Unmittelbar nach einem Herzinfarkt wird das angeborene Immunsystem, welches endogene Reparaturprozesse einleitet, aktiviert. Die zu Beginn förderlichen Auswirkungen der inflammatorischen Reaktion können jedoch bald schädlich für das Herz werden und den Infarktbereich vergrößern. Neutrophile Granulozyten wandern als erste Immunzellen in das infarzierte Herz ein. Durch Phagozytose und Freisetzung von degradierenden Enzymen entfernen sie nekrotische Kardiomyozyten und Matrixtrümmer und begünstigen so das kardiale Remodeling. Eine exzessive und anhaltende Immunantwort von neutrophilen Granulozyten kann jedoch zu einem beeinträchtigten Remodeling führen. Daher ist eine räumlich und zeitlich regulierte Entfernung von neutrophilen Granulozyten von grundlegender Bedeutung für ein Abklingen der Inflammation und Förderung von Wundheilung. Diese Arbeit beschreibt einen neuen Mechanismus zur Entfernung kardialer neutrophile Granulozyten vom Entzündungsort des infarzierten Herzens durch das aus Kardiomyozyten stammende C-Typ Lektin Reg3beta. Es konnte gezeigt werden, dass Reg3beta mit einer Subpopulation inflammatorisch aktiver kardialer neutrophile Granulozyten kolokalisiert und direkt an diese bindet, was zu einem aponekrotischen Zelltod führte. In diesem Zusammenhang verursachte der Verlust von Reg3beta eine erhöhte Akkumulation von neutrophilen Granulozyten im nicht-infarzierten Bereich 4 Tage nach experimentellem Herzinfarkt, was vermutlich eine Destabilisierung der linksventrikulären Wand und eine Herzruptur zur Folge hatte. Der durch Reg3beta-vermittelte Zelltod der neutrophilen Granulozyten wurde durch LDH Freisetzung, intrazelluläre ATP-Abnahme und der Aufnahme von Cytotox Green innerhalb der ersten Stunde nach Stimulation in vitro bestätigt. Morphologische Veränderungen waren gekennzeichnet durch Vakuolenbildung im Zytoplasma und Degradierung intrazellulärer Organellen ohne die Ausbildung von Apoptosekörperchen. Ruhende oder inflammatorisch inaktive neutrophile Granulozyten aus dem Knochenmark, Blut und Milz waren nicht responsiv auf Reg3beta. Die Reg3beta-Bindung an kultivierte neutrophile Granulozyten aus der Maus erfolgte über Erkennung der Kohlenhydratreste N-acetylgalactosamine, N-Acetylglucosamin und Mannose auf der Zelloberfläche. Daraufhin wurde Reg3beta durch Clathrin-vermittelte Endozytose internalisiert und vermutlich über den endolysosomalen Weg zu azurophilen Granula bzw. primären Lysosomen transportiert. Zeitgleich mit der Aufnahme von Reg3beta stieg die intrazelluläre ROS-Produktion rasch an und die primären Lysosomen wurden destabilisiert, was eine Freisetzung von Cathepsin ins Zytosol zur Folge hatte und somit einen lysosomalen Zelltod auslöste. Außerdem förderte Reg3beta durch die Induktion des Zelltods die Efferozytose von neutrophilen Granulozyten durch Makrophagen in vivo. Zusammengefasst stellt die Induktion des ROS-abhängigen lysosomalen Zelltodes durch Reg3beta einen neuen Mechanismus zur Entfernung inflammatorisch aktiver neutrophiler Granulozyten aus dem geschädigten Herzen nach Infarkt dar.
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