Die "Faktor VII-aktivierende Protease" ist eine neuartige Serinprotease, die unabhängig von TF den Gerinnungsfaktor VII aktiviert. Außerdem ist sie in der Lage fibrinolytisch als potenter Aktivator von Prourokinase zu wirken. Aufgrund ihrer starken Bindungsaffinität an Glykosaminoglykane wurde sie auch als "plasma hyaluronan binding protein" (PHBP) beschrieben.
Erste Untersuchungen haben in einer Nothern blotting Studie eine Expression von der Protease in Leber, Skelettmuskulatur, Niere und Pankreas gezeigt.
In der vorliegenden Arbeit wurde die Verteilung des Faktors auf Proteinebene in Gewebeproben von menschlichen Normalgeweben und Tumoren untersucht.
Als Verfahren wurde die Immunhistochemie eingesetzt. Mit Hilfe der APAAP-Methode und zweier spezifischer, gegen FSAP gerichteter monoklonaler Antikörper wurde der Expression der Antigene in den genannten Geweben nachgegangen. Eine positive intrazytoplasmatische Reaktion zeigten vor allem verschiedene Epithelien, das Stroma reagierte in vielen Fällen negativ. Eine Expression von FSAP wurde in einer Vielzahl von normalen humanen Geweben und in allen Arten und Differenzierungen der untersuchten urologischen Tumoren nachgewiesen. Einzelne Zelltypen wie z.B. Plasmazellen zeigten in allen untersuchten Organen eine sehr starke Antigen-Expression. Aufgrund des großen Spektrums der positiv reagierenden Zellen und Gewebe, ließ sich diese Expression jedoch nicht als Differenzierungsmerkmal nutzen. Zwischen den verschiedenen histologischen Tumortypen konnten keine Unterschiede im Expressionsverhalten oder Verteilungsmuster der Protease aufgezeigt werden. Nach den vorliegenden Ergebnissen ist nicht davon auszugehen, dass FSAP als ein für bestimmte Tumoren typisches Merkmal aufzufassen wäre. Die Antikörper gegen FSAP lassen sich demnach weder zur immunologischen Diagnostik verschiedener urologischer Malignome noch zur Prognosestellung dieser sinnvoll einsetzen.
Im Gegensatz zu anderen typischen hämostatischen Proteasen, lässt das Vorkommen von FSAP in einer großen Anzahl diverser Zellen und Gewebe auf eine weite Verteilung der Protease schließen.
Sie ist ein ubiquitär vorhandenes Protein, das sich in nicht bekannten intrazellulären Komponenten befindet. Es bleibt in weiteren Studien zu klären, in welchen Organen und Zellen FSAP synthetisiert wird und in welche Zellen oder Gewebe es sekundär aufgenommen wird. Die physiologischen Funktionen der Protease sind bisher noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Die Ergebnisse verschiedener Studien über FSAP deuten vorrangig auf Aufgaben in der Hämostase hin. Möglicherweise kommt die im Gefäßendothel vorhandene Protease durch Verletzungen in Kontakt mit dem im Plasma vorhanden Faktor VII und startet so auf exogenem Weg die Blutgerinnung.
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