Ähnlicher Wirkmechanismus von Amitriptylin und Lidocain bei der Therapie neuropathischer Schmerzen

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Das trizyklische Antidepressivum Amitriptylin wird neben anderen Medikamenten zur Therapie neuropathischer Schmerzsyndrome eingesetzt, wobei der Wirkmechanismus hierbei unabhängig von dessen antidepressiver Wirkung ist. Natriumkanal-blockierende Medikamente wie systemisch applizierte Lokalanästhetika, Antiarrhythmika und Antikonvulsiva werden ebenfalls zur Therapie chronischer Schmerzsyndrome eingesetzt. Da Amitriptylin ebenfalls gute Natriumkanal-blockierende Eigenschaften aufweist und vor allem Tetrodotoxin-resistente Natriumkanäle des peripheren nozizeptiven Systems beeinflusst, könnte dies sein schmerztherapeutischer Wirkmechanismus sein. Wir untersuchten daher die schmerzlindernde Wirkung von systemisch appliziertem Amitriptylin im Vergleich zu Lidocain bei Patienten mit neuropathischen Schmerzsyndromen. Nach Prüfung durch die Ethikkommission der Justus-Liebig-Universität Gießen und schriftlicher Einwilligung wurde die Studie an 22 Patienten mit neuropathischen Schmerzsyndromen durchgeführt. Am ersten Tag der Studie erhielten die Patienten 2 mg/kg KG Lidocain i.v. über 10 min. Am zweiten Studientag erfolgte die Gabe von 1 mg/kg KG Amitriptylin i.v. über 30 min. Die Schmerzstärke wurde vom Patienten mit der visuellen Analog-Skala (VAS) zu definierten Zeitpunkten vor und nach der jeweiligen Injektion erfragt. Zusätzlich wurden zu bestimmten Zeitpunkten nach den Injektionen Blutentnahmen zur Plasmaspiegelbestimmung der Medikamente und ihrer Hauptmetaboliten mittels HPLC-Methodik durchgeführt. Lidocain und Amitriptylin führten nach intravenöser Gabe bei den meisten Patienten zu einer Reduktion der Schmerzstärke. Im Mittel betrug die prozentuale Schmerzstärke 30 Minuten nach der Lidocain-Infusion 66,3 ± 11,7 % und 120 Minuten nach der Amitriptylin-Infusion 61,0 ± 15,8 %. Die Schmerzreduktion unter Amitriptylin korreliert dabei positiv mit der Schmerzreduktion unter Lidocain. Der Spearman-Rangkorrelationskoeffizient von 21 Patienten lag bei 0,64, die positive Korrelation ist mit der Irrtumswahrscheinlichkeit p=0,002 signifikant. Die mittleren maximalen Plasmaspiegel von Amitriptylin waren 0,22 ± 0,13 microg/ml (0,79 ± 0,47 micromol/l) und von Lidocain 2,3 ± 1,4 microg/ml (9,8 ± 6,0 micromol/l) (Mittelwert ± Standardabweichung). Eine Korrelation zwischen Schmerzreduktion und Plasmaspiegel-konzentration von Lidocain oder Amitriptylin konnte nicht gefunden werden. Die gute Korrelation zwischen Amitriptylin und dem Natriumkanalblocker Lidocain bei der Schmerzreduktion weist auf einen ähnlichen Wirkmechanismus beider Medikamente hin. Die gemessenen Plasmakonzentrationen sind bei Amitriptylin um den Faktor 10 niedriger, was durch die 10fach höhere Blockierungspotenz am Natriumkanal gut erklärt wird. Ähnlich wie bei Antiarrhythmika und Antikonvulsiva könnte hier ein Lidocaintest klären, ob durch Amitriptylin eine Schmerzreduktion zu erwarten ist.

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