Die vorliegende Arbeit untersucht die klinische Relevanz des Tiermodelles der chronischen Herzinsuffizienz nach Koronarligatur imKaninchen sowie die therapeutischen Effekte der chronischen ACE-Hemmung und beta-Blockade.
Die chronische Herzinsuffizienz (CHF) stellt trotz der medizinischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte weiterhin eines der bedeutendstenGesundheitsprobleme der zivilisierten Länder dar. Daher ist ein weitreichendes Verständnis der komplexen Pathomechanismen dieserErkrankung sowie die Entwicklung neuer Therapieansätze notwendig. Das Ziel dieser Dissertation war die Etablierung eines klinischrelevanten Tiermodell der chronischen Herzinsuffizienz, dass die präklinische Prüfung von neuen Therapieansätzen erlaubt. Daher wurdedas Modell mit einem Standardtherapeutikums der CHF, ein ACE-Hemmer, validiert. Weiterhin wurden die Effekte der chronischenbeta-Blockade in diesem Modell untersucht. Auch wenn beta-Blocker heute zur Standardmedikation herzinsuffizienter Patienten gehören,sind die zugrundeliegenden Wirkmechanismen bis heute nicht eindeutig geklärt, und es besteht eine Diskrepanz zwischen denErgebnissen präklinischer und klinischer Studien. Die abschließende Untersuchung der Korrelation zwischen invasiven und nichtinvasivenDaten sollte den Wert des Herzultraschalls in diesem Versuchsmodell beurteilen. Anhand der echokardiografischen Untersuchungenkonnte eine zuverlässige Aussage sowohl über Morphologie als aber auch der Funktion des linken Ventrikels getroffen werden, die durchdie späteren invasiven Untersuchungen bestätigt wurde.
In der Entwicklung der dekompensierten Herzinsuffizienz kommt es zu einer Reihe neurohormonaler, funktioneller und strukturellerVeränderungen des kardiovaskulären Systems, die mittels invasiver und nichtinvasiver Untersuchungen dokumentiert werden können. DerSchwerpunkt dieser Arbeit lag in der Beurteilung der Morphologie und der Funktion des Herzens mittels Herzultraschall undHerzkatheterisierung. Infolge des Myokardinfarktes kam es bei den koronarligierten Kaninchen zu einer fortschreitenden Ventrikeldilatationsowie einer signifikanten Verschlechterung der linksventrikulären systolischen und diastolischen Funktion. Klinische Symptome wieKurzatmigkeit, Zyanose oder periphere Ödeme traten bei den Tieren nicht auf, so dass dieses Versuchsmodell einer CHF der NYHAKlasse II-III entsprach.
Die chronische Gabe eines ACE-Hemmers führte zu einer signifikanten Verbesserung der systolischen Dysfunktion und einerVerlangsamung der progressiven Umfangsvergrößerung des linken Ventrikels. Durch den Nachweis der therapeutischen Wirksamkeitdieses Standardtherapeutikums der CHF in meiner Studie konnte das Modell validiert werden. Die chronische Gabe eines selektivenbeta1-Adrenorezeptorblocker führte in dieser Arbeit zu keiner signifikanten Verbesserung der systolischen Funktion und konnte dieProgression der Ventrikeldilatation nicht aufhalten. Hier war lediglich ein Trend zu beobachten. Die gestörte diastolische Funktion hingegenkonnte durch die betaadrenerge Blockade weitgehendst normalisiert werden. Ungeklärt blieb somit die mangelnde Wirksamkeit desbeta-Blockers auf die systolische Funktion des Herzens, wobei der relativ kurz gewählten Behandlungsdauer eine entscheidende Rollezukommt.Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass das Herzinsuffizeinzmodell im Kaninchen geeignet ist, um die Pathomechanismen derCHF zu erforschen und neue medikamentelle Interventionen zu prüfen. Ausserdem konnte die Validität des nicht-invasiven Herzultraschallszur Untersuchung nicht nur der Morphologie, sondern auch der Funktion des Herzens belegt werden.
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