Expertise bei der Antizipation sportmotorischer Handlungseffekte : neuronale Aktivierung motorik-relevanter Gehirnareale

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Was unterscheidet einen Experten einer Sportart von einem Anfänger? Neben Aspekten wie den physischen Voraussetzungen und dem taktischen Wissen spielt in vielen Sportarten vor allem auch die Fähigkeit eine Rolle, Ereignisse unter Zeitdruck möglichst früh zu antizipieren, um auf diese Weise mehr Zeit für die eigene motorische Antwort zu erlangen. Dass die Antizipation einen bedeutsamen Aspekt der Expertise von Athleten darstellt, konnte die Expertiseforschung mit zahlreichen Studien in unterschiedlichen Sportarten durch bessere Antizipationsleistungen der Experten im Vergleich zu weniger erfahrenen Sportlern nachweisen. Es ist jedoch weitestgehend unklar, wie diese Informationen auf neuronaler Ebene verarbeitet werden und inwiefern sich die Verarbeitungsprozesse zwischen Experten und Novizen unterscheiden. Sowohl Verhaltensstudien als auch Studien aus dem Bereich der Neurowissenschaften haben Hinweise darauf gefunden, dass die Ausführung und die Wahrnehmung von Bewegungen, zumindest teilweise, gemeinsam repräsentiert sind. Demnach werden motorische Repräsentationen auch genutzt, um Bewegungen von anderen Personen wahrzunehmen. Als Funktion des sogenannten Action Observation Networks (AON), das alle an der Bewegungswahrnehmung beteiligten Gehirnareale beinhaltet und somit auch motorik-assoziierte Areale inkludiert, wird insbesondere die Vorhersage von Handlungseffekten diskutiert. Eine mögliche Erklärung für die Aktivierung des AON während der Effektantizipation, vor allem in motorik-assoziierten Arealen, könnte in der Nutzung von internen Modellen liegen. Interne Modelle dienen während der eigenen Bewegungsausführung unter anderem der Vorhersage des zu erwartenden Effekts und könnten bei der Bewegungsbeobachtung zur Vorhersage von Effekten anderer Personen verwendet werden. Neben parietalen und prämotorischen Arealen wird vor allem auch das Cerebellum als wichtiger Bestandteil der internen Modelle diskutiert.Im ersten Experiment wurde die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) eingesetzt, um zu untersuchen, welchen Beitrag das AON und vor allem die eigenen motorischen Repräsentationen bei der Antizipation von Effekten beobachteter Handlungen leisten. Der Vergleich zwischen den Tennisexperten und den Novizen hatte außerdem das Ziel, die expertisebedingten Unterschiede während der Vorhersage von Handlungseffekten zu beleuchten und so weitere Erkenntnisse über die neuronalen Prozesse, die mit der besseren Antizipationsleistung von Experten assoziiert sind, zu gewinnen. Im zweiten Experiment wurde im Anschluss ein Vergleich zwischen Volleyball- und Tennisexperten durchgeführt, um die Beteiligung des AON und insbesondere des Cerebellums an der Vorhersage von Handlungseffekten in einem modifizierten Expertisevergleich zu untersuchen und weitere Erkenntnisse bezüglich der Theorie einer Nutzung von internen Modellen zur Vorhersage von Effekten beobachteter Handlungen zu gewinnen. Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen bestätigen die Bedeutung von Arealen des AON für die Vorhersage von Effekten beobachteter Handlungen. Die Effektantizipation in einer Sportart, für die die Probanden durch langjähriges Training stärker ausgeprägte interne Repräsentationen besitzen, ist dabei insbesondere mit einer stärkeren Aktivierung in prämotorischen, posterior parietalen und cerebellären Arealen assoziiert. Diese Ergebnisse passen somit zu der Theorie, dass interne Modelle zur Vorhersage von Effekten beobachteter Handlungen genutzt werden. Ferner hat die vorliegende Arbeit gezeigt, dass der Vergleich von Experten einer Sportart mit Novizen respektive mit der Antizipation in einer anderen Disziplin eine hervorragende Möglichkeit zur Untersuchung des Einflusses von eigenen motorik-assoziierten Repräsentationen auf die Vorhersage von Handlungseffekten darstellt.

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