Untersuchungen zur Reduzierung der Ferkelverluste und zur Verbesserung der täglichen Zunahmen der Ferkel bei hochfruchtbaren Sauen
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Zusammenfassung
Die durchgeführten Untersuchungen hatten zum Ziel, verschiedene Maßnahmen zur Verringerung der Saugferkelsterblichkeit zu evaluieren, und erfolgten auf drei Ferkelerzeugerbetrieben mit 500, 700 bzw. 140 Sauen, die im 4-, 1- und 3-Wochen- Rhythmus bewirtschaftet wurden. Im Einzelnen fand eine Analyse der Auswirkungen der Monocalciumphosphatgabe an die Sauen und der Geburtenüberwachung auf die Totgeburtenrate sowie der Step two-Liegefläche, der zweistündigen Wurftrennung, der oralen Gabe eines Energiepräparates, der Höhe des unteren Holmes des Sauenstandes (Korbhöhe), der Fußbodengestaltung, einer Gummimatte auf der Sauenliegefläche und der Geburtenüberwachung mit intensiver Neugeborenenversorgung auf die Ferkelverluste sowie täglichen Zunahmen während der Säugezeit statt. Die Untersuchungen erstreckten sich über 15 Durchgänge im Betrieb A, 21 im Betrieb B und 20 im Betrieb C. Dabei konnten im statistischen Modell zu den Einflüssen auf die Verluste Datensätze von 7.196 Ferkeln und zur Berechnung der Lebendmasseentwicklung solche von 6.551 Ferkeln verwendet werden. Die Teiluntersuchung zur Anzahl der totgeborenen Ferkel bei Sauen mit oder ohne Monocalciumphosphatgabe basierte auf 4 Durchgängen mit 22 Würfen und die zur Geburtenüberwachung auf 5 Wiederholungen mit 18 Geburten. Auf Basis des gesamten Stichprobenumfanges traten im Betrieb A 6,8 %, im Betrieb B 13,4 % und im Betrieb C 14,6 % Ferkelverluste auf. Diese Werte liegen niedriger als die nach Sauenplaner ausgewiesenen Verlustquoten (A = 11,6 %, B = 17,7 %, C = 22,2 %). Die Begründung liegt darin, dass nicht alle Ferkel des jeweiligen Haltungsdurchganges aus technischen Gründen in die Untersuchung einbezogen werden konnten, zwischen Geburt und Wägung (= Wurfaufnahme) auftretende Verluste nicht den jeweils untersuchten Einflussfaktoren zugerechnet werden konnten und insbesondere im Betrieb A viele Ferkel versetzt wurden, die ebenfalls nicht alle ausgewertet werden konnten. Diese Bedingungen galten allerdings für die jeweilige Untersuchungs- und Kontrollgruppe gleichermaßen, sodass der Vergleich ohne Einschränkung möglich war. Mit der vorliegenden Untersuchung konnte erneut bestätigt werden, dass 61,2 bis 77 % aller Abgänge in den ersten drei Lebenstagen entstehen. Dabei traten vor allem Verluste durch Erdrücken, Lebensschwäche und Erbfehler auf, die in allen Betrieben mit unterschiedlicher Häufigkeit die Hauptabgangsursachen bildeten. Monocalciumphosphatgabe Die Wirksamkeit einer Monocalciumphosphatgabe als Futteradditiv wurde bei älteren Sauen ab dem 5. Wurf unter dem Aspekt der Totgeburtenrate untersucht. Die Anzahl totgeborener Ferkel betrug bei Sauen ohne diese Futterbeimischung 2,35 pro Wurf. Mit der Monocalciumphosphatgabe konnte die Totgeburtenrate auf 1,17 Ferkel pro Wurf gesenkt werden (p < 0,05). Somit ist eine zweimalige Gabe von Monocalciumphosphat pro Tag und über eine Dauer von 7 Tagen bis zur Geburt zu empfehlen. Step two-Liegefläche Die Step two-Liegefläche brachte keine Vorteile für die Ferkel gegenüber einem planen Fußboden im Liegebereich der Sau. Die Ferkelverluste in Buchten mit einer solchen Erhöhung lagen tendenziell um 3,6 % höher, und auch die Lebendmasseentwicklung der Ferkel in Step two-Buchten war nicht besser als die in Abferkelbuchten ohne eine Erhöhung. Ein Umbau mit der Absenkung der Liegefläche der Sau, sodass vor allem kleinere Ferkel eine bessere Zugänglichkeit zum Gesäuge haben, oder generell der Verzicht auf Step two beim Neubau, sind Schlussfolgerungen aus diesen Teiluntersuchungen. Wurftrennung Die Wurftrennung (Abtrennung der schwersten Ferkel des Wurfes für etwa 2 Stunden nach der Geburt in einer Ferkelkiste o.