Um die narrative Konstruktion von okkultem Wissen in Romanen und Sachbüchern der modernen Hexenreligion Wicca des 20. Jahrhunderts zu beschreiben, verknüpft die Arbeit sinnsoziologische und religionswissenschaftliche Theorien mit literaturwissenschaftlichen Kategorien u.a. aus der Narratologie, Fiktionstheorie und Funktionsgeschichte. Der Begriff okkulten Wissens umfasst Prozesse der Sinnherstellung, okkulte Sinnstrukturen, alternative Formen von Wissen und Erkenntnis sowie Elemente und Strukturprinzipien okkulter biographischer Narrationen. Narrative Darstellungsverfahren fiktionaler Texte werden genauso in den Blick genommen wie Formen des nicht-fiktionalen Erzählens. Ein Vergleich von Texten historisch relevanter Autoren arbeitet gattungsspezifische kulturökologische Funktionspotentiale von Romanen und Sachbüchern im historischen Kontext der Wicca-Religion heraus. Das beinhaltet u.a. die Konstruktion von Evidenz in Romanen und nicht-fiktionalen Erlebnisberichten als Rechtfertigungsstrategie gegen Irrationalitätsvorwürfe. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Konstruktion von Geschichte im Kontext des anti-satanistischen Hexenstereotyps. Als ein von prototypischer Narrativität abweichender Sonderfall wird darüber hinaus das instruktive Erzählen okkulter Skripte beschrieben, das Lesern real mögliche okkulte Praxis ermöglichen soll. Zu den Primärtexten gehören Werke von Gerald Gardner, Stewart Farrar, Starhawk und Tamarin Laurel. Die Arbeit bestimmt die Gattungen esoterischer Roman und Populär-Esographie und vergleicht sie mit Gattungsbegriffen aus dem Bereich des Okkulten und Magischen. Mit einer Betonung der besonderen Funktionen von Roman und Sachbuch bei einer okkulten Ökologie von Selbst und Kultur versteht sich die Arbeit als ein Beitrag zur Wicca-Forschung, zur Sachbuchforschung, zur Esoterik- und Okkultismusforschung und zur Diskussion moderner und postmoderner Religion und Spiritualität.
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