Das Schultergelenk zählt zu den gefährdetsten Gelenken des menschlichen Körpers. Es zeigt die häufigste Dislokationsneigung mit daraus entstehenden Verletzungen. Eine Festlegung des therapeutischen Vorgehens setzt eine detaillierte und genaue Diagnostik voraus. Kernspintomographische Untersuchungen sind hierbei die Methode der Wahl. Hierzu zählen die konventionelle MRT und die direkte MRA. Eine Gegenüberstellung beider Verfahren mit detaillierter Analyse von Einzelläsionen des Labrums und des Gelenksknorpels fehlte bislang weitgehend. Ziel dieser Arbeit war es daher, MRT- und MRA-Befunde, die an jeweils demselben Patienten erhoben wurden, zu vergleichen. Über die Nachweisbarkeit der Läsionen hinaus sollte geklärt werden, ob MRT und MRA dieselbe Läsionslokalisation, denselben Läsionstypus und Läsionsgrad beschreiben. Zudem sollten Kombinationsverletzungen und der Nachweis von Zusatzbefunden, wie z.B. knöcherne Läsionen, analysiert werden. Insgesamt wurden im Zeitraum 01/2001 bis 6/2012 283 Patienten mittels MRT und MRA untersucht. 68 Patienten konnten in die Studie aufgenommen werden. MRT und MRA wurden jeweils mit einem 1,5 Tesla-Gerät durchgeführt. Insgesamt standen 14382 Schnittbilder für die Befundung zur Verfügung. Die Beurteilung von Labrum und Knorpel erfolgte nach einem eigens entwickelten Auswertungsbogen. Der statistische Vergleich beider Verfahren erfolgte mit dem genauen Test nach Fisher, dem McNemar Chi-Quadrat-Test mit Kontinuitätskorrektur und dem Wilcoxon-Test für verbundene Stichproben. Statistische Signifikanz wurde bei p-Werten =0,05 angenommen.Das Patientenkollektiv der hier vorliegenden Studie entspricht hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung der in der Literatur veröffentlichten Alters- und Geschlechtsverteilung von Patienten mit Schulterverletzungen. Männer waren dreimal häufiger betroffen als Frauen. Die Altersverteilung war zweigipflig mit dem höchsten Wert für Männer zwischen 20 und 30 Jahren.Durch Gegenüberstellung der MRT- und MRA-Befunde von jeweils ein und demselben Patienten konnten wir zeigen, dass mittels MRT in ca. einem Drittel der Fälle nicht eindeutig zwischen Vorhandensein oder Fehlen einer Labrumläsion differenziert werden konnte (Verdachtsbefunde). Durch die MRA hingegen war eine Entscheidung für oder wider das Vorhandensein einer Läsion in jedem Falle möglich. In der MRA konnten somit alle Labrumläsionen sicher beurteilt werden. Die MRA war gegenüber der MRT für das Labrum signifikant von höherer diagnostischer Sicherheit. Bei der Detektion von Knorpelverletzungen zeigte sich, dass nur ein Viertel der Läsionen von beiden Verfahren gleichzeitig erkannt wurde. Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass Knorpelverletzungen deutlich seltener auftreten als Labrumläsionen. Der glenoidale Knorpel scheint gegenüber dem humeralen Knorpel verletzungsanfälliger zu sein. Kombinationsverletzungen von Labrum glenoidale und Cartilago glenoidalis finden sich daher am häufigsten.Die vorliegende Studie verglich zum ersten Mal umfangreich die Darstellbarkeit von Läsionslokalisation, Läsionstypus und Läsionsgraduierung der Labrum- und Knorpelverletzungen in MRT und MRA. Wurde eine Läsion sowohl von der MRT als auch von der MRA erkannt, so wurden Lokalisation, Typus und Graduierung bis auf wenige Ausnahmen identisch befundet. Deutliche Unterschiede zeigten sich jedoch in der Erhebung von Zusatzbefunden. Knochenfragmente das Caput humeri und Läsionen der Gelenkkapsel konnten nur mittels der MRA detektiert werden. Unterschiede bestanden auch beim Nachweis einer Hill-Sachs-Läsion. Diese konnte signifikant häufiger mittels MRT als durch die MRA nachgewiesen werden.Aus den Ergebnissen dieser Arbeit lässt sich schlussfolgern, dass ein Maximum an Labrum- / Knorpelläsionen und Zusatzbefunden nur in einer kombinierten Diagnostik von MRT und MRA in Folge zur Darstellung gebracht werden kann.
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