Die szintigraphische Untersuchung der Lungenbelüftung ist ein seit Jahrzehnten etabliertesVerfahren zur Untersuchung der Atemwege bei obstruktiven und restriktivenLungenerkrankungen und zur Diagnose und Differentialdiagnose einer Lungenembolie (LE)in Ergänzung zur Perfusionsszintigraphie. Diese Untersuchung wird meist alsInhalationsszintigraphie mit radioaktiv markierten Aerosolen durchgeführt.In der Abklärung einer LE wird heute überwiegend das Spiral-CT eingesetzt, das jederzeit inder Notfall-Diagnostik zur Verfügung steht und eine Embolie großer und mittlererPulmonalarterien mit sehr hoher Treffsicherheit nachweist. Dagegen ist die szintigraphischeLE-Diagnostik sensitiver bei kleinen, subsegmentalen Embolien. Ein weiterer Vorteil derSzintigraphie ist der Verzicht auf eine Kontrastmittelapplikation, die bei multimorbidenPatienten mit vorgeschädigten Nieren problematisch sein kann. Ein Nachteil derInhalationsszintigraphie liegt darin, dass eine hinreichende Compliance des Patientenerforderlich ist, weil die Güte der Inhalationsszintigraphie sehr von der Mitarbeit desPatienten abhängt.In dieser Arbeit wurde ein neues Inhalationssystem, AKITA, mit flussregulierterAerosolzufuhr mit einem Standardsystem, VENTICIS II, verglichen. Ein solcher Vergleichwurde bisher immer nur qualitativ visuell vorgenommen. Da ein solcher Vergleich starkuntersucher-abhängig ist, haben wir versucht, mit quantifizierenden Auswerteverfahren eineobjektivierbare Beurteilung zu ermöglichen. Wir konnten zeigen, dass mit diesen Verfahrenund den dabei erhaltenen Messgrößen eine sehr gute Übereinstimmung zur visuellenBewertung erzielt werden kann. Auf der Grundlage beider Bewertungen, visuell-qualitativund parametrisiert-quantitativ, wurden beide Systeme bewertet und miteinander verglichen.Vergleichskriterien waren die Gesamthöhe der Aktivitätsdeposition und die Homogenität derDeposition mit möglichst guter Darstellung der Peripherie und möglichst geringer, weilstörender, zentraler Deposition.Der Vergleich beider Systeme zeigte, dass mit dem AKITA-System keine konstant (guten)Ergebnisse erhalten wurden. Teilweise waren sie zwar gleich gut oder in der Peripherie sogarbesser als mit VENTICIS II, aber wiederholt fand sich eine außerordentlich starke zentraleDeposition ohne ausreichende Darstellung der Peripherie, die in diesem Ausmaß mitVENTICIS II nicht beobachtet wurde. Somit ergab der Einsatz des AKITA-Systems inunserer Untersuchung keinen Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Vernebler.Dieses Ergebnis war überraschend, weil das AKITA-System zunehmend in der Applikationvon Medikamenten erfolgreich eingesetzt wird. Hierbei können die Patienten aber ohneZeitdruck mit dem Gerät arbeiten und sich an die funktionellen Besonderheiten gewöhnenund ihre Atmung anpassen. In der Routinediagnostik der LE kann aber ein Patient nichtbeliebig lange mit dem Gerät trainieren. Kann er sich schnell an das Gerät gewöhnen, werdenmindestens gleich gute, meist sogar bessere Ergebnisse erzielt, als mit VENTICIS II, reichtdie Trainingszeit nicht aus, werden die Ergebnisse schlechter und letztlich unbefriedigend.Wir haben dargelegt, dass geringe Modifikationen der Hardware und der Software-Steuerungvon AKITA diese Probleme vermeiden oder deutlich reduzieren könnten; im Rahmen unsererUntersuchung war eine solche Modifikation aber aus technischen und statistischen Gründen,um die Studie nicht zu verfälschen, nicht möglich.Die von uns vorgeschlagenen Modifikationen erscheinen einfach, so dass das AKITA-Systemdas Potential bietet, die Treffsicherheit der Inhalationsszintigraphie im Standardeinsatz, in derLE-Diagnostik, deutlich zu verbessern.Ein anderer interessanter Aspekt ist die Frage, ob mit der flussregulierten Inhalation neueEinsatzmöglichkeiten für die Inhalationsszintigraphie gefunden werden können.In einigen Studien wurde gezeigt, dass die Inhalationsszintigraphie sensitiver für dieFrüherkennung obstruktiver Lungenerkrankung ist als die Lungenfunktionsdiagnostik [4, 15,37]. Da sich daraus aber bisher keine Vorteile für den Patienten ergeben, wird dieStrahlenexposition vermieden und die Lungenfunktionsdiagnostik ist hier der Gold-Standard.In dem Moment, wo eine frühzeitige Therapie ein besseres Outcome für den Patientenbringen würde, hätte die Inhalationsszintigraphie einen neuen Stellenwert.Fraglich ist weiterhin, ob es eine Anwendung für die Untersuchung spezifischer Abschnitteder Lunge gibt. Lungenfunktionsuntersuchungen liefern meist nur Aussagen über integrale,globale Werte der Lungenfunktion oder lassen die dominierende Komponente einerErkrankung erkennen. Dagegen erlaubt die Inhalationsszintigraphie eine regionale Zuordnungeiner Störung [5, 6, 36]. Das AKITA-System bietet prinzipiell die Möglichkeit, ein Aerosolgezielt in verschiedenen Abschnitten der Luftwege, mehr zentral oder mehr peripher, zudeponieren. Möglicherweise kann diese Eigenschaft diagnostisch und therapeutisch sinnvollausgenützt werden.Somit erlaubt diese Studie folgende Aussagen: Das AKITA-System ist so, wie es angebotenwird, für die nuklearmedizinische Routine (noch) nicht geeignet. Die fluss-regulierteInhalation mit diesem System hat aber das Potential, die Treffsicherheit derInhalationsszintigraphie deutlich zu verbessern. Darüber hinaus eröffnet dieses Systemneuartige diagnostische Möglichkeiten mit interessanten therapeutischen Optionen.
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