In dieser Arbeit wird die Entwicklung und Referenzierung der Regensburger Variante des OLKI als neues pädaudiologisches Sprachaudiometrieverfahren im Störgeräusch, sowie dessen Evaluation an Kindern mit Hörstörung vorgestellt. Der OLKI für Messungen in Ruhe bietet sich insbesondere wegen seines, die Aufmerksamkeit auf das Zielwort richtenden Ankündigungssatzes als Basis für einen Test im Störgeräusch an. Des Weiteren repräsentiert der Zweisilber-Testkorpus die häufigste deutsche Wortart. Die Reimstruktur der als Bilder vorgegebenen Testwortalternativen ermöglicht die Durchführung als geschlossenes Testverfahren.
Im ersten Teil dieser Arbeit, der Entwicklung und Referenzierung der Regensburger Variante zur Messung im Störgeräusch, wurde der Pegel aller Zielwörter auf einen konstanten Wert ausgesteuert und das stationäre sprachsimulierende Rauschen ICRA1 mit dem selben Pegel hinzugeführt. Mit 55 Kindern im Alter von 7 10 Jahren wurden Referenzwerte des Sprachverstehens im Störgeräusch bei einem SNR von 0 dB, -5 dB und 10 dB binaural (diotisch) über Kopfhörer gemessen und die Diskriminationsfunktion bestimmt. Die Normalwerte des Sprachverstehen ergeben 91 +/-7% bei 0 dB SNR, 75 +/-11% bei 5 dB SNR und 55% +/-14% bei 10 dB SNR, alters- und geschlechtsunabhängig. Die Diskriminationsfunktion zeigt ein 50%iges Sprachverstehen bei 10,9 dB SNR und eine maximale Steigung von 4,95 %/dB SNR.
Die Untersuchung der Test-Retest-Reliabilität bildet gemeinsam mit dem Nachweis der Anwendbarkeit der Regensburger Variante bei hörgeräteversorgten mittel- bis hochgradig schwerhörenden Kindern den zweiten Teil. Es bestätigt sich die theoretische Überlegung, dass die Streuung der Testergebnisse mit Hilfe der Binomialverteilung vorhersagbar ist. Dadurch lassen sich festgestellte Ergebnisunterschiede auf ihre Signifikanz prüfen. Erwartungsgemäß ist die Regensburger Variante aufgrund der geringen Steigung der Diskriminationsfunktion und der klinisch üblichen Anzahl an Testwörtern pro Messung nicht zum signifikanten Nachweis kleiner Diskriminationsunterschiede im Bereich von <25% geeignet.
Im dritten Teil der Arbeit wird das Sprachverstehen im Störgeräusch von uni- und bilateral kochleaimplantierten Kindern untersucht. Es wird der Nachweis einer signifikanten Steigerung des Sprachverstehens im Störgeräusch durch das bilaterale Hören mit zwei Kochleaimplantaten gegenüber der unilateralen Hörsituation erbracht.
Einen für alle Testdurchführungen sensiblen Parameter stellt die, für das geschlossene Testverfahren notwendige, korrekte a priori Identifizierung der mit Bildern dargestellten Antwortalternativen dar. Eine vollständige Informiertheit über die Antwortalternativen unter denen sich das Testwort befindet führt zu einem um 5,4 dB niedrigeren SRT, im Vergleich zur offenen Testdurchführung ohne Informiertheit über die Antwortalternativen.
Im Vergleich zum neu entwickelten Kinder-Satztest OLKiSA stellt sich der Schwierigkeitsgrad der Regensburger Variante bei gleichem SNR als geringer heraus, bei jedoch nur etwa halb so großer Steigung der Diskriminationsfunktion.
Die in dieser Arbeit gewonnenen Daten geben Anlass zu weitergehenden Untersuchungen:
Im Grundlagenbereich erscheint der intraindividuelle Leistungsvergleich mit unterschiedlichen Kindersprachtests im Störgeräusch von besonderer Bedeutung, um die Ergebnisse unterschiedlicher Testverfahren ineinander umrechnen zu können. Zweitens dürfte auch eine vertiefende Untersuchung des Einflusses der Bildidentifikation auf die Testergebnisse der Regensburger Variante mit Kindern unterschiedlichen Alters von großem Interesse sein. Einerseits um durch eine verbesserte bildliche Darstellung die Identifizierwahrscheinlichkeit der in den Bildern kodierten Antwortalternativen zu erhöhen und damit ein homogenes Schwierigkeitsniveau zu erzielen. Andererseits ist die mit der Bildidentifikation zusammenhängende Frage der einheitlichen Durchführung des OLKI im Störgeräusch zur Erlangung vergleichbarer Ergebnisse noch zu klären.Die gute Durchführbarkeit der Bestimmung des Sprachverstehens im Störgeräusch mit Hilfe der Regensburger Variante des OLKI bildet drittens die Basis für weitergehende Studien zur Bewertung des Sprachverstehens hörgeräte- und CI-versorgter Kinder im Hinblick auf Kriterien zur Verbesserung der Indikationsgrenzwerte für beide Hörhilfen-Technologien.
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