In der vorliegenden Arbeit wurde im Rahmen eines In-vitro-Fertilisations-Programmes beim Menschen die Struktur der inneren der drei Schichten der Zona pellucida aller 1058 gewonnenen Oozyten aus 103 Behandlungszyklen mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion analysiert. Die Analyse der Struktur erfolgte dabei mittels Polarisationsmikroskopie (Polscope) an vitalen Oozyten. Die Verschiebung der Schwingungsebene zirkular polarisierten Lichtes beim Durchgang durch die Zona pellucida lässt sich dabei als sogenannter Retardancewert ausdrücken, der eine qualitative Analyse der Zonastruktur erlaubt.
Die Zona pellucida ist während der Oogenese eng mit der Oozyte assoziert. In diesem Zusammenhang sollte die Frage bearbeitet werden, ob die Struktur der inneren Schicht der Zona pellucida einen neuen Parameter der Oozytenqualität darstellt. Aus diesem Grunde wurden mögliche Zusammenhänge zwischen der Retardance der inneren Zonaschicht und weiteren Parametern der Oozyten-, Zygoten- und Embryoqualität sowie einigen patienten- und stimulationsspezifischen Parametern untersucht.
Aufgrund der großen Varianz der Retardancewerte der Oozyten sowohl im Vergleich verschiedener Behandlungszyklen als auch innerhalb eines Zyklus wurden alle potentiellen Zusammenhänge sowohl unter dem Aspekt der durchschnittlichen Retardance aller untersuchten Oozyten ("Interkohortenanalyse", Ret) als auch unter dem Aspekt der Einordnung der Oozyte in den Zusammenhang ihrer Eizellkohorte ("Intrakohortenanalyse", deltaRet) ausgewertet.
Es konnte gezeigt werden, dass der genomische Reifegrad der Oozyten signifikant mit der Struktur der inneren Zonaschicht korellierte. Unreife Oozyten zeigten dabei erhöhte Retardances der inneren Zonaschicht. Dabei verändert sich die Zonastruktur im Verlauf der in-vitro-Kultur nicht mehr, im Gegensatz zur genomischen Reifung der Oozyten, die in-vitro weiter fortschritt. Dadurch war es mittels der Messung der Zonaretardance möglich, ursprünglich unreife, dann aber im Zeitintervall zwischen Retardanceanalyse und Insemination nachgereifte Oozyten zu erkennen.
Aufgrund dieses Ergebnisses wurde die Hypothese aufgestellt, dass die Zonaretardance einen Marker zytoplasmatischer Reife darstellt, da sie zunächst mit der genomischen Reife korrelierte, sich im weiteren Kulturverlauf aber nicht mehr veränderte. Die genomische Reifung unreifer Oozyten lief hingegen in Kultur weiter ab, so dass bei solchen Oozyten eine Entkopplung der zytoplasmatischen und genomischen Reife vermutet wurde. Diese Hypothese wurde durch die Tatsache unterstützt, dass die Retardance der inneren Zonaschicht (Ret und deltaRet) häufig derart mit Parametern der Oozyten-, Zygoten- und Embryoqualität assoziert war, dass eine höhere Retardance mit einer schlechteren Qualität einherging.
Statistisch signifikante Zusammenhänge konnten zwischen der Retardance der inneren Zonaschicht und der Fertilisierungsrate der untersuchten Oozyten, der Morphologie der Pronuklei der fertilisierten Oozyten, weiterer Parameter der Zytoplasmamorphologie der Zygoten sowie dem Fragmentierungsgrad der Embryonen 40 Stunden nach Insemination demonstriert werden.
Weiterhin wurden tendenzielle Zusammenhänge zwischen der Retardance der inneren Zonaschicht und dem Alter der Frau, sowie der für die kontrollierte ovarielle Hyperstimulation im Rahmen der IVF-Behandlung administrierten Dosis humanen menopausalen Gonadotropins deutlich.
Die Retardanceanalyse der im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation gewonnenen Oozyten kann somit als eine neue, zusätzliche Methode gewertet werden, die es erlaubt, Oozyten mit großem Entwicklungspotenzial zu identifizieren. Dabei ist für die Auswahl individueller Eizellen aus der Kohorte eines Behandlungszyklus die Analyse der Retardance individueller Oozyten im Vergleich zu den weiteren Oozyten der gleichen Kohorte (Intrakohortenanalyse) von wesentlicher Bedeutung.
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