Neuronale Korrelate der Bedrohungsverarbeitung bei Sozialer Angststörung
| dc.contributor.advisor | Hermann, Andrea | |
| dc.contributor.advisor | Straube, Benjamin | |
| dc.contributor.author | Fricke, Susanne | |
| dc.date.accessioned | 2026-07-17T08:23:41Z | |
| dc.date.issued | 2026-04 | |
| dc.description.abstract | Diese Dissertation untersucht die Bedrohungsverarbeitung und ihre neuronalen Korrelate bei Sozialer Angststörung (SAD), fokussiert auf zwei bisher wenig erforschte Aspekte: kontextabhängige Furchtkonditionierung und selbstbezogene Verarbeitung neutraler Gesichter. In der ersten Studie wurde die kontextabhängige Modulation von Furcht untersucht und dabei, basierend auf phänomenologischen Ähnlichkeiten zur Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erwartet, dass Patient:innen mit SAD ähnliche Defizite aufweisen wie Betroffene mit PTBS (Garfinkel et al., 2014; Milad et al., 2009; Wicking et al., 2016). Während in der Gesamtstichprobe keine eindeutigen Parallelen zur PTBS gefunden wurden, zeigte sich in einer Untergruppe von Patient:innen mit klinisch relevanten Intrusionen in Reaktion auf ein sozial aversives Ereignis ein spezifisches Defizit: eine Hypoaktivität des ventromedialen präfrontalen Cortex (vmPFC) während des Extinktionslernens und -abrufs. Dies deutet auf eine unzureichende Nutzung von Kontextinformationen zur Furchtmodulation hin, ein bei PTBS vielfach replizierter Befund (Milad et al., 2009; Rougemont-Bücking et al., 2011). Patient:innen ohne Intrusionen wiesen hingegen andere neuronale Muster auf, was eine Differenzierung nach Subtypen nahelegt. In der zweiten Studie stand die Verarbeitung neutraler Gesichter und der Einfluss selbstbezogener Verarbeitung im Fokus. Hierzu kam ein neu entwickeltes Paradigma mit ausschließlich neutralen Gesichtern zum Einsatz. Patient:innen mit SAD bewerteten neutrale Gesichter subjektiv negativer als Kontrollpersonen, obwohl sich keine signifikanten Unterschiede in der neuronalen Aktivierung zeigten. Daraus ergibt sich, dass neutrale Gesichter keine geeignete neutrale Vergleichsbedingung, beispielsweise bei der Untersuchung der Verarbeitung emotionaler Gesichter, darstellen. Wie erwartet, führte die Verstärkung der selbstbezogenen Verarbeitung bei Patient:innen mit SAD verglichen mit gesunden Kontrollproband:innen zu einer negativeren Valenz, begleitet von einer erhöhten Aktivität in der Insula und dem ACC. Diese Befunde deuten vermutlich auf eine stärkere interozeptive Wahrnehmung (Critchley et al., 2004; Terasawa et al., 2013) und negativere selbstbezogene Gedanken (Wagner et al., 2013) in der Patient:innengruppe hin. Die Reduktion des Selbstbezugs war mit einer stärkeren Aktivierung des dlPFC verbunden, was darauf hindeutet, dass eine möglicherweise damit assoziierte Emotionsregulation in SAD mit einem höheren kognitiven Aufwand verbunden war (Koechlin et al., 2003). Aus den Befunden lässt sich ein hypothetisches Modell ableiten, das einen wechselseitigen Zusammenhang postuliert: Defizite in der kontextabhängigen Furchtmodulation könnten zu einer erhöhten Unsicherheit in sozialen Situationen führen, was wiederum den Selbstbezug verstärkt. Dieser verstärkte Selbstbezug könnte wiederum die Nutzung externer Sicherheitssignale erschweren und so zur Aufrechterhaltung der sozialen Angst beitragen. Außerdem unterstützen die Ergebnisse der Dissertation einen transdiagnostischen Ansatz, der störungsübergreifende Mechanismen in den Fokus von Forschung und Behandlung rückt. Therapeutisch wird empfohlen, bei Patient:innen mit SAD gezielt auslösende sozial aversive Ereignisse und damit in Zusammenhang stehende Intrusionen (z. B. in Form verzerrter Vorstellungsbilder von sich selbst) zu erfragen. Gegebenenfalls können diese Ereignisse durch Techniken wie Reliving oder Imagery Rescripting bearbeitet werden, um eine bessere Kontextualisierung zu ermöglichen. Außerdem könnte die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen Gefahren- und Sicherheitssignalen oder -kontexten durch Diskriminationstrainings verbessert werden. | |
| dc.description.sponsorship | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG); ROR-ID:018mejw64 | |
| dc.identifier.uri | https://jlupub.ub.uni-giessen.de/handle/jlupub/21704 | |
| dc.identifier.uri | https://doi.org/10.22029/jlupub-21048 | |
| dc.language.iso | de | |
| dc.relation.haspart | https://doi.org/10.1017/S0033291723002179 | |
| dc.rights | Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International | en |
| dc.rights.uri | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/ | |
| dc.subject | Soziale Angststörung | |
| dc.subject | Furchtkonditionierung | |
| dc.subject | Neutrale Gesichter | |
| dc.subject | Bedrohungsverarbeitung | |
| dc.subject | fMRT | |
| dc.subject.ddc | ddc:150 | |
| dc.title | Neuronale Korrelate der Bedrohungsverarbeitung bei Sozialer Angststörung | |
| dc.type | doctoralThesis | |
| dcterms.dateAccepted | 2026-06-23 | |
| local.affiliation | FB 06 - Psychologie und Sportwissenschaft | |
| local.project | Intrusives Wiedererleben bei der Sozialen Angststörung: Spielt der Kontext eine Rolle? | |
| thesis.level | thesis.doctoral |