Genotyp-Umwelt-Interaktionen bei der Haltung unterschiedlicher genetischer Schweineherkünfte unter konventionellen und ökologischen Bedingungen : Mastleistung, Schlachtkörperqualität und Fleischzusammensetzung

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Die Forderung nach eigenständigen Zuchtprogrammen für die ökologische Schweinemast basiert auf der Annahme, dass ökologisch gehaltene Schweine andere Eigenschaften als konventionell gehaltene Tiere mitbringen müssen, um gute Leistungen zu erzielen. Sollte dies der Fall sein, müssten bei der Haltung verschiedener Schweineherkünfte unter konventionellen und ökologischen Bedingungen Genotyp-Umwelt-Interaktionen (G-U-Interaktionen) in Form von Rangierungsunterschieden der Herkünfte zwischen den Umwelten auftreten. Dies würde in der Folge ein eigenständiges ökologisches Zuchtprogramm notwenig machen, da die Zuchterfolge in den bisherigen konventionellen Prüfumwelten nicht auf die ökologische Produktionsumwelt übertragbar wären. Das Ziel dieser Untersuchung war es daher, durch die Aufstallung genetisch differenter Schweineherkünfte unter ökologischen und konventionellen Bedingungen das mögliche Auftreten von G-U-Interaktionen aufzudecken und zu analysieren. Dazu wurden die sieben Herkünfte Bundeshybridzuchtprogramm (BHZP), Schwäbisch Hällisches Schwein (SH), Angler Sattelschwein (AS), Piétrain x SH (PIxSH), Piétrain x AS (PIxAS), Piétrain x Deutsches Edelschwein (PIxDE) und Duroc x Deutsche Landrasse (DUxDL) aufgeteilt in zwei Leistungsprüfungsanstalten (LPA) unter ökologischen und konventionellen Haltungs- und Fütterungsbedingungen aufgestallt. Die Herkunft BHZP wurde in beiden LPA als Kontrollgruppe gehalten. Die ökologische Haltung erfolgte auf beiden Stationen in Außenklimaställen ohne Auslauf, die konventionelle Haltung in planbefestigten Buchten in Dänischer Aufstallung bzw. in Buchten mit Teilsspaltenböden. Die Tiere in der konventionellen Haltung erhielten das Standard LPA Futter, die ökologisch gehaltenen eine zu 100 % aus heimischen Futtermitteln bestehende, selbsthergestellte Ration bzw. ein zugekauftes ökologisches Fertigmischfutter. Alle Tiere wurden ad libitum gefüttert. Daten zur Mastleistung und Schlachtkörperqualität wurden gemäß den ALZ-Richtlinien für die Stationsprüfung beim Schwein erhoben. Alle Schweine wurden mit einem Lebendgewicht von 25-30 kg aufgestallt und bis zu einem Endgewicht von 110-115 kg gemästet. Insgesamt wurden 682 Schweine aufgestallt, davon wurden 280 Schweine ökologisch und 402 Schweine konventionell gehalten und gefüttert. Die statistische Auswertung erfolgte auf Basis der Leistungsdifferenzen der Herkünfte zu den jeweiligen BHZP-Tieren auf der Station. Zur Auswertung der Mastleistung, Schlachtkörperqualität und Fleischzusammensetzung wurde ein varianzanalytisches Modell mit den Einflussfaktoren Rasse, Umwelt, Geschlecht und der Interaktion aus Herkunft und Umwelt und, falls signifikant, anderen 2-Wege Interaktionen als fixen Effekten gewählt. Bezüglich der Mastleistung wurden höchst signifikante Interaktionen zwischen Herkunft und Umwelt für alle gewählten Merkmale aufgefunden. Verantwortlich dafür waren die Leistungsdifferenzen zwischen den Umwelten, die sich für die eingesetzten Herkünfte unterschieden. Man spricht in diesem Fall von Skalierungseffekten der G-U-Interaktion. Es kam zu keinen Rangfolgeverschiebungen innerhalb der Herkünfte zwischen den Umwelten, alle Herkünfte erzielten in der konventionellen Umwelt die besseren Mastleistungen. Für die täglichen Zunahmen zeigten die alten Rassen SH und AS und deren Kreuzungen mit PI-Ebern die geringsten Differenzen zwischen den Umwelten, die größten Differenzen wurden für die modernen Herkünften BHZP und PIxDE nachgewiesen. Die AS- und DUxDL-Tiere fraßen in der ökologischen Prüfumwelt das meiste Futter und wiesen die größten Differenzen zwischen den Umwelten für dieses Merkmal auf, alle anderen Herkünfte unterschieden sich nicht signifikant in ihrer Futteraufnahme zwischen den Umwelten.Für die Schlachtkörperqualität lagen höchst signifikante Interaktionen zwischen Herkunft und Umwelt vor, die ebenfalls auf unterschiedlich hohe Leistungsdifferenzen der Herkünfte zwischen den Umwelten zurückzuführen waren. Die DUxDL- und PIxSH-Schweine wiesen die größten Umweltdifferenzen für die nach Bonner und Gruber Formel berechneten Fleischanteile und die meisten der Speckmaße auf. Die alten Herkünfte AS und SH erzielten in beiden Umwelten den niedrigsten Fleischanteil nach Bonner Formel, die Herkünfte BHZP und PIxDE den höchsten. Bis auf den pH24-Wert gemessen im Schinken lagen keine signifikanten Interaktionen für die Fleischbeschaffenheitsmerkmale vor. Die Fleischbeschaffenheitsmesswerte aller Herkünfte lagen in beiden Prüfumwelten auf einem Niveau bei dem DFD- oder PSE-Mängel ausgeschlossen werden konnten. Für die Fleischzusammensetzung lagen höchst signifikante Interaktionen zwischen Herkunft und Umwelt vor, die auch aufgrund von Skalierungseffekten zustande kamen. Generell war der intramuskuläre Fettgehalt (IMF) für die ökologisch gehaltenen und gefütterten Schweine höher. Lediglich die ökologisch gehaltenen PIxAS- und DUxDL-Schweine wiesen einen IMF von über 3 % auf. Die höchste Differenz zwischen den Umwelten für den IMF wurde für die PIxAS-Kreuzungen mit knapp 2 %, die niedrigste für die AS-Reinzuchten mit 0,70 % nachgewiesen. Aufgrund der nicht aufgetretenen Rangfolgeverschiebungen innerhalb der Herkünfte zwischen den Umwelten bei Mastleistung, Schlachtkörperqualität und Fleischzusammensetzung in der vorliegenden Untersuchung, kann davon ausgegangen werden, dass sich keine der im Versuch eingesetzten Herkünfte besser für die ökologische Schweinemast eignet als die andere. Die Tatsache, dass keine Rangfolgeverschiebungen vorlagen, bedingt auch, dass kein eigenständiges Zuchtprogramm für die ökologische Schweinemast nötig ist, da Herkünfte die in konventionellen Zuchtprogrammen die besten Leistungen erbringen und für die Produktionsstufe ausgewählt werden, diese auch unter ökologischen Bedingungen realisieren können.

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Erstpublikation in

Giessen : VVB Laufersweiler 2009

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