Die Auswirkungen unterschiedlicher ackerbaulicher Nutzungsgeschichte auf die Fitness von Arabidopsis thaliana- und Viola arvensis-Populationen wurden untersucht. Die dabei verwendeten Versuchspflanzen wurden aus dem bis zu 50 Jahre alten Diasporenvorrat des Bodens alter, jetzt aus der Nutzung genommener Äcker gewonnen (Herkunftstyp 'Alt'), stammen aus der Samenbank biologisch-dynamisch bewirtschafteter Äcker (Herkunftstyp 'Ext') und aus dem Boden herkömmlich intensiv bewirtschafteter Flächen (Herkunftstyp 'Int'). Die Populationen beider Arten mit der Herkunft von intensiv genutzten Flächen ('Int') hoben sich durch mehrere signifikante Unterschiede im generativen Bereich von den anderen Herkunftstypen ab. Sie wiesen die höchste Anzahl generativer Organe (bei Arabidopsis thaliana =>
Sprossachsenmasse), den höchsten Biomasseanteil generativer Organe (bei Arabidopsis thaliana =>
Sprossachsenmasse %), die meisten Samen und ein verringertes Samengewicht auf (Abb. 55 &
56). In Verbindung mit einer signifikant schnelleren Keimung und einer signifikant höheren Keimungsrate lassen sich Rückschlüsse auf weitreichende Veränderungen in der Fitness von Viola arvensis und Arabidopsis thaliana ziehen. Individuen von Standorten mit einer durch intensive Produktionsbedingungen gekennzeichneten Nutzungsgeschichte weisen eine erhöhte Fitness auf, indem sie unter gleichen Bedingungen im Vergleich zu Konkurrenten von Flächen anderer Nutzungsgeschichte anteilig mehr Samen produzieren können, die zudem eine höhere Keimungsrate aufweisen. Offensichtlich gelang es den Arten innerhalb weniger Jahrzehnte, auf eine veränderte landwirtschaftliche Nutzung erfolgreich zu reagieren. Doch verdeutlichen Ergebnisse zu Untersuchungen der phänotypischen Plastizität der Samen von Viola arvensis und zur genetischen Diversität beider Arten, dass durch den starken Selektionsdruck der modernen, intensiven Landbewirtschaftung eine genetische Verarmung festzustellen ist. Es stellt sich die Frage inwiefern diese Verarmung die weitere Entwicklung der untersuchten Arten einschränkt und vor allem das plastische Reaktionsvermögen auf künftige Änderungen ihres Lebensraumes verhindert.
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