Für das ärztliche und pflegerische Personal in der Intensivmedizin steigt der Dokumentationsaufwand durch zusätzliche Anforderungen im Bereich Leistungserfassung und Qualitätssicherung sukzessiv. Zur Verbesserung der Dokumentation stehen derzeit verschiedene Patienten-Daten-Management-Syteme (PDMS) auf dem Markt zur Verfügung. Trotz der scheinbaren Notwendigkeit einer computergestützten Dokumentation ist deren Verbreitung jedoch unter den Erwartungen. Das Ziel der hier vorgelegten Arbeit war eine Statuserhebung zum Stellenwert von PDMS in der Intensivmedizin in Deutschland. Dabei sollte als Hauptziel der Untersuchung die Gesamtzufriedenheit bei der Dokumentation mit einem PDMS erhoben und mit der papierbasierten und der computerassistiertenDokumentation verglichen werden.
Hierzu wurde in einem mehrstufigen Verfahren mit einem Expertengremium ein Fragebogen entwickelt und einem Pretest unterzogen. Auf der Jahrestagung der DIVI 2004 konnten insgesamt 3400 Erhebungsbögen an die Teilnehmer verteilt werden.
Der Rücklauf betrug mit 247 Bögen 7,3%. 39,3% der Erhebungsbögen füllten Frauen und 59,1% Männern aus. Das durchschnittliche Alter lag bei 41,5 Jahren (SD +/- 8,0). 64,0% der Befragten gaben an, auf der Intensivstation eine rein manuelle Dokumentation durchzuführen, 10,9% setzen eine computerassistierte Dokumentation ein und 20,6% gaben an, ein PDMS zu verwenden. Dabei zeigte sich in der Frage nach der Zufriedenheit mit der Dokumentation, dass die Gruppe mit dem Einsatz eines PDMS eine signifikant höhere Zufriedenheit aufzeigte (p<0,001). Als Gründe für die Unzufriedenheit bei der manuellen und computerassistierten Dokumentation stellten sich der zu hohe Zeitaufwand, die Mehrfachdokumentation, sowie die mangelnde Auswertbarkeit dar.
Insgesamt 8% PDMS Nutzer kritisierten die schlechte Übersichtlichkeit, eine mangelnde Systemintegration und eine schlechte Datenauswertung und -präsentation. 90,8% der Ärzte und 90,6% des Pflegepersonals hielten die Einführung eines PDMS für sinnvoll, von Ärzten und Pflegern in leitender Position waren es 94,3%, bei den DRG-Beauftragten 95,0%. Die drei am häufigsten genannten Argumente für die Einführung eines PDMS waren dieVerbesserung der Auswertungsmöglichkeiten sowie der Dokumentationsqualität und der geringere Dokumentationsaufwand. Als Haupthinderungsgründe bei der Einführung eines PDMS wurden die hohen Investitionskosten, mangelnde Ressourcen in der Abteilung und ein unübersichtliches Marktangebot aufgezeigt.
Die zentrale Erkenntnis der Erhebung ist, dass wenn auch viele Forderungen zurzeit noch nicht vollständig erreicht sind oder sogar ökonomisch nicht erreicht werden können, die Systeme trotzdem schon heute viele Funktionen zur Verfügung stellen, die die Zufriedenheit der Anwender und damit vielleicht auch den Behandlungsprozess verbessern.
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