Verfahren zur Verbesserung der Lagestabilität von Unterkiefer-Totalprothesen bei ungünstigen anatomischen Voraussetzungen : eine prospektive klinische Studie

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Die vorliegende Arbeit hatte das Ziel zu überprüfen, ob die Verwendung eines modifizierten Verfahrens zur Herstellung von Unterkiefer-Totalprothesen im muskulären Gleichgewicht für Patienten mit einem atrophierten Alveolarfortsatz eine zufriedenstellende Therapieoption darstellt. Die Fragestellung bezog sich auf Patientenfälle, bei denen eine konventionelle Unterkiefer-Totalprothese nicht zur Zufriedenheit der Patienten führen konnte und eine prothetisch-implantologische Therapie nicht in Betracht kam. Die prospektive klinische Studie umfasste 22 Probanden im Alter von 51-88 Jahren, wovon nach dem vorzeitigen gesundheitlich bedingten Ausscheiden eines Probanden 21 Patienten in die Auswertungen miteinbezogen wurden. Nach einem Aufklärungsgespräch erfolgte die Überprüfung des vorhandenen Zahnersatzes zu Beginn der Studie. Dies erfolgte durch zwei Zahnärzte auf ihre regelgerechte Ausführung, um sicherzustellen, dass sich der auf konventionellem Wege hergestellte Zahnersatz in einem idealen Ausgangszustand befand. In diesem Zuge wurden zunächst bei sieben Probanden Korrekturmaßnahmen und Neuanfertigungen der vorhandenen Totalprothesen erforderlich, bevor für alle Probanden Unterkiefer-Totalprothesen im myodynamischen Gleichgewicht angefertigt wurden. Die verschiedenen Prothesenformen (konventionell vs. myodynamisch) wurden in einem intraindividuellen Vergleich anhand unterschiedlicher Parameter untersucht. Veränderungen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität (MLQ) der Probanden wurden anhand des OHIP-G14-Fragebogens evaluiert. Ein Kaufunktionstest, unter Verwendung von standardisierten Karottenscheiben als Testmaterial, diente der Überprüfung einer Beeinflussung der Kaufunktion. Darüber hinaus wurde ein phonetisch ausbalancierter Text vor und nach der Behandlung durch die Probanden vorgelesen, digital aufgezeichnet und anschließend durch Studenten (n=81) in unterschiedlichen Stadien der zahnmedizinischen Ausbildung auditiv evaluiert. Zusätzlich wurden die Patienten über die subjektive Wahrnehmung des Prothesenhalts allgemein, beim Kauen und beim Sprechen anhand eines weiteren Fragebogens befragt. Die MLQ der Probanden verbesserte sich nach der Versorgung mit den neu angefertigten muskulär stabilisierten Unterkiefer-Totalprothesen signifikant (p<0,001). In der subjektiven Beurteilung der erreichten Veränderung hinsichtlich des Prothesenhalts nach der prothetischen Neuversorgung, gaben 18 Probanden (85,7%) eine Verbesserung jeweils beim Kauen und im Allgemeinen an. Für 14 Probanden (66,7%) zeigte sich eine Verbesserung des Prothesenhalts beim Sprechen. Kein Proband gab eine Verschlechterung des Prothesenhalts an. Der verwendete Kaufunktionstest zeigte keine signifikante Veränderung der Kaufunktion (p=0,109) und es konnte keine signifikante Verbesserung der Sprachlautbildung festgestellt werden (p=0,111). Die Ergebnisse der durchgeführten Studie zeigen, dass das vorgestellte konservative Verfahren eine Möglichkeit darstellt, die Lagestabilität von Unterkiefer-Totalprothesen im Falle von ungünstigen anatomischen Verhältnissen zu verbessern und die Lebensqualität der Probanden signifikant zu steigern. Bezüglich der Parameter Sprachlautbildung und Kaufunktion konnten keine deutlichen Veränderungen festgestellt werden. Demnach führte die muskuläre Stabilisierung zu einer Verbesserung des Prothesenkomforts, allerdings nicht zu einer Verbesserung der Kaufunktion, was auf den erwarteten Kraftverhältnissen beruhen könnte. Die interindividuelle Streuung der Ergebnisse lässt sich durch die bei jedem Probanden unterschiedliche Muskelkraft, Schmerzempfindlichkeit und Adaptationsfähigkeit erklären. Zudem führte die funktionelle Verbesserung durch die muskuläre Stabilisierung im Unterkiefer zu keiner signifikanten Veränderung hinsichtlich der Sprachlautbildung, was sich durch die unveränderten Artikulationszonen im Oberkiefer erklären lässt. Möglicherweise kam es nach vier Wochen nicht bei allen Probanden zu einer Veränderung des muskulären Funktionsmusters. Eine Untersuchung zu späteren Messzeitpunkten könnte in weiterführenden Studien untersucht werden. Für die klinische Anwendung des vorgestellten Verfahrens überwiegen die Beschwerdefreiheit und die Zufriedenheit des Patienten mit dem Behandlungsergebnis die objektiven Messparameter Kaufunktion und Sprachlautbildung. Daher stellt das Erreichen des Ziels "Patientenzufriedenheit ein entscheidendes Kriterium zur Erfolgsbewertung dar. Die Herstellung von Unterkiefer-Totalprothesen entsprechend des vorgestellten Verfahrens ist somit, gerade im Fall von Patienten mit ungünstigen anatomischen Verhältnissen, bei denen eine prothetisch-implantologische Versorgung als Therapieoption nicht in Frage kommt, eine geeignete Behandlungsalternative, um die Lebensqualität dieser Patienten auf konservativem Wege zu verbessern.

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