Die Nutzung erneuerbarer Energien hat sich in den vergangenen Jahren in Anbetracht des globalen Klimaschutzes und der systematischen Ablöse konventioneller Energieträger als eine erfolgversprechende Strategie zur Anpassung und Minderung der Klimaveränderung etabliert. Eine der tragenden Schlüsseltechnologien in diesem Prozess ist die Nutzung der Windenergie, die im System der hier relevanten Energien einen groÿen Beitrag zur Versorgung mit CO2-neutralem Strom einnimmt. Der von einem fast uneingeschränkten Konsens der wissenschaftlichen Gemeinschaft getragene Ausbau der Windenergie hat jedoch, zumindest im Pionierstaat Deutschland, ein Akzeptanzproblem. Die systemweite Integration der Variable Wind in die deutsche Energielandschaft legt seit Jahren weitreichende Konfliktkonstellationen offen, die seitdem im Zuge einer nachhaltigen Planungspraxis der kraftwerksgleichen Strukturen abgestimmt werden müssen. Der Fokus der Dissertation liegt auf den essentiellen Schnittstellen zwischen einer überfachlich agierenden raumordnerischen Steuerung von Windenergieanlagen und ihrer Akzeptanz. Die hier zu beobachtende Dynamik wird im Rahmen der vorliegenden Untersuchung analysiert, mit dem Ziel, eine weitere empirische Evidenz der Spannungsfelder zu geben.Die Ergebnisse zeigen, dass Windenergieanlagen durch ein abgestimmtes, historisch gewachsenes Wechselspiel von Rechtsgrundlagen und Planungsinstrumenten einer abschlieÿenden, positivplanerischen Standortzuweisung zugeführt werden können. Obwohl in diesem System akzeptanzfördernde Mechanismen auf allen Planungsebenen zum Tragen kommen, vermögen es diese in letzter Zeit jedoch nicht mehr einem Entstehen von lokalen Oppositionen entgegenzuwirken. Letztere entstehen entsprechend nicht grundlos und zeigen eine klare, sich selbst verstärkende Entwicklungsdynamik im gesamten Bundesgebiet. Getragen von den negativen Begleiterscheinungen der Windenergieanlagen mobilisieren sich Entscheidungsträger und Anwohner gegen neue Projekte zu einer geschlossenen Konfliktlandschaft. Weitergehend zeigt die Untersuchung, dass sich die Windenergie auf die Lebenswirklichkeit der Menschen auswirkt. Hierbei ist der Einfluss der Windenergie auf den Tourismus - insbesondere in Hessen - differenziert zu bewerten. Auf der einen Seite zeigen befragte Tagestouristen kein systematisches Meideverhalten in naturnahen und durch die Windenergie intensiv beanspruchten Gebieten. Auf der anderen Seite legt eine umfassende Zeitreihenanalyse einen erstmals zu beobachteten dynamischen Wandel des Einflusses von Windenergieanlagen auf die Übernachtungszahlen in Hessen offen. Dieser ist insbesondere im letzten Untersuchungsraum von signifikanter und leicht negativer Ausprägung.
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