Die Transplantatabstoßung ist im Rahmen der allogenen, intraportalen Inselzelltransplantation ein den Transplantationserfolg beschränkender Faktor. Im Rahmen der medikamentösen Immunsuppression werden Antilymphozytenseren eingesetzt. In der vorliegenden Arbeit wurden mittels Durchflusszytometrie die Veränderungen von Lymphozytensubsets bei Patienten nach allogener Inselzelltransplantation und Induktionsimmunsuppression mit polyklonalen Antilymphozytenseren untersucht. Ziel der Arbeit war es, Lymphozytensubsets bei Patienten nach allogener Inselzelltransplantation zu bestimmen und einen möglichen Zusammenhang zwischen Überleben der Inselzelltransplantate und Zellzahlen der Lymphozytensubsets sowie weiteren Spender-, Empfänger- und Transplantateigenschaften zu überprüfen.
Bei Patienten die polyklonale Antilymphozytenseren erhielten, wurde eine schnelle und signifikante Reduktion der Zellzahlen von Lymphozyten, CD3+ Zellen, CD4+ Zellen, CD4+ CD45 RO+ Zellen, CD4+ HLA-DR+ Zellen, CD56+ CD3- Zellen, TCR alpha/beta+ Zellen und TCR gamma/delta+ Zellen beobachtet. In diesen Lymphozytensubsets wurden im Zeitraum von 30 bis 60 Tagen nach Gabe der Antilymphozytenseren wieder Zellzahlen wie vor der Transplantation erreicht. Monozyten, CD19+ Zellen und Gesamtleukozyten wurden nicht signifikant in ihrer Zahl reduziert. Im Vergleich von Inselzelltransplantationspatienten nach Gabe von Antilymphozytenseren mit einer gesunden Kontrollgruppe finden sich nahezu über die gesamte Untersuchungsdauer von zwölf Monaten signifikant niedrigere Zellzahlen für Lymphozyten, CD3+ Zellen, CD4+ Zellen, TCR alpha/beta+ Zellen und CD19+ Zellen. Bereits vor Transplantation und Gabe der Antilymphozytenseren weisen die Inselzelltransplantations-patienten gegenüber einer gesunden Kontrollgruppe signifikant niedrigere Zellzahlen in diesen Subsets auf. Auch im Vergleich der Inselzelltransplantationspatienten zu Patienten nach alleiniger Nierentransplantation, die keine polyklonalen Antilymphozytenseren erhielten, lassen sich in der erstgenannten Gruppe über den gesamten Untersuchungszeitraum von sechs Monaten signifikant niedriger Zellzahlen in diesen Lymphozytensubsets nachweisen.
In der untersuchten Patientengruppe (n = 20) war das 1-Jahres-Transplantatüberleben mit 70 % außergewöhnlich hoch im Vergleich zu anderen Patientengruppen aus der medizinischen Literatur, die hinsichtlich wichtiger prädiktiver Faktoren für den Transplantaterfolg vergleichbar sind. In dieser Patientengruppe mit hohem Transplantatüberleben wurde überprüft, ob ein statistisch nachweisbarer Zusammenhang zwischen Spender-, Empfänger- und Transplantateigenschaften und dem Überleben der Inselzelltransplantate vorlag. Die Aussagekraft der statistischen Vergleiche zwischen Patienten mit Transplantatfunktion (n = 14) gegen Patienten ohne Transplantatfunktion (n = 6) hinsichtlich der untersuchten Parameter sollte dabei vor dem Hintergrund der geringen Patientenzahlen betrachtet werden.
Es konnte kein signifikanter Einfluss der untersuchten Faktoren (Kalte Ischämiezeit weniger als 8 Stunden; Menge transplantierter Inseläquivalente mehr als 6.000/kg/Körpergewicht; Histokompatibilität in HLA- A; B; DR, Insulinverbrauch vor Transplantation, Inselstimulationsindex, Inselzellviabilität, Ciclosporinblutspiegel) auf das Überleben der Inselzelltransplantate nachgewiesen werden.
Es konnte kein Zusammenhang zwischen Zellzahlen der Lymphozytensubsets und dem Überleben der Inselzelltransplantate nachgewiesen werden. Es konnte kein autoimmuner Einfluss auf das Transplantatüberleben anhand der Bestimmung von Inselzell-Autoantikörpern nachgewiesen werden, wobei nur bei wenigen Patienten Inselzell-Autoantikörper gefunden wurden.
Eine mögliche immunologische Abstoßung konnte anhand der durchflusszytometrisch bestimmten Lymphozytensubsets nicht erkannt werden. Es wurde keine Korrelation zwischen Zellzahlen der Lymphozytensubsets und einem Transplantatverlust gefunden. Dabei bestehen grundlegende Schwierigkeiten darin, dass nicht zu klären ist, ob es sich im Falle eines Verlustes der Inselzelltransplantatfunktion tatsächlich um einen immunologisch verursachten Transplantatverlust handelt und wann genau der Transplantatverlust stattfindet.
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