Vorschulische Selbstregulationsfähigkeiten stellen wichtige Prädiktoren der späteren Schulleistungen dar. Allerdings ist deren Wirkmechanismus bisher weitgehend ungeklärt. In der vorliegenden Studie wurden daher das Lern- und Sozialverhalten als mögliche Mediatoren untersucht. Hierfür wurde die Selbstregulation von durchschnittlich 5;9 Jahre alten Vorschulkindern erhoben (N = 217; 52,5 % Jungen). Dabei wurde sowohl die häufig als kalt bezeichnete, kognitive Facette der Selbstregulation in Form von drei Leistungstests zu den basalen exekutiven Funktionen Inhibition, Updating und Shifting als auch die eher warme emotional-motivationale Facette der Selbstregulation, die Effortful Control beurteilt durch die ErzieherInnen erfasst. Zu Beginn der zweiten Klassen wurden die Eltern und LehrerInnen zum Lern- und Sozialverhalten der Kinder befragt; die Schulleistungsvariablen (Halbjahreszeugnisnoten in den Fächern Mathematik und Deutsch und standardisierte Schulleistungstests zu Mathematik, Leseverständnis und Rechtschreibung) wurden am Ende der vierten Klasse erhoben. Zusätzlich wurden bereichsübergreifende Kontrollvariablen (d. h. der höchste Bildungsabschluss der Mutter als ein Indikator des sozioökonomischen Status und die fluide Intelligenz) sowie bereichsspezifische Vorläuferfertigkeiten (d. h. mathematische Basiskompetenzen und morphologische Kompetenzen) als weitere wichtige Prädiktoren der Schulleistung miterfasst. Es zeigte sich, dass bei gleichzeitiger Betrachtung der beiden Facetten der Selbstregulation und unter Berücksichtigung der genannten Kontrollvariablen lediglich die exekutiven Funktionen einen direkten prädiktiven Wert für die einzelnen schulischen Kompetenzen am Ende der Grundschulzeit aufwiesen. Effortful Control zeigte keinen statistisch bedeutsamen direkten Zusammenhang zu den erhobenen abhängigen Variablen (Modellfit: Chi²(76) = 112.315, p < .01, CFI = .966, RMSEA = .047). Im Anschluss wurde für alle drei Kulturfertigkeiten separat untersucht, ob dieser Effekt über das Lern- und Sozialverhalten mediiert wird unter Einbezug der Kontrollvariablen. Hierbei wurde deutlich, dass lediglich der Effekt der exekutiven Funktionen auf die beiden Zeugnisnoten und auf das Leseverständnis vollständig über das Lernverhalten vermittelt wurde. Weder für die Mathematik- noch die Rechtschreibleistung konnte eine Mediation über die hier gewählten Verhaltensvariablen beobachtet werden. Die Effortful Control zeigte zwar einen Einfluss auf die sozialen Kompetenzen, diese wiederum wirkten sich nicht bedeutend auf die akademischen Kompetenzen aus (Rechnen: Chi²(52) = 77.598, p < .01, CFI = .960, RMSEA = .048; Lesen: Chi²(28) = 36.144, p = .14, CFI = .985, RMSEA = .037; Schreiben: Chi²(18) = 20.020, p = .33, CFI = .995, RMSEA = .023). Das Lernverhalten bietet folglich einen guten Ansatzpunkt, um auf schulische Leistungen v. a. in Form von Zeugnisnoten Einfluss zu nehmen und dadurch mögliche Defizite in den exekutiven Funktionen zu kompensieren. Für die Verbesserung der Performanz in standardisierten Schulleistungstests hingegen sollten zukünftig weitere potentielle Mediatoren untersucht werden, wie die Unterrichtsqualität oder die Strategieanwendung.
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