höhere Affinität zu den neuronalen Vorläuferzellen C17.2 aufwiesen. Seren von RRMS-Patienten zeigten zwar eine Bindung, allerdings ohne Zellpriorität. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass Neurone durch die Aktivierung des p38 MAPK-Signalweges sensitiver gegenüber dem NO-induzierten Zelltod sind als Oligodendrozyten und dass die Basistherapeutika keinen Einfluss auf diesen Prozess haben. Patientenseren sind per se nicht zytotoxisch, da die Konzentration von NO kaum messbar ist. Allerdings enthalten Patientseren Antikörper, die mit Voranschreiten der Erkrankung selektiver für Neurone werden.
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