ä., sodass die kleineren Wurfgeschwister Kolostrum in etwa 2 Saugakten aufnehmen können) konnte nur im Betrieb A die Ferkelverluste in der Tendenz senken. In den beiden anderen Betrieben waren keine eindeutigen Effekte zu erkennen. Eine bessere Lebendmasseentwicklung der Ferkel mit Wurftrennung war allein in Würfen von Sauen mit 3 bis 5 Würfen in den Betrieben A und C statistisch abzusichern. Eine einmalige Abtrennung von Teilen (ca. 50 %) des Wurfes für zwei Stunden kann auf einzelnen Betrieben eine positive Wirkung auf die Senkung der Ferkelverluste erzielen, sollte aber nach den vorliegenden Ergebnissen generell nicht überschätzt werden. Orale Energiegabe Die von den Herstellern der Präparate erwarteten Effekte einer zweimaligen oralen Gabe eines Energiepräparates blieben aus. Die orale Energiegabe bewirkte zwar tendenziell geringere Ferkelverluste im Betrieb B, jedoch waren bei beiden Betrieben (A und B) deutlich schlechtere Tageszunahmen der behandelten Ferkel im Vergleich zu Kontrolltieren zu beobachten, die bei Nachkommen älterer Sauen auch statistisch abzusichern waren. Auch bei gesonderter Auswertung der kleineren Ferkel (kleiner gleich 1,10 kg) wurden kaum positive Auswirkungen sichtbar. Unter Berücksichtigung der Kosten für die Präparate und des Arbeitsaufwandes ist von dieser Maßnahme abzuraten. Korbhöhe Der Korbhöhe (= Höhe des unteren Holmes des Sauenstandes) konnte keine Wirkung auf die Ferkelverluste zugeschrieben werden. Allerdings war in zwei Betrieben mit zunehmend besserer Zugänglichkeit der Ferkel an das Gesäuge (der untere Holm des Sauenstandes kann die obere Gesäugeleiste abdecken und den Zugang für die Ferkel erschweren) eine Verbesserung der täglichen Zunahmen der Ferkel im Mittel um 20 bis 30 g nachzuweisen. Vor der Geburt und im Verlauf der Säugezeit sollte die Korbhöhe entsprechend der Konstitution der Sau angepasst werden, um die störungsfreie Erreichbarkeit aller Zitzen durch alle Ferkel des Wurfes sicherzustellen. Die Höhe des unteren Holmes sollte nach Möglichkeit mindestens 28 cm betragen. Fußbodenvarianten Der Fußbodentyp hatte einen signifikanten Einfluss auf die Saugferkelverluste und bewirkte hochsignifikante Unterschiede in den täglichen Zunahmen der Ferkel. Der insgesamt tierfreundlichste Fußboden für die Saugferkel war in der vorliegenden Untersuchung der Kunststoffrost in der gesamten Abferkelbucht (Ferkelverluste bei älteren Sauen mit > 5 Würfen 10,8 %). Die höchsten Verluste in dieser Wurfkategorie (20,3 %) traten in Buchten mit Betonboden im vorderen Bereich auf. Gummimatte Eine Gummimatte auf der Sauenliegefläche führte zu subjektiv verbesserten Abliegevorgängen der Sauen (weniger Ausrutschen), konnte aber nicht durchgehend über alle Würfe die Ferkelverluste reduzieren und die täglichen Zunahmen erhöhen, sodass dieses Haltungselement keinen maßgeblichen Beitrag zur Verbesserung der Aufzuchtleistung erbringen kann. Geburtenüberwachung und intensive Neugeborenenversorgung Durch die Anwesenheit des Untersuchers während 5 Durchgängen donnerstags von 17 - 21 Uhr (18 Abferkelungen) konnten die Totgeburten in diesen Würfen um 40 % gesenkt (bedingt durch die relative geringe Zahl an Würfen nicht signifikant) und 22 Ferkel gerettet werden. Im Vergleich zu 101 Würfen mit 1.358 Ferkeln, die während der gesamten Laufzeit der Untersuchung ohne Ferkelwache geboren wurden, ließen sich die Ferkelverluste zwischen 0,9 und 9,7 % (bezogen auf die einzelnen Wurfnummern der Sauen) verringern. Bei einer Kalkulation (5 x 4 Stunden = 20 Stunden Ferkelwache x 15,00 / Akh = 300,00 Kosten; 22 Ferkel gerettet minus 15 % Ferkelverluste unterstellt = 19 Ferkel x 38,00 Grenzgewinn je Ferkel = 722,00 Erlös) konnte für den Betrieb konkret ein Zusatzgewinn von 422,00 nachgewiesen werden. Auf das Jahr bezogen ergibt sich durch die Anwendung einer Ferkelwache (nur 4 Stunden pro Woche, am Hauptabferkeltag Donnerstag von 17 bis 21 Uhr) ein zusätzlicher Gewinn von nahezu 4.400,00 .Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
