Moderne Pferdehaltung in Deutschland beinhaltet noch immer vor allem Einzelboxenhaltung, mit einem stetigen Trend zur artgerechteren Aufstallung, welche die Haltung in einer Gruppe sowie eine vermehrte Bewegung der Tiere impliziert. Es ist jedoch fraglich, wie viel sich Pferde aus eigenem Antrieb am Tag fortbewegen, und wie verschiedene Bereiche eines solchen artgerechten Stalles frequentiert werden. Die exakten Ansprüche des Pferdes müssen noch genauer evaluiert werden. Die ist jedoch mit großem Aufwand verbunden, da herkömmliche Beobachtungsmethoden vor allem sehr zeitaufwendig sind. In der vorliegenden Untersuchung wurden verschiedene Methoden zur Verhaltenserfassung miteinander verglichen, insbesondere in der Anwendung am Pferd und im Einsatz bei einer Gruppen-Auslaufhaltung. Zum Einsatz kamen die Methoden Direktbeobachtung, Videobeobachtung, GPS, ALT-Pedometer sowie eine neuartige Methode der Funk-Ortung. Nachdem die neue Methode der Funk-Ortung aufgebaut, getestet und die Versuchspferde an das Tragen von Geräten und Gurten gewöhnt worden waren, wurde das Verhalten von neun Pferden über eine Episode von jeweils 24 Stunden erfasst. Hierfür wurden alle vorher genannten Methoden eingesetzt und diese miteinander verglichen. Pedometer wurden sowohl an Vorder- als auch an Hinterbeinen angebracht, um die Unterschiede in der Methodik ebenfalls zu erfassen. Im Vergleich der Methoden untereinander wurde die Video-Analyse als Gold-Standard gewählt und die Messungen mittels der anderen Methoden damit verglichen. Es konnte herausgearbeitet werden, dass Direktbeobachtung und Videoanalyse sehr genaue, aber auch sehr arbeitsintensive Methoden zur Erfassung von Verhaltensdaten darstellen. Die GPS-Technologie erzielte im Stall und in stallnahen Bereichen naturgemäß nur sehr schlechte Ergebnisse, aufgrund des mangelnden Sichtkontaktes zu den entsprechenden Satelliten. Auch die Technik der Pedometrie konnte nicht alle Verhaltensdaten erfassen. Zum einen können von den ALT-Pedometern ausschließlich Aktivität, Liegeverhalten und Temperatur erfasst werden. Aufenthaltsorte und ausgewählte Verhaltenskreise wie Futteraufnahme-, Ausscheidungs- oder Spielverhalten sowie die, für das Verhalten des Pferdes sehr wichtigen, Stereotypien bleiben unberücksichtigt. Zum anderen konnten die ALT-Pedometer auch im Bereich Liegeverhalten nicht überzeugen, da sie nicht klar zwischen Brust- und Seitenlage unterscheiden konnten. Die neue Technik der Funkortung beinhaltete zunächst umfangreiche Baumaßnahmen zur Installation des Systems. Auch die am Tier zu tragenden Geräte mussten zunächst verkleinert, die Akku-Leistung angepasst und spezielle Gurte für die Befestigung am Pferd konstruiert werden. Die erfolgten Messungen waren sehr aufwendig, da die Tiere permanent beaufsichtigt werden mussten, um die Gefahr einer Beschädigung der Gurte und Geräte zu minimieren. Die Funk-Ortung lieferte gute Ergebnisse, es konnten Aufenthaltsbereiche, Bewegungszustände und Geschwindigkeiten sowie erstmals auch die zurückgelegten Wegstrecken plausibel ermittelt werden. In Zukunft muss jedoch noch die Tiergerechtheit dieser Anwendung verbessert werden. Die Geräte und zugehörigen Akkus müssen verkleinert und in einer Form am Pferd angebracht werden, dass sie das Tier in seinem natürlichen Verhalten nicht stören und keinen weiteren Beobachtungsaufwand und Eingreifen von Seiten des Menschen nötig machen. Weiterhin sollte die Messungsgenauigkeit in der z-Achse überarbeitet werden, damit die Pferde nicht so häufig als liegend geortet werden. Wenn diese Probleme behoben sind, stellt die Funkortung eine viel versprechende Messmethode für die Zukunft dar, welche bei verschiedenen Tieren und Untersuchungen eingesetzt werden kann. Sie vereinfacht und beschleunigt aufwendige Verhaltenserfassungen um ein Vielfaches. In Kombination mit einer Videoüberwachungsanlage zur Erfassung von Umgebungseinflüssen könnte die Funkortung in Forschungsfragen gute Ergebnisse liefern. Besonders auch die Möglichkeit der direkten Umsetzung in Grafiken, und die sofortige Umrechnung und Nutzbarkeit der Daten und Wegstrecken vereinfachen aufwendige Verhaltensanalysen. Verhaltenserfassungen und damit verbundene mögliche Verbesserungen von Stallsystemen, Auslaufhaltungen und Gehegen könnten damit in Zukunft deutlich erleichtert werden.
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