Der Einfluss des Wetters auf die landwirtschaftliche Produktion, speziell des Ackerbaus, ist seit jeher so ausgeprägt wie in kaum einem anderen Bereich der Volkswirtschaft. Da dieser wichtige Produktionsfaktor jedoch nicht oder nur gering beeinflusst werden kann, stellt er eine der größten Risikoquellen für landwirtschaftliche Unternehmen dar. Verstärkend hierzu kommen zudem Veränderungen der agrarpolitischen Rahmenbedingungen und die steigende Fremdkapitalisierung der Agrarbetriebe. Aus diesem Grund kommt den Instrumenten des betrieblichen Risikomanagements eine wachsende Bedeutung zu. So ist die Diskussion um die landwirtschaftliche Erntemehrgefahrenversicherung Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Arbeiten der letzten Jahre und Jahrzehnte. Ein Motiv hierfür ist eine mit ihr oft im Zusammenhang stehende staatliche Prämiensubvention in vielen Ländern außerhalb Deutschlands.Die vorliegende Arbeit sucht zum einen nach Antworten auf die Fragen, warum (in Deutschland) keine privatwirtschaftliche Erntemehrgefahrenversicherung existiert und wie eine solche aussehen könnte. Dazu werden bereits bestehende Versicherungslösungen anderer Länder klassifiziert, bewertet und daraus abgeleitet ein Empfehlung für eine deutsche Versicherungslösung abgegeben.Zum anderen werden versicherungsmathematische Verfahren hergeleitet um Aussagen zu Prämienhöhen, Rückversicherungskosten, Ruinwahrscheinlichkeiten und damit verbundene Eigenkapitalanforderungen von Versicherungsunternehmen quantifizieren zu können. Es zeigt sich, dass sowohl eine Versicherungslösung nach US-amerikanischen Vorbild, als auch Wetterderivate als Vorschlag für eine deutsche Erntemehrgefahrenversicherung abgelehnt werden. Dagegen erscheint es sinnvoll, die bereits existierende Hagelversicherung auf die Gefahren Sturm, Starkregen, Auswinterung, Frost und Trockenheit auszuweiten. Allerdings stellt sich dabei die Absicherung gegen Trockenheit auf Grund des hohen Kumulrisikos als problematisch heraus, so dass diese nicht ohne eine staatliche Co-Finanzierung etabliert werden kann.Im empirischen Teil der Arbeit ergibt sich abschließend für eine derartige Erntemehrgefahrenversicherung in Deutschland ein Gesamtprämienvolumen in Höhe von 575 Mio. Euro. Dies entspricht bei einer staatlichen Prämiensubvention von 50% einem Finanzierungsaufwand in Höhe von 287,5 Mio. Euro. Als mögliche Alternative einer Prämienunterstützung einer solchen Gesamtdeckungsvariante wird eine partiell geförderte Trockenheitsversicherung mit einer staatlichen Kostenbeteiligung an den Prämien in Höhe von 216 Mio. Euro vorgeschlagen. Dies führt bspw. bei einer Prämiensubvention von 50% zu Kosten in der Höhe von 108 Mio. Euro. Daneben würde der Finanzierungsbedarf bei einer staatlichen Rückversicherung der Einzelgefahr Trockenheit mit Kosten in Höhe von 50 - 119 Mio. Euro. zu Buche schlagen.
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