Die intrakutane Infektion von Hauskaninchen mit dem Cottontail rabbit Papillomavirus (CRPV) verursacht lokal gutartige Hauttumoren (Papillome), die zu über 80% innerhalb von sechs bis vierzehn Monaten zu invasiv wachsenden Karzinomen progredieren, ohne dass weitere Kofaktoren dazu nötig sind. Somit ist das Hauskaninchen ein geeignetes Tiermodell zur Aufklärung der molekularen Vorgänge bei der Entstehung und Progression kutaner papillomvirusinduzierter Tumoren. Der zentrale Regulator der Transkription der viralen Onkogene und der viralen DNA-Replikation ist das frühe E2-Protein. Eine genetische Trennung dieser beiden Funktionen ist bei BPV 1, HPV 11, 16, 18 und 31 durch Mutation der hochkonservierten Aminosäuren 37, 39 oder 73 möglich. Analoge Mutationen wurden in CRPV-E2 eingeführt und zeigten das gleiche Verhalten. So führte Mutation der Aminosäure 37 oder 73 zu einem Verlust der Transaktivierungseffizienz in Reporterassays im Vergleich zu Wildtyp-CRPV-E2 bei erhaltener Replikationseffizienz. Mutation der Aminosäure 39 von CRPV-E2 hatte den umgekehrten Effekt, bei erhaltener Transaktivierungsfunktion lag ein Verlust der Replikationseffizienz in transienten Replikationsassays vor.
Neben dem Transkript für das vollständige E2-Protein ist bei BPV 1, HPV 11, 16, 31 und 33 ein alternativ gespleißtes E2-Transkript bekannt, dessen Translationsprodukt (E8^E2C) einen E2-Repressor darstellt. Ein entsprechendes Transkript konnte mittels RT-PCR aus CRPV-induzierten Papillomen und Karzinomen verschiedener Kaninchen isoliert werden und wurde E9^E2C genannt. E9^E2C inhibierte konzentrationsabhängig die Transaktivierungsaktivität von CRPV-E2 in Reporterassays und die E2-abhängige transiente Replikation des CRPV-Replikationsursprungs. Zudem reprimierte E9^E2C die Basalaktivität verschiedener Reporterkonstrukte in drei unterschiedlichen Zelllinien.
Um die in vivo Bedeutung dieses Repressorproteins und der Transaktivierungsdomäne von CRPV-E2 auf Tumorentstehung und progression zu untersuchen, wurden Mutationen in das CRPV-Gesamtgenom eingeführt. Diese Mutanten-DNAs wurden ebenso wie Wildtyp-CRPV-DNA mittels Partikel-vermitteltem DNA-Transfer mit der 'Helios gene gun' in die Haut von Hauskaninchen eingebracht. Mutation der Aminosäure 37 oder 73 in CRPV-E2 führte dabei zu einem fast vollständigem Verlust der Tumorinduktion, während 93% aller mit Wildtyp-CRPV-DNA injizierten Stellen eine Papillomentstehung innerhalb von sechs Wochen vorweisen konnten.
Hingegen zeigten zwei verschiedene knock-out Mutationen in E9 im gesamtgenomischen Kontext von CRPV keinen Unterschied im Vergleich zu Wildtyp-CRPV-DNA bezüglich Tumorentstehung, -progression, CRPV-Kopienzahl, physikalischem Status der DNA und CRPV-Transkriptmengen.
Während die Transaktivierungsdomäne in CRPV-E2 vermutlich essentiell für die Tumorentstehung ist, und damit ein mögliches Ziel für Therapien gegen papillomvirusinduzierte Tumoren darstellt, ist die in vivo Bedeutung des CRPV-E9^E2C-Repressorproteins weiterhin unbekannt und erfordert weitere Untersuchungen.
Ein weiteres Ziel dieser Arbeit war ein Therapieversuch mit zwei unterschiedlichen Polyphenol-Formulierungen. Polyphenole sind der Hauptbestandteil von grünen Tee-Extrakten. Sie zeigten in früheren Untersuchungen ein weites Spektrum an pharmazeutisch interessanten Aktivitäten wie anti-tumorigene, anti-karzinogene u.a. Eigenschaften. Die CRPV-induzierten Hauttumoren beim Hauskaninchen dienten hier als Modell für papillomvirusinduzierte gutartige Tumoren beim Menschen. Trotz achtwöchiger, fast täglicher Behandlung konnte in diesem Versuch keine Wirkung der Polyphenole auf die Tumoren nachgewiesen werden. Es wäre wünschenswert, die Wirksamkeit polyphenolhaltiger Therapeutika gegen CRPV-induzierte Hauttumoren in einem wiederholten Versuch mit modifiziertem Versuchsaufbau erneut zu untersuchen.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen