Versorgungsrealität der Patienten mit Glioblastom im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein in Koblenz zwischen 2010 und 2015 – eine retrospektive Datenanalyse
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Zusammenfassung
Das Glioblastom ist trotz intensiver Forschung und großen Kenntnisgewinns in den letzten Jahrzehnten, insbesondere in der Molekularpathologie, immer noch mit einer infausten Prognose vergesellschaftet, die die Lebenserwartung erkrankter Patienten auf durchschnittlich etwa 9 Monate reduziert. Die Durchführung der als Stupp-Schema etablierten Standardtherapie nach möglichst radikaler chirurgischer Tumorentfernung kann die mediane Überlebenszeit durchschnittlich auf 14,6 Monate verlängern. Bei günstigem genetischen Expressionsmuster kann die Therapie zu einem deutlich längeren Überleben von 22 Monaten im Median führen. Ziel dieser Arbeit war es, eine Bestandsaufnahme und Qualitätsüberprüfung der Therapie von Glioblastompatienten vorzunehmen, die in der Neurochirurgie des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein in Koblenz gemeinsam mit ambulanten und stationären Kooperationspartnern im Kompetenzzentrum Neuroonkologie behandelt wurden und mit publizierten Daten aus anderen neuroonkologisch tätigen Zentren kritisch zu vergleichen, um gegebenenfalls Arbeitsstrukturen zukünftig zu optimieren. Dazu wurde eine retrospektive Studie durchgeführt, in die alle Patienten eingeschlossen wurden, die zwischen dem 01.01.2010 und dem 31.12.2015 in der Neurochirurgie des Klinikums Koblenz operiert worden sind und die histologisch gesicherte Diagnose eines Glioblastoms erhalten hatten. Es wurden 207 Patienten über mindestens 2 Jahre bis zum 31.12.2017 beobachtet. Die erfassten Daten bezogen sich auf den präoperativen Zustand, diagnostische Ergebnisse, Details der operativen, radio- und chemotherapeutischen Behandlung in der Primär- und Rezidivsituation sowie deren Auswirkungen hinsichtlich des Überlebens. Bis zum Studienende waren 187 Patienten verstorben, 11 Patienten entzogen sich der weiteren Nachbeobachtung. Das Patientenkollektiv erwies sich als repräsentativ und die nachgewiesenen medianen Überlebenszeiten waren für die wichtigsten bekannten prädiktiven Werte wie Patientenalter und ECOG-Status sowie für den Effekt der untersuchten Standardtherapien in der univariaten Analyse mit anderen Studienergebnissen vergleichbar. Das mediane Patientenalter lag mit 67 Jahren höher als in den meisten klinischen Studien zu dieser Thematik. Patienten, die sich einer mikrochirurgischen Tumorresektion unterzogen und anschließend eine konkomitante Radiochemotherapie und adjuvante Chemotherapie nach dem Stupp-Protokoll erhielten, wiesen eine mediane Überlebenszeit von 68 Wochen auf. Die mediane Überlebenszeit für das Gesamtkollektiv unabhängig von der Art der erfolgten Behandlung betrug 36 Wochen. Die mediane Überlebenszeit war mit 47 Wochen signifikant länger für Patienten, die innerhalb des Kompetenzzentrums Neuroonkologie behandelt wurden, gegenüber der medianen Überlebenszeit von 31 Wochen für Patienten, die außerhalb des KNO behandelt wurden. Dies kann als Beleg für die Überlegenheit eines spezialisierten Zentrums in der anspruchsvollen Therapie des Glioblastoms gedeutet werden und untermauert wissenschaftlich den allgemein fortschreitenden, aufwendigen Zertifizierungsprozess in Deutschland.