Wundbehandlung bei Hund und Katze unter besonderer Berücksichtigung von Biss- und Abrasionsverletzungen
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Zusammenfassung
Wunden bei Hund und Katze werden häufig unterschätzt und nicht sofort adäquat behandelt. Oft werden bereits bei den Grundschritten der Behandlung Fehler gemacht, was einen negativen Einfluss auf das Resultat der Therapie hat. Ein grundsätzliches Problem liegt darin, dass es keinen einheitlichen Standard zur Behandlung von Wunden gibt. Ziel der vorliegenden Untersuchungen war es, zu evaluieren, ob akute Abrasionswunden und Bissverletzungen nach einem standardisierten Therapieschema behandelt werden können und ob eine Standardisierung für Wundbehandlungen generell möglich ist. Die Untersuchungen für diese Arbeit wurden an Patienten durchgeführt, die in der Zeit von November 2005 bis März 2008 in der Klinik für Kleintiere der Justus-Liebig-Universität mit derartigen Verletzungen vorgestellt wurden. Der Wundheilungsverlauf wurde während des stationären Aufenthaltes der Patienten verfolgt. Es wurden 14 Hunde und zwölf Katzen mit akuten Abrasionsverletzungen sowie 24 Hunde und acht Katzen mit akuten Bissverletzungen in die Untersuchungen einbezogen. Die durchgeführten Wundbehandlungen richteten sich grundsätzlich nach den von Pavletic (1999) aufgestellten Basisschritten: Prävention weiterer Wundkontamination, Entfernung von Fremdkörpern und Kontaminanten, Débridement toten/ absterbenden Gewebes, Bereitstellung einer adäquaten Wunddrainage, Wahl der geeigneten Verschlussmethode sowie Förderung eines lebensfähigen Granulationsbettes. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Art und Weise und der Umfang, in dem die einzelnen Schritte durchgeführt werden müssen, sich beträchtlich unterscheiden und auch das Ausmaß der Folgeuntersuchungen stark vom individuellen Ausmaß der Verletzung abhängt. Bei Abrasions- und Bissverletzungen handelt es sich um zwei grundsätzlich verschiedene Wundarten. Die Behandlung dieser Wundarten kann demnach zwar nach einem groben Schema, nicht aber komplett standardisiert durchgeführt werden. Dies ist weder für alle Wundarten übergreifend noch für die spezifischen Verletzungen getrennt gesehen möglich. Vergleicht man den Zeitpunkt der Drainageentfernung sowie die Komplikationsrate mit den Daten zwischen Katze und Hund, so fällt auf, dass Hunde schwerwiegendere Verletzungen haben. In der Veterinärmedizin stellen Hundebisse aufgrund der Kombination aus Quetsch-, Schnitt- und Rissverletzungen schwerwiegendere Probleme dar, als Katzenbisse. Die unterschiedlichen Ausmaße der Bissverletzungen bei Hund und Katze machen ebenfalls deutlich, dass eine speziesübergreifende standardisierte Wundbehandlung nicht möglich erscheint. In die Untersuchungen wurde das Signalement der Patienten sowie die Lokalisation der Wunden mit einbezogen, um Vergleiche zu anderen Studien ziehen zu können. Es zeigte sich, dass bei Hunden mit Abrasionsverletzungen die Hälfte der Patienten (n= 7) & #8804; 1 Jahr alt war (Ø 3 Jahre). Dies zeigt, dass beim Hund meist die Unerfahrenheit und der Spieltrieb der Jungtiere zu Unfällen und damit verbundenen Verletzungen führen. Bei den Katzen ist die Altersverteilung ausgeglichener, wenn auch das durchschnittliche Alter mit 3,82 Jahren nicht beträchtlich höher liegt. Die Abrasionen sind bei allen Hunden (n= 14) im Bereich der distalen Gliedmaße (ab Bereich Carpus/Tarsus) zu finden (Hintergliedmaße; n= 10). Auch bei allen Katzen (n= 12) befinden sich die Wunden im Bereich der distalen Gliedmaßen (Hintergliedmaße; n= 11). Von den mit Bissverletzungen vorgestellten Hunden (n=24) haben 14 ein Gewicht von <15 kg ( kleine Hunde ). Die Geschlechterverteilung zeigt einen höheren Anteil an männlichen Tieren (n= 14), zehn der vorgestellten Tiere sind weiblich. Kastraten