Dank intensiver Forschung und immer neuen Erkenntnissen hat sich das Bild der Sepsis in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt. Trotzdem bleibt das Bild unvollständig und die Entwicklung einer Sepsis ist weiter mit einer hohen Mortalitätsrate verbunden. Mangelndes Verständnis führt zu einer späten Diagnosestellung und somit zu einer späten Therapie. Das therapeutische Eingreifen in pathophysiologische Prozesse, wie die Beeinflussung einzelner inflammatorischer Parameter, hat bislang keine zufriedenstellenden Behandlungserfolge erzielt.Daher wurde im Rahmen dieser Arbeit das Ziel verfolgt, sowohl das Verständnis der Sepsis und der komplexen Abläufe, die zu ihrer Entwicklung führen, zu erhöhen, als auch Schlüsselprozesse für diagnostische Zwecke zu identifizieren.Es wurde eine Untersuchungsmethode gesucht, die nicht nur einzelne Details analysiert, sondern einen möglichst umfassenden Blick auf die pathophysiologischen Mechanismen und Reaktionen des Körpers ermöglicht. Hier bot sich die Verwendung der gut etablierten Microarrayanalyse an. Microarrays messen gleichzeitig die Genexpression tausender Gene anhand der Menge von RNA, die so, als Korrelat für die später entstehenden Proteine, ein vorläufiges Abbild der Zellfunktion bzw. -reaktion bietet. In dieser prospektiv angelegten Studie wurde peripheres Blut von Patienten nach einem Polytrauma gesammelt, von denen eine Teilmenge im Verlauf eine Sepsis entwickelte. Die transkriptionellen Muster von Patienten mit und ohne Sepsis wurden mithilfe der Codelink Mikroarray Plattform verglichen. Fünf Zeitpunkte, beginnend an Tag 0 (Einlieferung auf der Intensivstation, d. h. innerhalb von 12h nach dem Trauma) bis zum Tag 9 wurden analysiert und die Ergebnisse dann per RT-PCR validiert.Die Analyse der Microarraydaten ergab differentiell regulierte Gene aus einem breiten Spektrum funktioneller Gruppen. Es zeigten sich Unterschiede in der Reaktion septischer Patienten bei der Immunantwort, in den plasmatischen Kaskaden, der Mitochondrienfunktion und verschiedenen Signaltransduktionswegen. Die Untersuchung des Zeitverlaufs zeigte, dass diese Unterschiede hauptsächlich an den Tagen vor der klinischen Manifestation bestanden, insbesondere nach 24h.Konkret wurden in den verschiedenen Bereichen die nachfolgend beschriebenen Unterschiede gefunden:1. Die Untersuchung der Immunantwort offenbart, übereinstimmend mit dem aktuellen Stand der Forschung, eine Suppression der adaptiven Immunität in verschiedenen Teilbereichen, während die angeborene Immunität Zeichen einer Aktivierung aufweist. 2. Die Disseminierte Intravasale Gerinnung ist eine der gefürchtetsten Komplikationen einer Sepsis. Kongruent hierzu fand sich eine höhere Expression von Genen, die in diese plasmatische Kaskade involviert sind, ebenso wie eine reduzierte Fibrinolyse und eine stärkere Aktivierung der Thrombozyten.3. Die mitochondriale Dysfunktion ist ein weiterer entscheidender Faktor in der Entwicklung eines Organversagens im Rahmen einer Sepsis. Die Genexpression in dieser Studie deckt verschiedene Details auf, wie eine gestörte oxidative Phosphorylierung, vermehrten oxidativen Stress und eine verminderte ß-Oxidation. 4. Kommunikationsprobleme führen nicht nur in großen Firmen oder zwischenmenschlichen Beziehungen zu Fehlern und Krisen, sie halten auch unseren Organismus davon ab, richtig zu arbeiten. In der vorliegenden Arbeit wurden mehrere Signaltransduktionswege mit dysregulierter, meist verminderter Genexpression gefunden, die mögliche Fehlerquellen darstellen können.Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es möglich war, die Beteiligung verschiedener funktioneller Gruppen in der Entstehung einer Sepsis darzustellen und ihre Entwicklung über den Zeitverlauf nachzuverfolgen. So wurden Möglichkeiten für weitere Studien und detailliertere Nachforschungen aufgezeigt.
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