Die vorliegende Arbeit dient der histomorphologischen Erfassung der equinen Zervix unter funktionellen Aspekten. In einem vorgeschalteten Schritt wurde mit Hilfe mikrobiologischer Studien der allgemeine bakterielle Status in den unterschiedlichen Abschnitten des Reproduktionstraktes der Stute verifiziert, um Rückschlüsse auf die Effektivität verschiedener Verschluss- und Schutzvorrichtungen, insbesondere der Zervix, zuzulassen.
Für die mikrobiologischen Untersuchungen standen 30 klinisch unauffällige und genital gesunde Stuten zur Verfügung, wobei es sich um 20 lebende und zehn Stuten unmittelbar nach der Schlachtung handelte, deren Zervices nachfolgend für die histologische Untersuchung verwendet wurden. Die Tupferprobenentnahme erfolgte bei jeder Stute aus den Lokalisationen Vestibulum, Vagina, Zervix und Uterus.
Es zeigte sich eine signifikante Reduktion der bakteriologisch positiven Befunde, der Intensität der bakteriellen Manifestation und der Erregerartenzahl im Verlauf des weiblichen Genitaltraktes von kaudal zum Uterus hin (p<0,05). Die stärkste quantitative Reduktion ließ sich hierbei am Übergang vom Vestibulum zur Vagina konstatieren.
Bemerkenswert ist jedoch das errechnete Zahlenverhältnis der fakultativ pathogenen zu den apathogenen Keimarten, wobei die fakultativen Keimarten entlang der caudo-kranialen Achse des Reproduktionsapparates proportional stärker abnimmt. Die deutlichste Verschiebung zu den apathogenen Spezies zeigte sich am Übergang von Vagina zur Zervix. Hinsichtlich der selektiven Elimination der fakultativ pathogenen Mikroorganismen muss der Zervix also eine größere Bedeutung als dem Hymenalring zugesprochen werden.
Für die histologischen Untersuchungen wurden aus fünf verschiedenen Regionen entlang der Longitudinalachse von zehn Zervices Gewebeproben entnommen. Zur selektiven Darstellung der Zellpopulationen und des Bindegewebes kam als Färbelösung Hämatoxilin-Eosin, Siriusred, Toluidinblau und Azan nach Heidenhain zum Einsatz.
Es zeigt sich, dass sich das Zervikalepithel der Stute durch eine Variabilität der Zellhöhe auszeichnet, wobei die größten Werte mit 19,0 2,4 µm im apikalen Teil der Schleimhautfalten verzeichnet werden. Die freie Zellmembran weist, entgegen Angaben in der Literatur, einen deutlich erkennbaren Ziliensaum entlang des gesamten Canalis cervicalis auf.
Die tiefen Schichten der Tela submucosa verfügen über eine starke Vaskularisierung, welche signifikant höher als in den übrigen Gewebeschichten ist. Die Funktion dieses Venenplexus ist noch unklar. Angenommen wird eine Unterstützung der Verschlussfunktion des Zervikalkanals in Form eines Schwellkörpers.
Mit Hilfe der Siriusred-Färbung, die bis dato nicht beim Pferd etabliert ist, gelingt eine sehr gute Darstellung der equinen eosinophilen Granulozyten. Die Toluidinblau-Färbung weist in der vorliegenden Studie eine gute Sensivität in der Detektion von zervikalen Mastzellen auf.
Auffallend zellreich stellt sich die Tela submucosa bezüglich beider Zellpopulationen heraus. Die signifikant höchste Zelldichte liegt mit 2,4 (SF 6,8) Eosinophilen Granulozyten und 2,0 (SF 7,2) Mastzellen pro mm² im Bereich bis 100 µm unterhalb des Epithels (p 0,001). In der Tunica muscularis und dem Epithelium mucosae dagegen, können beide Zellpopulationen nur vereinzelt detektiert werden. Eosinophile Granulozyten und Mastzellen zeigen entlang der Längsachse der Zervix eine weitgehend homogene Verteilung, mit einer leicht abnehmenden Tendenz zum Uterus hin. Hohe individuelle Schwankungen spiegeln sich im Streufaktor wider.
Im Östrus kann eine verstärkte Infiltration des Gewebes mit eosinophilen Granulozyten beobachtet werden, wobei vor allem die oberflächlicheren Gewebeschichten involviert sind. Der Unterschied zum Diöstrus erweist sich jedoch als knapp nicht signifikant.
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