sind selten zu finden (je zwei männliche und weibliche Hunde). Diese Ergebnisse stimmen mit den Vergleichsstudien überein, in denen unkastrierte kleine Rüden den größten Teil des Patientengutes ausmachen (Shamir et al., 2002; Kilic und Sarierler, 2003; Stammwirtz, 2005). Die Geschlechterverteilung der vorgestellten Katzen ist ausgeglichen. In der vorliegenden Untersuchung traten Bisswunden an verschiedensten Körperregionen auf. Die häufigste Lokalisation der Bissverletzungen war bei den Hunden zwischen Kopf und Schulterbereich gelegen (n= 10). Weitere zehn Hunde wurden an den Gliedmaßen gebissen. Bei den Katzen (n= 8) waren die häufigsten Bissstellen im Bereich der Vordergliedmaße zu finden (n= 5). In der Literatur wird als Hauptlokalisation für Bisswunden bei Hunden der Nackenbereich angesehen (Swaim SF und Henderson RA, jr, 1997; Shamir et al. (2002); Stammwirtz (2005); Pavletic und Trout 2006). Über die Lokalisation von Bissen bei der Katze liefert die Literatur stark differenzierende Daten, die teilweise mit dem Ergebnis der vorliegenden Studie korrelieren (Kilic und Sarierler (2003)) oder auch abweichen (Shamir et al. (2002)). Desweiteren sollte in der vorliegenden Studie eruiert werden, ob sich ein Unterschied im Heilungsverlauf ergibt, wenn akute Verletzungen mit steriler Vollelektrolytlösung oder einer antiseptischen Lösung gespült werden. Verglichen wurden Sterofundin® (B/Braun Melsungen AG) mit dem Polyhexanid-haltigen Prontovet® (B/Braun VetCare GmbH). Bei Abrasionsverletzungen wurde der Einfluss der Spüllösungen auf den Zeitpunkt der ersten Granulationsgewebsbildung untersucht, bei den Bissverletzungen wurde festgehalten, nach wie vielen Tagen die Wundexsudation sistierte. Die Patienten wurden in acht Gruppen eingeteilt. Abrasionsverletzungen bildeten die Gruppe & #921; (n= 26) und Bissverletzungen die Gruppe & #921;& #921; (n= 32). Sie wurden weiter unterteilt in: Hunde, deren Wunden mit Prontovet® (Gruppe & #921;/& #921;& #921;.1) und Hunde, deren Wunden mit Sterofundin® gespült wurden (Gruppe & #921;/& #921;& #921;.2). Katzen, deren Wunden mit Prontovet® (Gruppe & #921;/& #921;& #921;.3) sowie Katzen, deren Wunden mit Sterofundin® gespült wurden (Gruppe & #921;/& #921;& #921;.4). Sowohl bei Abrasions- als auch bei Bissverletzungen konnte bei Hund und Katze die Komplikationsrate (Rate an Nekrosen, Dehiszenzen und eitriger Exsudation) durch die Anwendung von Prontovet® gesenkt werden und somit der Umfang der benötigten Wundbehandlungen eingeschränkt werden.Bei Katzen mit Abrasionsverletzungen schien sich das Antiseptikum zudem positiv auf die Granulation auszuwirken. (Gruppe I.3. Ø drei Tage (zwischen zwei und vier Tagen); Gruppe I.4. Ø 8,67 Tage). Es muss jedoch beachtet werden, dass die Fallzahlen der Katzen sehr gering sind (n= 3) und daher nur von einer Tendenz gesprochen werden kann. Im Gegensatz zu den Katzen trat bei den Hunden der Gruppe I.1. das erste Granulationsgewebe auf der Wundoberfläche nach Ø 3,75 Tagen auf (3- 5 Tage), bei Gruppe I.2. nach Ø 4 Tagen (3- 5 Tage). Auf den Zeitpunkt der Entfernung der Drainage scheint die Wahl der Spüllösung bei Hunden (Gruppe II.1. Ø 6,22 Tage; Gruppe II.2 Ø 6,25 Tage) und Katzen (Gruppe II.3. Ø 3 Tage; Gruppe II.4. Ø 2,33 Tage) mit Bissverletzungen keinen Einfluss zu nehmen. Bei allen Katzen lag der Zeitpunkt der Drainageentfernung zwischen dem 2. und 4. Tag, es gab keine stark abweichenden Ergebnisse. Diese Ergebnisse zeigen, dass sowohl Prontovet® als auch Sterofundin® zur Wundspülung bei Hund und Katze mit akuten Abrasions- bzw. Bissverletzungen sehr gut geeignet sind. Das Antiseptikum zeigt jedoch hinsichtlich der Komplikationsrate und bei Katzen auch im Verlauf der Wundheilung (Granulation) Vorteile gegenüber der sterilen Vollelektrolytlösung.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2009
